{"id":105061,"date":"2022-11-16T21:12:14","date_gmt":"2022-11-16T20:12:14","guid":{"rendered":"https:\/\/agoff.de\/?p=105061"},"modified":"2022-11-27T15:38:56","modified_gmt":"2022-11-27T14:38:56","slug":"forschungsstelle-sudetenland-forschungsregion-maehren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/agoff.de\/?p=105061","title":{"rendered":"Forschungsstelle Sudetenland &#8211; Forschungsregion M\u00e4hren"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">M&auml;hren, tschechisch und slowakisch Morava ist eines der drei historischen L&auml;nder Tschechiens. Die tschechische Bezeichnung f&uuml;r das Gebiet kommt von dessen gr&ouml;&#345;tem Fluss, der March, tschechisch Morava. Westlich wird M&auml;hren von B&ouml;hmen durch die B&ouml;hmisch-M&auml;hrische H&ouml;he begrenzt, n&ouml;rdlich von &Ouml;sterreichisch-Schlesien und Polen durch die Sudeten, &ouml;stlich von der Slowakei durch die Wei&#345;en Karpaten und s&uuml;dlich von &Ouml;sterreich durch den Fluss Thaya. Hauptstadt M&auml;hrens und Sitz der Markgrafen war bis 1641 Olm&uuml;tz, das auch Bistumssitz war, danach Br&uuml;nn.<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Region ist seit ca. 250.000 Jahren besiedelt, seit etwa 5.700 v. Chr. lassen sich erstmals b&auml;uerliche Kulturen nachweisen. Im 6. Jahrhundert besiedelten die slawischen M&auml;hrer die Region. Anfang des 8. Jahrhunderts stand der s&uuml;dliche Teil im Einflussbereich der Awaren. Nachdem Karl der Gro&#345;e diese vertrieben hatte, entstand gegen Ende des 8. Jahrhunderts im heutigen s&uuml;d&ouml;stlichen M&auml;hren, Teilen der s&uuml;dwestlichen Slowakei und sp&auml;ter auch in Teilen Nieder&ouml;sterreichs das M&auml;hrische F&uuml;rstentum. Aus ihm entstand im Jahre 833 das Reich Gro&#345;m&auml;hren, das sp&auml;ter zeitweise auch verschiedene gro&#345;e Nachbargebiete beherrschte. 863 f&uuml;hrten die beiden byzantinischen M&ouml;nche Kyrill und Method das Christentum ein. Das Gro&#345;m&auml;hrische Reich unterlag um 907 im Kampf gegen die vordringenden Ungarn. Danach war es noch kurzzeitig unabh&auml;ngig und kam etwa 955 unter b&ouml;hmische Oberhoheit, unterbrochen von 999 bis 1019 durch den polnischen Herrscher Boleslaw Chrobry. Die P&#345;emysliden regierten das F&uuml;rstentum und sp&auml;tere K&ouml;nigreich B&ouml;hmen. &Uuml;ber l&auml;ngere Zeit bestanden in M&auml;hren drei F&uuml;rstent&uuml;mer, deren Herrscher alle P&#345;emysliden und deren Zentren Br&uuml;nn \/ Brno, Olm&uuml;tz \/ Olomouc und Znaim \/ Znojmo waren.<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit dem Jahr 1031 verl&auml;uft die m&auml;hrische Geschichte fast ununterbrochen parallel zur Geschichte B&ouml;hmens. 1182 wurde M&auml;hren zur Markgrafschaft erhoben und damit reichsunmittelbar, jedoch 1197 wieder der b&ouml;hmischen Lehnshoheit unterstellt. Nach dem Aussterben der P&#345;emysliden regierten die Luxemburger das K&ouml;nigreich bis 1437. Die Dynastien der P&#345;emysliden und der Luxemburger stellten auch die m&auml;hrischen Markgrafen. W&auml;hrend der Hussitenzeit blieben die meisten m&auml;hrischen Adligen dem katholischen Glauben und dem b&ouml;hmischen sowie ungarischen K&ouml;nig und sp&auml;teren Kaiser Sigismund von Luxemburg treu.<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Jahre 1469 besetzte der ungarische K&ouml;nig Matthias Corvinus mit seiner Streitmacht M&auml;hren, um seinen Schwiegervater Georg von Podiebrad als b&ouml;hmischen K&ouml;nig zu st&uuml;rzen. Er lie&#345; sich in Olm&uuml;tz 1469 zum b&ouml;hmischen Gegenk&ouml;nig w&auml;hlen. Papst Paul II. unterst&uuml;tzte ihn und der Tod Podiebrads 1471 kam ihm zu Hilfe. Matthias konnte aber B&ouml;hmen nie erobern, seine Herrschaft erstreckte sich nur &uuml;ber die b&ouml;hmischen Nebenl&auml;nder M&auml;hren, Schlesien (mit Breslau), Ober- und Niederlausitz. Trotzdem nannte er sich seit 1469 b&ouml;hmischer K&ouml;nig und lie&#345; sich 1471 kr&ouml;nen. Der Thronstreit endete erst 1479 durch den Frieden von Olm&uuml;tz, der die Aufteilung des K&ouml;nigreichs B&ouml;hmen unter Vladislav II. und Matthias Corvinus festlegte. Durch den pl&ouml;tzlichen Tod Ludwigs II., des Sohnes von Vladislav II. Jagiellonsky in der Schlacht bei Moh&#225;cs (1526) &uuml;bernahm wegen der vorher geschlossenen Vertr&auml;ge das Haus Habsburg die Herrschaft, das bis 1918 regierte.<\/p> \r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Bereits 1526 bildete sich im Raume Nikolsburg um Balthasar Hubmaier eine der ersten G&uuml;tergemeinschaften der radikal-reformatorischen T&auml;uferbewegung. Deren drohende Aufl&ouml;sung nach der Hinrichtung Hubmaiers 1528 verhinderte der aus Tirol stammende Jakob Hutter, weshalb die Wiedert&auml;ufer auch Hutterische Br&uuml;der hie&#345;en. Bis zu 60.000 T&auml;ufer lebten in M&auml;hren, davon 12.000 in Nikolsburg. Kurz nach den Wiedert&auml;ufern und gef&ouml;rdert durch den ans&auml;ssigen Adel hielt auch die reformatorische Lehre Martin Luthers Einzug in S&uuml;dm&auml;hren. Die Kirche spaltete sich in Katholiken und die evangelisch-lutherische und anderen Kirchen. W&auml;hrend der Gegenreformation &uuml;bernahmen zwangsweise die Katholiken viele Kirchen. Nach der Verfolgung der T&auml;ufer in M&auml;hren 1535 bis 1767 durch Katholiken, Evangelische und T&uuml;rken floh ein Rest nach Russland.<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Obwohl der j&uuml;dische Anteil der Bev&ouml;lkerung gering war, ordnete Kaiser Karl VI. 1726 f&uuml;r M&auml;hren die H&ouml;chstzahl j&uuml;discher Familien mit 5106 an, j&uuml;dische Ehen konnten nur eingeschr&auml;nkt geschlossen werden und Juden mussten zunehmend in eigenen Vierteln leben.<\/p> \r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Markgrafschaft M&auml;hren bildete das Land im Kaisertum &Ouml;sterreich bzw. seit 1867 in der westlichen Reichsh&auml;lfte &Ouml;sterreich-Ungarns ein eigenes Kronland. Nach dem Ausscheiden Ungarns aus dem Kaisertum und der Schaffung der Realunion &Ouml;sterreich-Ungarn 1867 nannten sich die verbliebenen Kronl&auml;nder amtlich als Cisleithanien bzw. die im Reichsrat vertretenen K&ouml;nigreiche und L&auml;nder. M&auml;hren w&auml;hlte Abgeordnete in den Wiener Reichsrat und besa&#345; einen eigenen Landtag und eine Landesausschuss genannte Landesregierung. Im Jahre 1905 entspannte ein Kompromiss zwischen den beiden st&auml;rksten Ethnien in M&auml;hren, der als der M&auml;hrische Ausgleich in die Geschichte eingegangen ist, die Situation. Es gab nun ethnisch getrennte Wahlkreise f&uuml;r die Landtagsabgeordneten der Deutschen und der Tschechen. So sollte konfliktfreies Zusammenleben der beiden V&ouml;lker erm&ouml;glicht werden.<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit der Gr&uuml;ndung der Tschechoslowakei am 28. Oktober 1918 geh&ouml;rte M&auml;hren zum neuen Staat. In diesem behielt es seine Stellung als Land. Im Jahr 1928 vereinigte sich M&auml;hren mit Schlesien zum Land M&auml;hren-Schlesien. \r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Folge des M&uuml;nchner Abkommens 1938 annektierte das Deutsche Reich die &uuml;berwiegend deutsch besiedelten Gebiete in Nord- und S&uuml;dm&auml;hren und besetzte sie bis zum 10. Oktober milit&auml;risch. Die restlichen, ganz &uuml;berwiegend von Tschechen besiedelten Gebiete M&auml;hrens besetzte die deutsche Wehrmacht am 15. M&auml;rz 1939, sie waren fortan Teil des Protektorates B&ouml;hmen und M&auml;hren. \r\nAm 14. April 1939 kam das nordm&auml;hrische Gebiet zum Reichsgau Sudetenland, das s&uuml;dm&auml;hrische zum Reichsgau Niederdonau, dem vormaligen Nieder&ouml;sterreich. \r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges am 8. Mai 1945 kamen die annektierten Gebiete wieder zur Tschechoslowakei zur&uuml;ck. Ab Mitte Mai 1945 kam es zu Vertreibungen der deutschen Bev&ouml;lkerung &uuml;ber die Grenze nach Deutschland bzw. &Ouml;sterreich. Die Potsdamer Konferenz vom 25. Juni bis 2. August 1945 beschloss die Aussiedlung der deutschen Bev&ouml;lkerung. Diese geordnete Vertreibung erfolgte zwischen Januar und Oktober 1946 mittels G&uuml;terz&uuml;gen.<\/p>\r\n\r\n<p class=\"quelle\">Literatur:<br\/>\r\nFriedrich Prinz: <i>B&ouml;hmen und M&auml;hren. Deutsche Geschichte im Osten Europas<\/i> 2. Aufl. Berlin, Siedler 1993<br>\r\nWalter Koschmal, Marek Nekula, Joachim Rogall (Hrsg.): <i>Deutsche und Tschechen. Geschichte \u2013 Kultur \u2013 Politik.<\/i> Becksche Reihe. Nr. 1414. 2. durchgesehene Auflage. M&uuml;nchen, C.H. Beck 2003,<br>\r\nJ&ouml;rg K. Hoensch: <i>Geschichte B&ouml;hmens. Von der slavischen Landnahme bis zur Gegenwart.<\/i> Becks historische Bibliothek. 4. Aufl. M&uuml;nchen, C. H. Beck 2013<br>\r\nJoachim Bahlcke: <i>Geschichte Tschechiens: Vom Mittelalter bis zur Gegenwart.<\/i> M&uuml;nchen, C.H. Beck  2014<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Berlin, den 27. November 2022.<br>Andreas R&ouml;sler<\/em><br><br>\r\n<em>Kontakt&nbsp;&nbsp;<a href=\"mailto:a.s.roesler@web.de\"><img decoding=\"async\" src=\"wp-content\/pic\/mail.png\" border=\"0\" alt=\"E-Mail\" title=\"E-Mail\"><\/a><\/em>   <\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n<a href=\"#top\">\r\n<img decoding=\"async\" src=\"wp-content\/pic\/topblue5.gif\" alt=\"nach oben\" \/>\r\n<\/a>\r\n<hr>\r\n\r\n<p><a href=\"?p=7409\">Zur&uuml;ck zu Forschungsstelle Sudetenland<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>M&auml;hren, tschechisch und slowakisch Morava ist eines der drei historischen L&auml;nder Tschechiens. Die tschechische Bezeichnung f&uuml;r das Gebiet kommt von dessen gr&ouml;&#345;tem Fluss, der March, tschechisch Morava. 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