{"id":106297,"date":"2022-12-25T16:30:14","date_gmt":"2022-12-25T15:30:14","guid":{"rendered":"https:\/\/agoff.de\/?p=106297"},"modified":"2022-12-25T16:30:14","modified_gmt":"2022-12-25T15:30:14","slug":"geschichte-der-evangelischen-kirchengemeinde-zduny","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/agoff.de\/?p=106297","title":{"rendered":"Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde Zduny"},"content":{"rendered":"<table class=\"Artikelkopf_mit_Siegel\">\r\n<tr>\r\n<td><center><\/center><\/td>\r\n<\/tr>\r\n<\/table>\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Name der Stadt Zduny wird von dem polnischen Zdun (T&ouml;pfer) abgeleitet, denn der kleine Ort soll im 16. Jahrhundert haupts&auml;chlich von T&ouml;pfern bewohnt gewesen sein Er geh&ouml;rte wie auch Kobylin, Jutroschin u.a. zu den Besitzungen der angesehenen und toleranten Familie Sienuta. Als zur Zeit des drei&#223;igj&auml;hrigen Kriegs viele fl&uuml;chtige Schlesier augsburgischen Bekenntnisses nach Polen kamen, w&auml;hlten sieben B&uuml;rger aus Reichenbach das bislang nur von Polen bewohnte Zduny 1634 zu ihrem Wohnort. Nachdem hier freie Religionsaus&uuml;bung gew&auml;hrt wurde, folgte eine bedeutende Zahl schlesischer Handwerker nach. Diese erbauten neben dem alten Zduny eine neue Stadt, Neu- oder Deutsch-Zduny genannt. Dort bildete sich bald eine bedeutende augsburgische Gemeinde. 1637 erteilte Peter von Sienuta ein Privileg, welches von den K&ouml;nigen W&#322;adys&#322;aw IV. Wasa und sp&auml;ter Johann II. Kasimir best&auml;tigt wurde. Die Gemeinde besuchte anfangs die nahe Kirche im schlesischen St&auml;dtchen Freyhan und traf dort auf Pfarrer Florian B&ouml;hm, welcher wahrscheinlich auch aus Reichenbach stammte und davor in Kobylin wirkte, der so &uuml;berzeugte, dass er zum ersten Pfarrer in Zduny erw&auml;hlt wurde. Dieser hielt den ersten Gottesdienst 1636 noch in einem gemieteten Haus. Spenden erreichte die Gemeinde von den Deutschen in Krotoschin, aus Schlesien, Lissa, Posen, sogar aus Danzig, dass es m&ouml;glich wurde, die Errichtung einer Kirche in Angriff zu nehmen. Die Weihe erfolgte schon 1637. <\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Zustrom von Schlesiern hielt an, und Peter von Sienuata errichtete auf einer W&uuml;stung unweit Zduny eine weitere Siedlung, welche er Sienutowo nannte, und auch dort das Recht auf freie Religionsaus&uuml;bung gew&auml;hrte. Die dortigen Bewohner erbauten sich zwischen 1640 und 1642 eine eigene Kirche und w&auml;hlten 1645 Friedrich Opitz aus Wohlau als ersten Pfarrer, 1649 gefolgt von Andreas Roschkowius aus Thorn und 1669 Aaron Bliwernitz. Doch das Bestehen dieser Gemeinde war nicht von langer Dauer, denn 1670 verklagte der Pleban von Zduny die Grundherren von Sienuta und die Prediger von Zduny und Sienutowo in Petrikau, weil die Katholiken Nachteile h&auml;tten. Nach Gerichtsbeschluss war die Kirche von Sienutowo zu zerst&ouml;ren, und die von Sienuta f&uuml;r ehrlos zu erkl&auml;ren. Beide Prediger sollten enthauptet werden. Dem B&uuml;rgermeister von Sienutowo Johann Bruschke gelang es, eine Vollstreckung zun&auml;chst zu verhindern, doch 1672 wurde in einem zweiten Verfahren das Urteil nicht nur best&auml;tigt, sondern noch versch&auml;rft. Die Prediger mussten fl&uuml;chten, Pfarrer Korn ging nach Breslau, Pfarrer Bliwernitz nach Gro&#223;graben bei Oels. Der B&uuml;rgermeister rettete mit knapper Not sein Leben, die Gemeinde versuchte aus der Kirche alles zu retten was m&ouml;glich war. So wurde die Kanzel nach Kobylin gebracht, der Altar nach Zduny. Der Burggraf von Schildberg zerst&ouml;rte zusammen mit adligen Unterst&uuml;tzern und Geistlichen im Mai 1672 die Kirche. Die Gemeinde von Sienutowo begehrte noch einmal auf, indem sie kurz danach Abraham J&auml;schke aus Thorn zum neuen Pfarrer w&auml;hlte, welcher in Sienutowo im Verborgenen und daneben auch in Zduny das Amt eines Seelsorgers aus&uuml;bte, doch als dieser schon ein Jahr sp&auml;ter nach Thorn zur&uuml;ckging (er starb 1703 als Diakonus in Stroppen in Schlesien), schmolz die Gemeinde von Sienutowo mit der aus Zduny zusammen.<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Gl&uuml;cklicherweise verlebte die Gemeinde in Zduny nach diesem Konflikt friedliche Jahre, im Verlauf derer der Pleban in Zduny sogar die dissidentische Gemeinde ausdr&uuml;cklich genehmigte, sowie auch die Durchf&uuml;hrung von Amtshandlungen gegen Zahlungen an den katholischen Ortsgeistlichen  gestattete. Durch den Beitritt der Gemeindeglieder aus Sienutowo war die Gemeinde so gewachsen, dass die Anstellung eines Diakonus und eine Erweiterung des Kirchengeb&auml;udes notwendig wurde. Daf&uuml;r wurde Genehmigung beim katholischen Ortsgeistlichen Pagrocki eingeholt, doch musste sie daf&uuml;r erh&ouml;hte j&auml;hrliche Entsch&auml;digungen in Kauf nehmen, die nach und nach von sp&auml;teren Pr&ouml;bsten weiter in die H&ouml;he getrieben wurden, was die Gemeinde in Not brachte. 1703, als fast die ganze Stadt abbrannte, wurde die Kirche verschont, doch als 1789 ein zweiter gro&#223;er Brand Zduny heimsuchte, wurde die Kirche mit Schul- und Pfarrgeb&auml;uden ein Raub der Flammen. Der Grundherr F&uuml;rst Anton Sulkowski stellte einen Gaststall als Bethaus zur Verf&uuml;gung, und sp&auml;ter schenkte er das gesamte f&uuml;r einen Neubau notwendige Holz. Au&#223;erdem gingen weitere Spenden ein, so dass die Gemeinde 1792 eine massive neue Kirche weihen lassen konnte. Um dieselbe Zeit trennte sich Krotoschin von Zduny, wodurch sich das Kirchspiel fast halbierte. Die s&uuml;dpreu&#223;ische Regierung unterst&uuml;tzte mit einer Kollekte den Bau von Pfarr- und Schulgeb&auml;uden.<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Um 1898 umfa&#223;te die Parochie  neben Zduny die Ortschaften Baschkow Gut und Gemeinde, Borownica, Bestwin, Helenopol, Letzte Groschen II, Katarzynowo, Kochalle, Kubowo, Marynin, Piaski, Perzyce Gut und Gemeinde, Rochy Vorwerk und Kolonie, Ruda, Sch&ouml;nm&uuml;hle, Trassary, Trzaski, poln. Ujazd.<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Kirchspiel z&auml;hlte um 1898 3.309 und 1937 950  Gemeindeglieder.<\/p>\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Abschrift und Bearbeitung des Textes aus Werner\/Steffani, &Uuml;berarbeitung und Erg&auml;nzung: Jutta Grube im Dezember 2022<\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p class=\"quelle\">Quellen:<br\/>\r\nGolon, Arnold und Steffani, Johannes: Posener Evangelische Kirche. Ihre Gemeinden und Pfarrer von 1548 bis 1945, 1967<br>\r\nWerner, Albert u. Steffani, Johannes: Geschichte der evangelischen Parochien in der Provinz Posen, Posen 1898, Seite 430-433<br>\r\n<br>\r\nArtikel in Wikipedia <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Unierte_Evangelische_Kirche_in_Polen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Unierte Evangelische Kirche in Polen<\/a> (zuletzt besucht am 07.12.2022)<\/p>\r\n\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<hr \/>\r\n\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p><a href=\"?p=105221\">Evangelische Kirchengemeinde Zduny<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Name der Stadt Zduny wird von dem polnischen Zdun (T&ouml;pfer) abgeleitet, denn der kleine Ort soll im 16. Jahrhundert haupts&auml;chlich von T&ouml;pfern bewohnt gewesen sein Er geh&ouml;rte wie auch Kobylin, Jutroschin u.a. zu den Besitzungen der angesehenen und toleranten Familie Sienuta. 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