{"id":106624,"date":"2023-01-29T17:36:02","date_gmt":"2023-01-29T16:36:02","guid":{"rendered":"https:\/\/agoff.de\/?p=106624"},"modified":"2023-02-12T21:37:48","modified_gmt":"2023-02-12T20:37:48","slug":"geschichte-der-evangelischen-kirchengemeinde-wegrow","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/agoff.de\/?p=106624","title":{"rendered":"Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde W\u0119grow"},"content":{"rendered":"<table class=\"Artikelkopf_mit_Siegel\">\r\n<tr>\r\n<td><center><\/center><\/td>\r\n<\/tr>\r\n<\/table>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Graf Jan Kiszka, Besitzer der Stadt W&#281;gr&#243;w (<em>dt. Wengrow<\/em>) in Podlachien und letzter arianischer Magnat (gest. 1591), berief auf Empfehlung der Warschauer Evangelischen 1578 den Prediger Petrus Artomius-Krzesichleb nach Wengrow. Er sollte sowohl die Wengrower als auch die Warschauer Evangelischen betreuen. Von den Katholiken verfolgt und vielen Gefahren ausgesetzt, gab er hier sein Wirken bald auf. Die Warschauer Evangelischen hatten zu ihm kein besonderes Vertrauen, weil er es &#8222;mit den Reformierten hielt&#8220;. Im Laufe der Jahre ging die Herrschaft Wengrow in den Besitz des reformierten F&uuml;rsten Radziwill auf Birsen &uuml;ber. Christoph Radziwill, Gro&#223;marschall von Litauen, rief im Jahr 1630 die kalvinische Gemeinde ins Leben, die er mit Grundbesitz und Wohnung f&uuml;r den Prediger ausstattete.<br>Dessen Neffe Boguslaw Radzwill (Sohn des Janusz, des &auml;ltesten Bruders von Christoph) gr&uuml;ndete die lutherische Parochie zu Wengrow. In seinem Privileg vom 25. Juni 1650 gestattete er den Evangelischen, in der auf dem Friedhof 1630 erbauten reformierten Holzkirche lutherischen Gottesdienst zu halten. Er schenkte auch den evangelischen Deutschen, die sich in Wengrow angesiedelt hatten, Haus und Garten f&uuml;r den Prediger. Die Gemeinde war vornehmlich f&uuml;r die in polnischen Diensten stehenden evangelischen Offiziere und f&uuml;r die in Wengrow ans&auml;ssigen Lutheraner, wie auch f&uuml;r die Warschauer Evangelischen, geplant. Das Privileg vom 25. Juni 1650 erneuerte, erweiterte und best&auml;tigte Luise Charlotte Radziwill, die einzige Tochter und Erbin des F&uuml;rsten Boguslaw Radziwill (gest. 1669) am 5. August 1687 zu Berlin. Danach bewilligte sie 400 Taler f&uuml;r den evangelischen Pastor j&auml;hrlich aus ihren Zabludnowschen G&uuml;tern im Kreise Grodno sowie etwa 22 Morgen Land. Seit 1803 wurden die 400 Taler nicht mehr gezahlt. Am 4. Januar 1688 versprachen die &Auml;ltesten, &#8222;sich auch ihrerseits an die Bestimmungen des Privilegs zu halten&#8220;. Man dachte dabei vor allem an das friedliche Zusammenleben der Lutheraner mit den Reformierten. Wenige Jahre vorher (1681) verlieh die F&uuml;rstin Luise Charlotte den Wengrowern das Recht, die Prediger selbst zu pr&auml;sentieren und zu w&auml;hlen. Seit 1650 besa&#223;en in Wengrow die Kalviner und die Lutheraner ein gemeinsames Gotteshaus (templum simultaneum) und eine genau vereinbarte Ordnung der Gottesdienste f&uuml;r den reformierten und lutherischen Geistlichen, die beide Pfarrh&auml;user und G&auml;rten hatten. Das Zusammenleben und Zusammenwirken beider Gemeinden und ihrer Pfarrer verlief friedlich. Dieser Zustand dauerte bis zur Aufl&ouml;sung der Wengrower kalvinischen Parochie im Jahr 1779.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Ab dieser Zeit nutzte die Kirche kraft der faktischen Lage die lutherische Gemeinde allein, die in den Privilegien und sonstigen Schriftst&uuml;cken als &#8222;s&auml;chsische&#8220;. bezeichnet wurde. Ihr erster Pastor Jonas Columbus f&uuml;hrte in Wengrow die s&auml;chsische Liturgie und den lutherischen Katechismus ein. Damit wies er dem Wengrower Kirchspiel und seinem Filial in Warschau den Weg ihrer Entwicklung, was f&uuml;r sie sp&auml;ter von entscheidender Bedeutung wurde. Von Wengrow aus \u2014 bei einer Entfernung von 70 km nach Warschau \u2014 bedienten beide Wengrower Pastoren die Warschauer Protestanten, nat&uuml;rlich der reformierte die Kalviner, zweimal j&auml;hrlich, oft mehrere Wochen, wobei sie die Hauskapelle im sog. Brandenburger Hof benutzten. Diese Gottesdienste im ultrakatholischen Masowien, im Schatten des immer noch g&uuml;ltigen antievangelischen Ediktes von 1525, erregten im h&ouml;chsten Ma&#223;e den Unwillen der katholischen Geistlichkeit und Bev&ouml;lkerung. Die Posener Bisch&ouml;fe und die Lucker bedr&auml;ngten und verfolgten die Evangelischen in Warschau resp. Wengrow, die auf hartumk&auml;mpften Posten standen. Ohne die Schutzmacht Brandenburg-Preu&#223;en h&auml;tten sie sich in der Zeit von 1650 bis 1775 schwerlich behaupten k&ouml;nnen. Die Lage der Wengrower Pastoren \u2014 von Jonas Columbus an, dessen Vokation Boguslaw Radziwill auf Wunsch der Warschauer Evangelischen am 5. April 1651 best&auml;tigte, bis zum Pfarrer Christoph Grzegorzewski 1776 \u2014 war notvoll und schwierig. Einige Tatsachen m&ouml;gen dies deutlich machen: Brandschatzung der Kirche 1679, Verbot ihres Wiederaufbaues, Schlie&#223;ung eines Notschuppens, der als Bethaus diente, durch den Lucker Bischof, Abhaltung der Gottesdienste im Pfarrhause von 1685-1689 durch Pastor Oloff, Untersagung des Tragens geistlicher Amtstracht, Verbot &ouml;ffentlicher Leichenbeg&auml;ngnisse, Wegnahme zweier Glocken zwischen 1721-1728, Brandschatzung der Kirche 1769 und die Genehmigung zu ihrem Wiederaufbau \u2014 schon nach Erlangung der Religionsfreiheit 1768 \u2014 unter der unerf&uuml;llbaren Bedingung, das Gotteshaus binnen 24 Stunden zu errichten. Das scheinbar Unm&ouml;gliche wurde geschafft! In der knappen Zeit erstellte man unter F&uuml;hrung des Pfr. Grzegorzewski aus einem Getreideschuppen eine neue Holzkirche auf dem evangelischen Friedhof.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"> Im Jahr 1781 war Terespol Filial von Wengrow; au&#223;erdem noch Bereisungsorte: Pruiany, Izabelin und Slonim. Da die Warschauer Evangelischen wohlhabender waren als die Wengrower unterst&uuml;tzten sie laufend ihre Muttergemeinde. So erneuerten sie 1778 ihre alten Vertr&auml;ge mit Wengrow und steuerten j&auml;hrlich einen Zuschu&#223; von 600 Talern f&uuml;r den Pastor bei. Diese Beihilfe leisteten sie bis 1796 (endg&uuml;ltig trennten sie sich von Wengrow 1800). In den Jahren 1762\/63, als das h&ouml;lzerne Pfarrhaus in Wengrow durch eine Feuersbrunst zerst&ouml;rt wurde, erbauten sie auf eigene Kosten ein steinernes Pastorat. Nach dem Wegfall der Unterst&uuml;tzungen durch die Warschauer Glaubensgenossen erwirkte bezeichnenderweise der Warschauer reformierte Supintendent Diehl f&uuml;r den Wengrower Pastor Goburek im Jahr 1812 eine Regierungsbeihilfe von 900 Z&#322;oty und f&uuml;r die folgenden Jahre 1.200 Z&#322;oty.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">In den Jahren 1780 und 1782 tagten die Generalsynoden beider Bekenntnisse in Wengrow. Von 1796-1809 geh&ouml;rte Wengrow zum &ouml;sterreichischen Westgalizien und unterstand der Superintendentur in Teschen. 1810-1815 dem Herzogtum Warschau zugeordnet, war es wieder dem Konsistorium in Warschau unterstellt. Durch Einwanderung deutscher Kolonisten und Handwerker in die Wengrower Gegend in der zweiten H&auml;lfte des 18. und zu Beginn des 19. Jahrh. verst&auml;rkte sich zahlenm&auml;&#223;ig der Bestand der Gemeinde. Im Jahr 1841 wurde eine neue steinerne Kirche erbaut, teils mit freiwilligen Gaben, teils auch mit staatlicher Hilfe. F&uuml;r die Beschaffung von Geldmitteln setzte sich insbesondere General-Major Nikolaus von Korff II ein, Milit&auml;rchef der Wojewodschaft Podlachien.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 27. Juni 1900 beging die Parochie ihr 250j&auml;hriges Jubil&auml;um. Im Ersten Weltkrieg wurden Pfarrhaus und Schule sehr besch&auml;digt, das alte wertvolle Pfarrarchiv sowie Glocke und z. T. Altarger&auml;te vernichtet. Im Jahr 1938 bestand in Wiesental (<em>poln. &#321;&#261;czka<\/em>) ein kleiner Br&uuml;derkreis.<\/p>\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Zur Gemeinde geh&ouml;rten 2 Kirchen (die gemauerte und die auf dem Friedhof, die als Begr&auml;bniskapelle genutz wurde), 10 Bets&auml;le, 14 Friedh&ouml;fe, Pfarrhaus und Wirtschaftsgeb&auml;ude sowie ein Altersheim. Im Jahr 1866 9 Kantorate und 11 Schulen, im Jahr 1925 nur 2 Kantorate. Im Jahr 1913 geh&ouml;rten der Gemeinde 2.200 und im Jahr 1938 1.800 Seelen an.<br>Im Jahr 1923 75 Taufen, 21 Trauungen, 35 Todesf&auml;lle, 500 deutsche und 10 polnische Kommunikanten (1913: 1.242 deutsche und 20 polnische Kommunikanten).<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n<p class=\"quelle\">Quellen:<br>\r\nKneifel, Eduard: Geschichte der  Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen, Niedermarschacht &uuml;ber Winsen an der Luhe 1962<br>\r\nKneifel, Eduard: Die Pastoren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen, Eging, Niederbayern 1970<br>\r\nKneifel, Eduard: Die evangelisch-augsburgischen Gemeinden in Polen 1555-1939, Vierkirchen &uuml;ber M&uuml;nchen 1971<br><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<a href=\"#top\">\r\n<img decoding=\"async\" src=\"wp-content\/pic\/topblue5.gif\" alt=\"nach oben\" \/>\r\n<\/a>\r\n\r\n<hr>\r\n\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p><a href=\"?p=26233\">Evangelische Kirchengemeinde W&#281;grow<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Graf Jan Kiszka, Besitzer der Stadt W&#281;gr&#243;w (dt. 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