{"id":105064,"date":"2022-11-16T21:12:22","date_gmt":"2022-11-16T20:12:22","guid":{"rendered":"https:\/\/agoff.de\/?p=105064"},"modified":"2022-11-27T15:39:29","modified_gmt":"2022-11-27T14:39:29","slug":"forschungsstelle-sudetenland-forschungsregion-oesterreichisch-schlesien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/agoff.de\/?p=105064","title":{"rendered":"Forschungsstelle Sudetenland &#8211; Forschungsregion \u00d6sterreichisch-Schlesien"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Das Herzogtum Ober- und Niederschlesien war ein Teil der L&auml;nder der B&ouml;hmischen Krone innerhalb der Habsburgermonarchie. Es umfasste nach dem Ersten Schlesischen Krieg 1742 und der Inbesitznahme des gr&ouml;&#223;ten Teils Schlesiens durch Preu&#223;en eine relativ geringe Fl&auml;che, die zur Unterscheidung von Preu&#223;isch Schlesien meist nur &Ouml;sterreichisch-Schlesien genannt wurde. Von 1850 bis 1918 war es Kronland des Kaisertums &Ouml;sterreich bzw. nach dem &Ouml;sterreichisch-Ungarischen Ausgleich von 1867 der &ouml;sterreichischen Reichsh&auml;lfte von &Ouml;sterreich-Ungarn. Im Jahr 1918 wurde &Ouml;sterreichisch-Schlesien gr&ouml;&#223;tenteils Bestandteil der Tschechoslowakei. Ein kleinerer Teil wurde Polen zugesprochen.<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gliederte sich in einen westlichen und einen &ouml;stlichen Teil (Teschener Schlesien), getrennt durch den n&ouml;rdlichen Bereich der m&auml;hrischen Bezirkshauptmannschaft Mistek. N&ouml;rdlich und westlich grenzte es an die preu&#223;ische Provinz Schlesien, &ouml;stliche an Galizien und Ungarn. Die Landschaft ist gepr&auml;gt von den H&ouml;henz&uuml;gen Gesenke (Altvater \/ Pra&#277;d, 1490 m) und Beskiden (Kahlberg \/ Lys&#225; hora, 1320 m), die Oder und ihr Nebenfluss Oppa sind die wichtigsten Fl&uuml;sse. Die Fl&auml;chengr&ouml;&#223;e betrug 5.147 km&#178;, Verwaltungszentrum war die Stadt Troppau \/ Opava.<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Besiedlung des Landes mit Menschen aus Franken, Th&uuml;ringen und Sachsen begann mit dem Piastenherzog Heinrich I., der zu Beginn des 13. Jahrhunderts Bergleute, Handwerker, Bauern und H&auml;ndler anwarb. St&auml;dte wurden meist nach Magdeburger Stadtrecht gegr&uuml;ndet. Dadurch trugen diese St&auml;dte und D&ouml;rfer deutsche Ortsnamen.<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Gebiet um Troppau war bis zur zweiten H&auml;lfte des 13. Jahrhunderts Nordprovinz der Markgrafschaft M&auml;hren, danach entstanden unter K&ouml;nig Ottokar II. und seinen Nachkommen die b&ouml;hmischen Herzogt&uuml;mer J&auml;gerndorf, Leobsch&uuml;tz und Troppau, die ab 1320 zu den oberschlesischen Herzogt&uuml;mern gez&auml;hlt wurden, weil Schlesien Nebenland der b&ouml;hmischen Krone geworden war.<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Ab 1526 &uuml;bernahmen die Habsburger in ihrer Eigenschaft als K&ouml;nige von B&ouml;hmen die Herrschaft &uuml;ber die Herzogt&uuml;mer in Schlesien, was zur Gegenreformation in diesen Gebieten f&uuml;hrte. Obwohl es kaum eine nennenswerte j&uuml;dische Bev&ouml;lkerung gab, ordnete 1738 Kaiser Karl VI. die Ausweisung aller Juden aus Schlesien an, was jedoch nur vereinzelt umgesetzt wurde.<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach dem Sieg Preu&#223;ens &uuml;ber &Ouml;sterreich im Ersten Schlesischen Krieg fiel 1742 durch den Pr&auml;milinarfrieden von Breslau, best&auml;tigt im Frieden von Berlin, Ober- und Niederschlesien und die Grafschaft Glatz an Preu&#223;en, nur das Herzogtum Teschen, die s&uuml;dlichen Teile der Herzogt&uuml;mer J&auml;gerndorf und Troppau und des F&uuml;rstentums Neisse blieben bei B&ouml;hmen und wurden zum Herzogtum Schlesien erhoben.<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Ab dem 1783 geh&ouml;rte &Ouml;sterreichisch-Schlesien mit dem Teschner Kreis und dem Troppauer Kreis dem M&auml;hrisch-Schlesischen Landesgubernium in Br&uuml;nn an. Durch die M&auml;rzrevolution 1848 entstand mit dem Schlesischen Konvent ein Parlament und das Herzogtum Schlesien wurde durch die Reichsverfassung des Kaisertums &Ouml;sterreich von 1849 Kronland genannt. Der anf&auml;ngliche F&ouml;deralismus wich aber bald zentralistischen Bestrebungen der Regierung in Wien, auch auf Betreiben Industrieller und Gro&#223;h&auml;ndler, wodurch selbst&auml;ndige Entscheidungen nur begrenzt m&ouml;glich waren.<\/p>  \r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit der Reichsverfassung von 1861 erhielt &Ouml;sterreichisch-Schlesien eine Landesordnung, wodurch sich der Schlesische Landtag und ein Landesausschuss als dessen Exekutive bildeten. Der Kaiser ernannte den Landeshauptmann als Vorsitzenden von Landtag und Landesausschuss. Dem stand der Statthalter als Vertreter von Kaiser und Zentralregierung gegen&uuml;ber. Dieser trug in Schlesien die Bezeichnung Landespr&auml;sident und sein Amt die einer Landesregierung. In der 1867 gebildeten Doppelmonarchie &Ouml;sterreich-Ungarn war Schlesien Teil der &ouml;sterreichischen Reichsh&auml;lfte. Es entsandte bzw. w&auml;hlte sp&auml;ter Abgeordnete zum Reichsrat in Wien.<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach der Volksz&auml;hlung von 1910 z&auml;hlte &Ouml;sterreichisch-Schlesien 756.949 Einwohner, von denen 43 % Deutsch, 31 % Polnisch und 24 % Tschechisch als Umgangssprache angaben.<\/p> \r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit dem Zerfall der Habsburgermonarchie am Ende des Ersten Weltkrieges kam das Gebiet durch den Vertrag von Saint Germain en Laye 1919 endg&uuml;ltig an die Tschechoslowakei, der &ouml;stliche Teil um Bielitz an Polen und geh&ouml;rte dort zur Wojewodschaft Schlesien. Der tschechoslowakische Teil blieb bis 1928 die eigenst&auml;ndige Verwaltungseinheit Slezsko und bildete dann gemeinsam mit M&auml;hren M&auml;hren-Schlesien \/ Moravskoslezsk&#225;.<\/p> \r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Folge des M&uuml;nchner Abkommens wurde das tschechische Gebiet Schlesiens &uuml;berwiegend vom Deutschen Reich besetzt, diesem angegliedert und geh&ouml;rte von 1939 bis 1945 zum Regierungsbezirk Troppau des Reichsgaus Sudetenland. Ein kleiner Streifen entlang der polnischen Grenze kam als Olsa-Gebiet zu Polen, wurde in die Woiwodschaft Schlesien eingegliedert und mit dieser 1939 vom Deutschen Reich annektiert. Der 1938 nicht besetzte tschechische Teil im Raum von Schlesisch Ostrau und Friedek geh&ouml;rte ab 1939 zum Protektorat B&ouml;hmen und M&auml;hren. Mit dem Kriegsende 1945 wurde das gesamte Gebiet wieder Teil der Tschechoslowakei und der Grenzverlauf zu Polen von 1938 wieder hergestellt.<\/p>\r\n\r\n\r\n<p class=\"quelle\">Literatur:<br\/>\r\nFriedrich Prinz: <i>B&ouml;hmen und M&auml;hren. Deutsche Geschichte im Osten Europas<\/i> 2. Aufl. Berlin, Siedler 1993<br>\r\nWalter Koschmal, Marek Nekula, Joachim Rogall (Hrsg.): <i>Deutsche und Tschechen. Geschichte \u2013 Kultur \u2013 Politik.<\/i> Becksche Reihe. Nr. 1414. 2. durchgesehene Auflage. M&uuml;nchen, C.H. Beck 2003,<br>\r\nManfred Alexander: Kleine Geschichte der b&ouml;hmischen L&auml;nder. Stuttgart, Reclam 2008<br>\r\nJ&ouml;rg K. Hoensch: <i>Geschichte B&ouml;hmens. Von der slavischen Landnahme bis zur Gegenwart.<\/i> Becks historische Bibliothek. 4. Aufl. M&uuml;nchen, C. H. Beck 2013<br>\r\nJoachim Bahlcke: <i>Geschichte Tschechiens: Vom Mittelalter bis zur Gegenwart.<\/i> M&uuml;nchen, C.H. Beck  2014<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Berlin, den 27. November 2022.<br>Andreas R&ouml;sler<\/em><br><br>\r\n<em>Kontakt&nbsp;&nbsp;<a href=\"mailto:a.s.roesler@web.de\"><img decoding=\"async\" src=\"wp-content\/pic\/mail.png\" border=\"0\" alt=\"E-Mail\" title=\"E-Mail\"><\/a><\/em>   <\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n<a href=\"#top\">\r\n<img decoding=\"async\" src=\"wp-content\/pic\/topblue5.gif\" alt=\"nach oben\" \/>\r\n<\/a>\r\n<hr>\r\n\r\n<p><a href=\"?p=7409\">Zur&uuml;ck zu Forschungsstelle Sudetenland<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Herzogtum Ober- und Niederschlesien war ein Teil der L&auml;nder der B&ouml;hmischen Krone innerhalb der Habsburgermonarchie. Es umfasste nach dem Ersten Schlesischen Krieg 1742 und der Inbesitznahme des gr&ouml;&#223;ten Teils Schlesiens durch Preu&#223;en eine relativ geringe Fl&auml;che, die zur Unterscheidung von Preu&#223;isch Schlesien meist nur &Ouml;sterreichisch-Schlesien genannt wurde. 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