{"id":103156,"date":"2022-03-26T22:41:01","date_gmt":"2022-03-26T21:41:01","guid":{"rendered":"https:\/\/agoff.de\/?p=103156"},"modified":"2022-03-26T23:29:21","modified_gmt":"2022-03-26T22:29:21","slug":"geschichte-der-evangelischen-kirchengemeinde-brzeziny","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/agoff.de\/?p=103156","title":{"rendered":"Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde Brzeziny"},"content":{"rendered":"<table class=\"Artikelkopf_mit_Siegel\">\r\n<tr>\r\n<td><center><\/center><\/td>\r\n<\/tr>\r\n<\/table>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Stadt Brzeziny bei Lodz war im 16. Jahrh. der gr&ouml;&#223;te Tuchmacherort in Polen. Die &#8222;Brzeziner Tuche&#8221; erfreuten sich im In- und Auslande eines guten Rufes. Im Jahr 1565 z&auml;hlte die Stadt 290 Tuchmacher u. a. Handwerker, darunter auch Deutsche.<br>1462 erwarb Brzeziny Michael Lasocki, dann am Ausgang des 18. Jahrh. kam es in den Besitz der F&uuml;rsten Ogi&#324;ski. 1839 fiel das stark verschuldete Brzeziny an den Fiskus.<br>In der reformatorischen Zeit bildete sich um 1550 in Brzeziny eine kalvinische Gemeinde, die von Christoph Lasocki unterst&uuml;tzt wurde. An ihr wirkten der aus Szydlowiec stammende Gregorius Pauli (<em>Grzegorz Pawel Zagrobelny<\/em>) und nach ihm Martin Krowicki. An der r&ouml;m.-kath. Brzeziner Pfarrkirche war als Propst Frycz-Modrzewski (&#8224; 1572) t&auml;tig, der bekannte Vork&auml;mpfer f&uuml;r eine Reform des Staates und der Kirche.\r\n<br>Einen Markstein in der weiteren Entwicklung der Stadt bedeutete die Ansiedlung deutsch-evangelischer Tuchmacher und Handwerker im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts durch die Gr&auml;fin Isabella Ogi&#324;ska geb. Lasocka. Im Jahr 1818 waren hier 80 Tuchmachermeister ans&auml;ssig, die eine Walkm&uuml;hle in Rochna besa&#223;en. 1824 vergr&ouml;&#223;erte sich deren Zahl auf 194, und 1880 gab es in Brzeziny 194 Tuchmachermeister und 25 Gro&#223;betriebe von Webereien mit einem Jahresumsatz von 158.800 Rubel. Durch die Lodzer Industrie u.a. Fabrikorte ging die Tuchmacherei ganz zur&uuml;ck.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Einwanderung deutsch-evangelischer Kolonisten in die Umgegend von Brzeziny setzte im verst&auml;rkten Ma&#223;e am Ausgang des 18. Jahrhunderts und sp&auml;ter ein. Vor 1795 entstand Katarzynow; um die gleiche Zeit Przy&#322;&#281;k, Stefanow und Kie&#322;basa; 1795 die Siedlungen: Boginia, Erazmow, Felicjanow, G&#322;ogowiec, G&#322;ombie und Karasica; 1796 Ma&#322;czew Hauland; 1797 Gaj Hauland und Laski; 1788 Kalkhof-Ga&#322;k&#243;wek; 1803 Wilhelmswalde-Borowo und Gr&uuml;nberg-Zielona-G&#243;ra; 1805 &#379;akowice; 1819 Leosin und Stamirowice; 1820 Teolin; 1840 Warszewice; 1845: Albertow und Reginow; 1863 Leopoldow; 1864 Ka&#378;mierzow; 1878 Micha&#322;ow; nach 1880 Tymianka bei Strykow und 1890 Turobowice.<br>Mit der Besiedlung konstituierten sich die Schul- und Kantoratsgemeinden 1803 in Felicjanow und Ga&#322;k&#243;wek, 1811 in Katarzynow, 1816 in &#379;akowice, 1820 in Borowo, 1826 in Brzeziny, 1830 in G&#322;ogowiec (vorher schon in Skoszewy und danach noch in Boginia), 1831 in Strykow, 1837 in Teolin, 1841 in Zielona-G&#243;ra, 1852 in Leosin und Albertow. Au&#223;erdem bestanden und l&ouml;sten sich dann auf die Kantorate in Warszewice, Jaschnitz-Jasie&#324;, Marjanow, Przy&#322;&#281;k Ma&#322;y, Janow, Przanowice und Miko&#322;aj&#243;w.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Einwanderer stammten aus dem Gro&#223;f&uuml;rstentum Posen, Preu&#223;en, Schlesien und Mecklenburg. Von der F&uuml;rstin Isabella Ogi&#324;ska erhielten die Evangelischen am 14. April 1816 anf&auml;nglich Land zum Friedhof am Wege nach Lipiny und Buczek. Doch 1827 wurde im Vorort Lasocin Land zu einer Begr&auml;bnisst&auml;tte angekauft. 1826 stiftete F&uuml;rstin Ogi&#324;ska nominell die Parochie Brzeziny \u2014 faktisch wurde sie 1829 begr&uuml;ndet \u2014, der sie am 20. M&auml;rz 1826 ein Legat vermachte. Im gleichen Jahr lie&#223; sie auf ihre Kosten den Bau der Kirche, des Pfarrhauses und des Wohnhauses f&uuml;r die Bediensteten in Angriff nehmen. Au&#223;erdem erhielt die Gemeinde von der F&uuml;rstin im st&auml;dtischen Vermessungsplan aus dem Jahr 1828 vorgesehene Grundst&uuml;cke zum Kirchplatz, Pfarrgarten, Schulplatz, dann auch Pfarr-, Kantor- und K&uuml;sterland sowie zur Wiese, im ganzen 5 Morgen 212 Ruten Land. Die Kirche, an der Frontseite gemauert und sonst von Holz 1826 erbaut, war 40 Ellen lang, 18 breit und 11 hoch. Die Erstellung des Pfarrhauses und der anderen Geb&auml;ude zog sich in die L&auml;nge, nicht zuletzt durch den polnischen Aufstand 1830\/31 mit verursacht. Am 31. M&auml;rz 1826 bestellten die Kirchen&auml;ltesten, der Schankwirt Johann Kachelmann und der Seifensieder Johann Ruppmich, beim Orgelbauer Zakiewicz in Brzeziny eine Orgel. Am 16. April 1828 w&auml;hlte die Gemeinde den cand. theol. Christian Georg Hermann zu ihrem Pastor. Erst am 16. Mai 1833 wurde er wegen gegen seine Wahl erhobener Einspr&uuml;che durch den Warschauer Supintendenten installiert und gleichzeitig auch die Kirche eingeweiht.<br>Hermann lag der Ausbau des Schul- und Kantoratswesens, ebenso der Umbau des Gotteshauses am Herzen. Im Jahr 1857 wurden die h&ouml;lzernen Seitenw&auml;nde durch gemauerte ersetzt und erweitert, drei T&uuml;rmchen a. d. Frontseite und die Sakristei angebaut sowie die Kirche innen und au&#223;en gemalert. Daniel Pyde aus &#379; stiftete im Jahr 1866 den Taufstein. Eine kleine Glocke schenkte die Gutsbesitzerfamilie Patzer aus Rog&#243;w. Im Jahr 1860 z&auml;hlte man in Brzeziny 682 evangelische Deutsche.<br>\r\nPastor Gustav Adolf Biedermann, Hermanns Nachfolger, baute von 1878-1882 das h&ouml;lzerne Pfarrhaus zu einem massiven um. Nach 1880 siedelten sich in Tymianka bei Strykow deutsch-evangelische Kolonisten an. Seit 1883 bediente sie viermal j&auml;hrlich Pfr. Biedermann und hielt ihnen Gottesdienste im Saal des fr&uuml;heren Gutshauses (bis 1945 im Besitz des Kirchenvorstehers Theodor Probek). In dem Lehrer und Kantor Leopold Engel (in Brzeziny von 1869-1887) hatte Biedermann einen guten Mitarbeiter. Nach kurzer T&auml;tigkeit von Pastor Paul Hadrian trat die Pfarrstelle Leopold Wilhelm Wojak an. Er f&uuml;hrte &uuml;berall Kindergottesdienste ein und besuchte regelm&auml;&#223;ig die Kantorate. Im Jahr 1904 erbaute er ein einst&ouml;ckiges Gemeindehaus (Konfirmandensaal mit Wohnungen f&uuml;r den Kantor, K&uuml;ster und Gl&ouml;ckner). Im Jahr 1910 errichtete er das Schul- und Bethaus in Strykow und 1912 die Kapelle in Felicjanow (eingeweiht erst am 10. November 1928). Das Felicjanower Bethaus brannte im Jahr 1909 ab.<br>\r\nDie Wirksamkeit des Pfarrer Albert Ludwig Wannagat von 1913-1924 fiel in die Zeit des Ersten Weltkrieges und seiner Folgen (Inflation u.a.). Die Durchbruchsschlacht bei Brzeziny wurde Ende November 1914 geschlagen. In der Stadt selbst tobten Stra&#223;enk&auml;mpfe. Den K&uuml;ster Fitzke verwundete ein russischer Soldat durch einen S&auml;belhieb am Kopf, an dessen Folgen er 1917 verstarb. Kirche, Pfarr- und Gemeindehaus wurden besch&auml;digt. Es waren f&uuml;r Pastor Wannagat schwere Jahre. Am 12. November 1916 wurde in Koluszki die vom Lodzer Milit&auml;rgouverneur Barth gestiftete Kapelle eingeweiht. Sie sollte nach Kriegsende dem Brzeziner Kirchspiel &uuml;bereignet werden, was aber nicht erfolgte.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Jahr 1920 trugen die Katholiken die Rundholz-Kapelle ab und bauten sie in Rog&#243;w als Parochialkirche wieder auf. In den Jahren 1925-1939 amtierte in der Gemeinde Pastor Eduard Kneifel. Es wurden errichtet: 1924-1925 das Schul- und Bethaus in Gr&uuml;nberg, 1928 in Leosin, 1933 in &#379;akowice, 1933 die Kirche in Borowo; 1925\/26 die Schule in Teolin und 1936\/37 in Jasie&#324;. Das Schul- und Bethaus in Strykow wurde erweitert. 1927 umgab man den Kirchplatz mit einer massiven Mauer. An Stelle der im Kriege zerst&ouml;rten Orgel bezog die Gemeinde eine neue, deren Einweihung am 23. Januar 1927 stattfand. Am 19. und 20. Oktober 1930 feierte die Parochie ihr 100j&auml;hriges Jubil&auml;um und am 10. September 1933 die 100. Wiederkehr der Kirchweihe. Aus letztem Anla&#223; kaufte das Kirchspiel, da ihm im Ersten Weltkrieg von den deutschen Okkupationsbeh&ouml;rden zwei Glocken requiriert wurden, eine gro&#223;e und eine mittlere Glocke. Um die Eingepfarrten wirtschaftlich zu st&auml;rken, gr&uuml;ndete der Ortspastor auf genossenschaftlicher Basis die Volksbank in Brzeziny sowie die Filialbank und Warengenossenschaft in Koluszki. Alle drei Institutionen entwickelten sich gut. In der weitverzweigten und zerstreuten Gemeinde mit einem Durchmesser von etwa 40 km erwuchsen dem Ortspastor in religi&ouml;ser Beziehung viele Aufgaben und Verpflichtungen (11 Predigtpl&auml;tze). In dem Gemeindekantorat Eduard Sonnenburg (von 1931-1945) hatte er einen zuverl&auml;ssigen Mitarbeitern. Nach 1945 wurde die Kirche abgetragen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Zur Gemeinde geh&ouml;rten 2 Kirchen, 1 Kapelle, 2 separate Bets&auml;le, 6 gemeinsame Schul- und Bets&auml;le, 27 Friedh&ouml;fe, Pfarrhaus, Gemeindehaus, alte Schule und Wirtschaftsgeb&auml;ude.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n<p class=\"quelle\">Quellen:<br>\r\nKneifel, Eduard: Geschichte der  Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen, Niedermarschacht &uuml;ber Winsen an der Luhe 1962<br>\r\nKneifel, Eduard: Die Pastoren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen, Eging, Niederbayern 1970<br>\r\nKneifel, Eduard: Die evangelisch-augsburgischen Gemeinden in Polen 1555-1939, Vierkirchen &uuml;ber M&uuml;nchen 1971<br>\r\nKneifel, Eduard u. Richter, Harry: Die evangelisch-lutherische Gemeinde Brzeziny bei Lodz\/Polen 1829-1945, 2. erg. und erw. Aufl. Vierkirchen\/Schwabach 1983<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<a href=\"#top\">\r\n<img decoding=\"async\" src=\"wp-content\/pic\/topblue5.gif\" alt=\"nach oben\" \/>\r\n<\/a>\r\n\r\n<hr>\r\n\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p><a href=\"?p=103118\">Evangelische Kirchengemeinde Brzeziny<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Stadt Brzeziny bei Lodz war im 16. Jahrh. der gr&ouml;&#223;te Tuchmacherort in Polen. Die &#8222;Brzeziner Tuche&#8221; erfreuten sich im In- und Auslande eines guten Rufes. Im Jahr 1565 z&auml;hlte die Stadt 290 Tuchmacher u. a. Handwerker, darunter auch Deutsche.1462 erwarb Brzeziny Michael Lasocki, dann am Ausgang des 18. 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