{"id":108726,"date":"2023-09-24T11:31:08","date_gmt":"2023-09-24T09:31:08","guid":{"rendered":"https:\/\/agoff.de\/?p=108726"},"modified":"2025-01-04T20:34:57","modified_gmt":"2025-01-04T19:34:57","slug":"krieges-carte-von-schlesien-1747-1753","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/agoff.de\/?p=108726","title":{"rendered":"Krieges-Carte von Schlesien: 1747\u20131753"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Als Friedrich II. (1712-1786) nach dem Tode seines Vater Friedrich Wilhelm I. (1688-1740) K&ouml;nig in Preu&#223;en und Markgraf von Brandenburg geworden war, ergab sich durch den Tod von Kaiser Karl VI. am 20.Oktober 1740 eine Schw&auml;chung der Habsburger, denn die pragmatische Sanktion, welche Maria Theresia als seine Nachfolgerin festgelegt hatte, wurde nun von Karl Albrecht von Bayern als auch von Friedrich II. angefochten. Letzterer beanspruchte Schlesien und begr&uuml;ndete dies mit der Erbverbr&uuml;derung von 1537. Allerdings war auf diesen Anspruch schon 1686 durch Friedrich Wilhelm (1640-1688) verzichtet worden. Trotzdem marschierte Friedrich II. am 16.12.1740 in Schlesien ein und 1742 wurde im Frieden von Berlin Nieder- und Oberschlesien Preu&#223;en zugesprochen, nur die Regionen um Freiwaldau, J&auml;gerndorf, Teschen und Troppau verblieben bei &Ouml;sterreich. Diese Regelung wurde nach dem Zweiten Schlesischen Krieg (1744-1745) mit dem Frieden von Dresden am 25. Dezember 1745 best&auml;tigt.<\/p> \r\n<p style=\"text-align: justify;\">F&uuml;r das neu zu Preu&#223;en gekommene Gebiet war eine exakte topographische Landesaufnahme notwendig geworden um es in einem erneuten milit&auml;rischen Konflikt verteidigen zu k&ouml;nnen, eine &Uuml;berlegung, die im Siebenj&auml;hrigen Krieg (1756-1763) zum Tragen kam, als diese Karten intensiv genutzt wurden. Der 1738 von Homanns Erben in N&uuml;rnberg erschienene \u201eAtlas Silesiae id est Ducatus Silesiae\u201c bot die gew&uuml;nschte Genauigkeit nicht. Deshalb wurde Oberst Carl Friedrich von Wrede (1702-1764) am 20.11.1746 von K&ouml;nig Friedrich II. mit einer genauen Aufnahme der schlesischen Lande entlang der Grenzen nach &Ouml;sterreich, Polen und Sachsen beauftragt. Er war zu dieser Zeit verantwortlich f&uuml;r den Ausbau der Festung Glatz. Die Landesaufnahme gestaltete sich ohne nennenswerte Schwierigkeiten, da die Kriegs- und Dom&auml;nenkammer die schlesischen Landr&auml;te anwies, dem Aufnahmeteam jegliche Unterst&uuml;tzung zu gew&auml;hren und Ortskundige sowie Hilfskr&auml;fte f&uuml;r das Tragen der Instrumente zu stellen.<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Kartenaufnahme erfolgte in f&uuml;nf Abschnitten innerhalb von sieben Jahren im Ma&#223;stab 1:33333. Der Ma&#223;stab wird mitunter auch mit 1: 35 000 angegeben. Den Beginn der Arbeiten ordnete jeweils der K&ouml;nig an, dem Wrede auch monatlich Bericht &uuml;ber deren Fortgang erstatten musste und dem die Kartenbl&auml;tter nach Fertigstellung direkt &uuml;bersandt wurden .Jede Kartensektion enth&auml;lt auf der Randleiste oder der R&uuml;ckseite das Kataster der Kurm&auml;rkischen Kammer mit Angaben &uuml;ber Ortschaften und deren Eigent&uuml;mer, die Bewohner und die Bespannung. Es entstanden insgesamt 195 handgezeichnete und kolorierte Kartenbl&auml;tter im Format 47 x 68 cm.<br>\r\n<ol>\r\n<li>Krieges-Carte Laengst der Schlesischen und Boehmischen Grentze von der Lausnitz an, bis Maehren in 42 Sectiones getheilet. 1747<\/li>\r\n<li>Krieges-Carte Eines Theil des Oppelschen und Ratiborschen F&uuml;rstenthums jenseits der Oder bis an die Pohlnische Grentze und von der Stoberau bis an die Teschensche Grentze in 40 Sectiones getheilet. 1749<\/li>\r\n<li>Krieges Carte Des Theiles von Ober Schlesien diesseits der Oder, von Brieg bis Oderberg, ferner l&auml;ngst der Oesterreichischen Grentze &uuml;ber Troppau und Jaegerndorff bis Patschkau und so fortan &uuml;ber M&uuml;nsterberg und Brieg. In 35 Sectiones getheilet. 1750<\/li>\r\n<li>Krieges Carte Eines Theils von Nieder-Schlesien, von der Gegend Naumburg am Queiss l&auml;ngst der Lausnitz bis Crossen und L&auml;ngst der Oder nach Gross-Glogau von dar zur&uuml;ck &uuml;ber Polckowitz Ha\u00ffnau bis Goldberg und ferner &uuml;ber Graeditzberg in der Gegend Naumburg am Queis, in 36 Sectiones getheilet. 1751<\/li>\r\n<li>Krieges Carte Der Gegend von Bresslau bis an die Pohlnische Grentze und den Cretzburg bis nach Z&uuml;llchau, in 42 Sectiones getheilet. 1753<\/li>\r\n<\/ol>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf den Titelbl&auml;ttern befinden sich insgesamt 67 Pl&auml;ne von St&auml;dten Preu&#223;isch- und &Ouml;sterreichisch Schlesiens, allerdings auch ein Plan der Ruine Gr&ouml;ditzburg und drei Pl&auml;ne von St&auml;dten der Neumark, n&auml;mlich Crossen, Sommerfeld und Z&uuml;llichau. Zus&auml;tzlich wurden f&uuml;nf &Uuml;bersichtskarten im Ma&#223;stab von ca. 1:70 000 und eine Generalkarte im Ma&#223;stab von ca. 1:140 000 erstellt.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Karten waren ausschlie&#223;lich f&uuml;r milit&auml;rische Zwecke bestimmt. Die Milit&auml;rstellen erhielten Kopien des Werkes, die in Potsdam hergestellt wurden und strenger Geheimhaltung unterlagen. Das in der Staatsbibliothek von Berlin befindliche Original war f&uuml;r den pers&ouml;nlichen Gebrauch des K&ouml;nigs bestimmt und wurde in der Plankammer des Schlosses in Potsdam aufbewahrt. Daher wurden die f&uuml;nf B&auml;nde des Werkes in rotes Saffianleder gebunden und mit Goldpr&auml;gung der k&ouml;niglichen Initialen F. R. (Fridericus Rex) und der Krone verziert. Wichtig waren dem K&ouml;nig bei der Kartenaufnahme die Grenzgebiete, weshalb sich Wrede zun&auml;chst all dieser Gebiete annahm und einen breiten Streifen links der Oder n&ouml;rdlich von Glogau &uuml;ber L&uuml;ben, Liegnitz, Kostenblut, Strehlen, Grottkau bis zur Oder bei Ohlau unbearbeitet lie&#223;. Als er diesen Streifen auch noch kartieren wollte, wurde ihm das vom K&ouml;nig untersagt.<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Kartenwerk von Carl Friedrich von Wrede beeindruckte wegen der ausf&uuml;hrlichen Deutlichkeit der Wegf&uuml;hrungen, einer anschaulichen Hervorhebung der Gel&auml;ndemerkmale und vor allem wegen des vollst&auml;ndigeren Dorfbildes. Theodor Maschke betont, dass die Vorz&uuml;ge der Karten in der genauen Kenntnis der Verh&auml;ltnisse von Wald, offener Flur, Sumpf und Niederungen innerhalb des Landschaftsbildes, der Anlage der Talauen, der Zahl der St&auml;dte, D&ouml;rfer und Siedlungen, ihrer Verteilung, der Ausdehnung sowie ihrer Umrissformen und Planstruktur besteht. Daneben sind in den Karten viele wichtige Daten vorhanden, so z.B. alle Geb&auml;ude markiert, die Stallungen, H&ouml;fe, Kirchen, Kl&ouml;ster und Kapellen, Burgen und Burgruinen, Poststationen, Stein- und Holzbr&uuml;cken, Kreuzungen, Windm&uuml;hlen, Wasserm&uuml;hlen, S&auml;gewerke, Ziegelwerke, Kalk&ouml;fen, Glash&uuml;tten, Eisenwerke und Bergwerke.<br>\r\nErst von den Preu&#223;ischen Urmesstischbl&auml;ttern im Ma&#223;stab 1:25000 von 1823 bis 1831 wurden die Karten &uuml;bertroffen.<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Stefan Guzy, dem ich f&uuml;r sein Engagement sehr danken m&ouml;chte, hat die Erfassung der in dem Kartenwerk jeweils auf dem rechten Rand oder der R&uuml;ckseite genannten Orte, teilweise mit der &#8221;Designation derer &Ouml;hrter, Eigenth&uuml;mer, B&uuml;rger und Bauren, G&auml;rtner und H&auml;usler, Pferde&#8220; initiiert, vorbereitet und entsprechende Unterlagen beschafft. Ein Dank geht auch an die Mitarbeitenden der Kartenabteilung der Staatsbibliothek preu&#223;ischer Kulturbesitz in Berlin, die in zuvorkommender Weise das Projekt unterst&uuml;tzen. Gegenw&auml;rtig sind die Orte des Bandes 3 zu ermitteln, weitere werden folgen. Zu jeder Ortsangabe finden sich die Ortsbezeichnung in der Karte, die Angabe des Altkreises der habsburgischen Verwaltungseinteilung und der Herrschaft, die Ortsangabe und Kreiszugeh&ouml;rigkeit f&uuml;r 1913 und die heutige polnische bzw. tschechische Benennung.<\/p>\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Berlin, den 07. November 2023.<br>Andreas R&ouml;sler<\/em><br><br>\r\n<em>Kontakt&nbsp;&nbsp;&nbsp;<a href=\"mailto:schlesien@agoff.de\"><img decoding=\"async\" src=\"wp-content\/pic\/mail.png\" border=\"0\" alt=\"E-Mail\" title=\"E-Mail\"><\/a><\/em>   <\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n<p class=\"quelle\">Quellen und Literatur:<br>\r\n<ul style=\"text-align: left;\">\r\n<li>Krieges-Carte von Schlesien: 1747\u20131753. Staatsbibliothek zu Berlin, Preu&#223;ischer Kulturbesitz, Kartenabteilung, gr. 2\u00b0 Kart. N 15060 1\/5.<\/li>\r\n<li>Christian Friedrich von Wrede: Krieges Carte von Schlesien 1747\u20131753. Farbmikrofiche-Edition. Einf&uuml;hrung und historisch-geogr. Register von Klaus Lindner (Monumenta cartographica et topographica ; 1. M&uuml;nchen, Lengenfelder, 1992.<\/li>\r\n<li>Theodor Maschke: Der Quellenwert der staatlichen Landesvermessungen Friedrichs des Gro&#223;en f&uuml;r die Landes- und Siedlungsgeschichte des altpreu&#223;ischen Schlesiens. In: Schlesische Geschichtsbl&auml;tter 1928, Heft 3, S. 49\u201359.<\/li>\r\n<li>Staatsbibliothek Preu&#223;ischer Kulturbesitz. Kostbare Handschriften und Drucke. Ausstellungskatalog. Wiesbaden 1978, S. 130.<\/li>\r\n<li>Klaus Lindner: Zwischen Oder und Riesengebirge. Schlesische Karten aus f&uuml;nf Jahrhunderten. Ausstellung der Staatsbibliothek Preu&#223;ischer Kulturbesitz Berlin. Staatsbibliothek Preu&#223;ischer Kulturbesitz. Ausstellungskataloge 29. Wei&#223;enhorn 1987<\/li>\r\n<\/ul>\r\n\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n<p>Hier kann nach Orten gesucht werden<\/p>\r\n\n\n<script>\nfunction bcol(id){\n       var cl = document.getElementsByClassName(id);\n  for (var i = 0; i < cl.length; i++) {\n        cl[i].style.backgroundColor = '#e0e0ff'; \n}\n}\nfunction rcol(id){\n       var cl = document.getElementsByClassName(id);\n  for (var i = 0; i < cl.length; i++) {\n        cl[i].style.backgroundColor = '#fff'; \n}\n}\n<\/script>\n<a id=\"form'.THE_ID().'\" name=\"form\"><\/a>\n<form name=\"search_form\" id=\"search_form\" method=\"post\" action=\"?p=1#form\">\n<table style=\"width: auto\">\n\t<tr>\n\t\t<td style=\"vertical-align: middle\"><label>Suchbegriff &nbsp;<\/label><\/td>\n\t\t<td>\n\t\t\t<input type=\"text\" name=\"search\" id=\"search\" style=\"width: 200px\" value=\"\" minlength=\"3\" \/>\n\t\t<\/td>\n\t\t<td>\n\t\t\t<input type=\"submit\" name=\"wa\" id=\"wa\" value=\"Wortanfang\" \/>\n\t\t<\/td>\n\t\t<td>\n\t\t\t<input type=\"submit\" name=\"Suche\" id=\"Suche\" value=\"genau\" \/>\n\t\t<\/td>\n\t\t<td>\n\t\t\t<input type=\"submit\" name=\"Like\" id=\"Like\" value=\"enth\u00e4lt\" \/>\n\t\t<\/td>\n\t<\/tr>\n<\/table>\n<\/form>\n\r\n<p><a href=\"?p=108726\">Zur&uuml;ck zur Projektseite<\/a><\/p>\r\n<p><a href=\"?p=168\">Zur&uuml;ck zu Seite Projekte\/Datenbanken<\/a><br>\r\n<a href=\"?p=7395\">Zur&uuml;ck zur Forschungsstelle Schlesien<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Friedrich II. 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