{"id":21926,"date":"2013-11-01T10:01:29","date_gmt":"2013-11-01T10:01:29","guid":{"rendered":"http:\/\/wp.agoff.de\/?p=21926"},"modified":"2017-01-13T13:33:33","modified_gmt":"2017-01-13T12:33:33","slug":"geschichte-der-evangelischen-kirchengemeinde-kepno","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/agoff.de\/?p=21926","title":{"rendered":"Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde Kempen i. Posen (K\u0119pno)"},"content":{"rendered":"<table class=\"Artikelkopf_mit_Siegel\">\r\n<tr>\r\n<td><center><\/center><\/td>\r\n<\/tr>\r\n<\/table>\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Stadt Kempen wurde im Jahre 1661 in der N&auml;he eines altert&uuml;mlichen, stark befestigten Schlosses Kempo mit Bewilligung des K&ouml;nigs Johann Casimir durch den Besitzer Adam von Rudnik Biskupski von deutschen Handwerkern, gr&ouml;&#223;tenteils Leinwebern und Tuchmachern, gegr&uuml;ndet. Der Grundherr erteilte ihnen zugleich das Privilegium zur Errichtung einer evangelischen Kirche und Schule. Trotz des Widerspruchs des Propstes in dem nahen St&auml;dtchen Baran&#243;w fand in der neuerbauten Kirche unter dem genannten Grundherrn und seinem Nachfolger Martin Olszowa-Olszowski der Gottesdienst nach Augsburgischem Bekenntniss in deutscher und polnischer Sprache statt, w&auml;hrend welcher Zeit Johann Spaniel (1675) und Johann Schupelius (1681) das Pfarramt verwalteten. Nachdem im Jahre 1684 eine katholische Kirche in Kempen errichtet war, wurde nicht nur jede evangelische Familie gezwungen, an den katholischen Pfarrer eine j&auml;hrliche Abgabe von 2 Florin (<em>Gulden<\/em>) poln. (1 Mark) zu zahlen, sondern die katholische Geistlichkeit bot auch alles auf, um den evangelischen Gottesdienst ganz zu unterdr&uuml;cken. Dies gelang im Jahre 1686. Nach dem Tode Olszowski&#8217;s befahl dessen Witwe den Gottesdienst solange auszusetzen, bis ihr Gatte beigesetzt sein werde; aber auch sp&auml;ter durfte die Kirche nicht wieder er&ouml;ffnet werden, vielmehr wurde der Pfarrer M. Samuel Springer im Jahre 1686 gen&ouml;tigt, die Gemeinde zu verlassen.<br>\r\nNeunzehn Jahre hatte die Kirche unbenutzt gestanden, als ein schwedisches Korps auf dem Zuge durch Gro&#223;polen im Jahre 1705 Kempen ber&uuml;hrte. Die Schweden lie&#223;en die Kirche sofort &ouml;ffnen und durch einen schwedischen Feldprediger Gottesdienst halten. Der vertriebene Pfarrer Springer, der sich wieder einfand, begab sich nach Rawitsch zu dem schwedischen K&ouml;nig Carl XII., erwirkte von diesem die Erlaubnis zu freier Aus&uuml;bung des evangelischen Gottesdienstes, und wiederum wurde darauf bis zum Jahre 1713 die Kirche unter Leitung des Pfarrers Springer und dessen Nachfolger Georg Ausersbach aus Oels unausgesetzt benutzt. Als die Schweden Polen verlassen hatten, begab sich Ausersbach, Gefangennehmung von Seiten der Konf&ouml;derierten f&uuml;rchtend, nach Medzibor in Schlesien, kam aber, &#8211; nicht ohne gro&#223;e Gefahr, &#8211; von Zeit zu Zeit nach Kempen, um in aller Stille die Gemeinde in gemeinsamen Gottesdiensten zu erbauen.<br>\r\nDa untersagte der katholische Pfarrer Simon Wolfo &#8222;weil ihm der Au&#223;ersbach wie ein Wolf und Dieb in seine Jurisdiction eingefallen sei&#8223; allen evangelischen Gottesdienst in Kempen. Die hart bedr&auml;ngte Gemeinde beschwerte sich bei dem Grundherrn Andreas Olszowski. Dies hatte zur Folge, da&#223; ihr die Auslieferung des Kirchenschl&uuml;ssel anbefohlen ward. Da die Gemeinde dieselbe verweigerte und die Erkl&auml;rung abgab, sie h&auml;tte die Schl&uuml;ssel nicht durch die Gnade der Grundherrschaft, sondern durch die Gnade des K&ouml;nigs von Schweden wieder erhalten, so wurde ihre Berufung auf einen Feind Polens f&uuml;r Rebellion erkl&auml;rt, sie bei dem Tribunal in Lublin und beim bisch&ouml;flichen Konsistorio in Breslau verklagt und darauf unter dem Vorsitz des bisch&ouml;flichen Archidiakon Wesper aus Breslau verurteilt, die Kirchenschl&uuml;ssel herauszugeben, die Kirche binnen sechs Wochen niederzurei&#223;en, dem katholischen Pfarrer 500 Mark zu bezahlen, in der katholischen Kirche &ouml;ffentlich Abbitte zu leisten, nicht nur wie bisher f&uuml;r Taufen und Trauungen, sondern auch f&uuml;r Begr&auml;bnisse an den katholischen Pfarrer die Geb&uuml;hren zu entrichten und die Leichen nur still beerdigen zu d&uuml;rfen.<br>\r\nHierauf wurde am 16. August 1718 die Kirche niedergerissen, Bilder, B&auml;nke, Taufstein, Altar und Chor wurden in die katholische Kirche zu Kempen, das Gel&auml;ute zur Kirche in Baran&#243;w genommen und die zur evangelischen Pfarrei geh&ouml;rige Widmut dem katholischen Pfarrer zugeteilt. Aus dem Holz der Kirche wurde ein Wohnung f&uuml;r den katholischen Organisten und ein Schulhaus erbaut. Der evangelischen Gemeinde blieb von ihrem Grundbesitze nichts &uuml;brig als der Gottesacker.<br>\r\nNach dem Verlust ihres Gotteshauses besuchten die evangelischen Einwohner von Kempen die unweit entfernten Kirchen in Schlesien. Vergebens traten sie in den Jahren 1747 und 1748 mit dem St&auml;dtchen Bralin in Schlesien wegen Errichtung eines gemeinsamen Gotteshauses in Unterhandlung, vergeblich auch sandten sie 1767 Abgeordnete an die Konf&ouml;deration in Thorn; erst der Reichstag von 1775 erl&ouml;ste sie von dem Druck, der auf ihnen lastete. Vom 21. Dezember 1775 an hielten sie mit Genehmigung der Synode zu Lissa zuerst wieder in einer von dem B&uuml;rger Johann Rumpel geschenkten, notd&uuml;rftig zum Gottesdienste eingerichteten Scheune &ouml;ffentliche Andachts&uuml;bungen, bei welchen schlesische Pastoren die Predigten &uuml;bernahmen.<br>\r\nNachdem darauf die Parochialverh&auml;ltnisse geordnet worden, der Grundherr, der k&ouml;nigl. poln. General-Adjutant Adam von Kromno-Piotrowski, nicht nur den Konsens zur Erbauung einer neuen Kirche, sondern auch die Pl&auml;tze zur Kirche, Pfarrwohnung und Schule angewiesen und gr&ouml;&#223;tenteils das zur Kirche n&ouml;tige Holz geschenkt hatte, wurde 1777 der Bau einer h&ouml;lzernen Kirche begonnen und diese am dritten Ostertag (6. April) 1779 geweiht. Die polnische Predigt hielt Johann Wenzeslaus Sassadius, Pastor an der herzoglichen Schlo&#223;kirche zu Polnisch-Wartenberg, die deutsche Johann Kutsch, Kreissenior in Pitschen.<br>\r\nHierauf trat der erste neugew&auml;hlte Seelsorger Winkler sein Amt an. Der Bau eines Pfarr- und Schulhauses folgte. Zum Ausbau des ersteren bewilligte 1797 die s&uuml;dpreu&#223;ische Regierung eine Landeskollekte, welcher der Minister v. Hoym einen landesherrlichen Zuschu&#223; beif&uuml;gte. Neues Unheil traf die Gemeinde, als am 15. August 1854 ein ansehnlicher Stadtteil nebst der Kirche und dem Pfarrhause ein Raub der Flammen wurde. Erst nach &Uuml;berwindung vieler Schwierigkeiten und mit mannigfacher, insbesondere durch den Gustav-Adolf-Verein erlangter Beihilfe ausw&auml;rtiger Glaubensgenossen kam die Gemeinde in den Besitz einer sch&ouml;nen, massiven, mit einem hohen Turme versehenen Kirche, welche am 8. Oktober 1863 durch den General-Superintendenten D. Cranz die Weihe erhielt. Im Jahre 1887 ward der Kirche von Fr&auml;ulein Ida B&uuml;low ein Legat von 3600 Mark zugewandt.<br>\r\nDie Parochie bestand, nachdem 1815 die Stadt Wierusz&#243;w nebst allen jenseits der Prosna in Russisch-Polen gelegenen Ortschaften von ihr getrennt und die Parochie Laski abgezweigt worden war, aus den St&auml;dten Kempen und Baran&#243;w und den Ortschaften: Vorwerk Baran&#243;w, Birkenfelde, Joachimsthal, Osin, Borek miel., Domanin, Grembanin, Klin, Kochlow, Kronschkow, Mianowice, Mielentschin, Mikorzyn, Myomice, Ol&#223;owa I, II und III, Przybyszew, Rzetnia, Szklarka mit Hipolitenpol und Julianpol, Turze, Veronikenpol, Slupia, Morawin, Oswiecim, Plugawice, Wygoda plug., Donaborowo, Jankow, Kierzno, Miechnice, Rudniczysko, Waldau mit zusammen 3251 Evangelischen.<br>\r\nDie Ortschaften Podsamtsche, Jutrkow, Kuznica-skakawa mit Kunzenruh, Lubczyn mit Jastrzab, Mirkow, Dobrygosce mit Dobrydzial, Wilhelmshof, Swiba, Teklinow, Naurath, Torceniec, Wyszanow wurden am 1. April 1889 zu einer mit Kempen verbundenen Filialgemeinde Podsamtsche vereinigt, die etwa 630 Seelen z&auml;hlte. Die Eingepfarrten waren gro&#223;teils unter Katholiken zerstreut. Die Landbewohner waren vorwiegend Polen, f&uuml;r diese fand polnischer Gottesdienst statt. Dieses Kirchspiel stand unter Privatpatronat der Herrschaft Kempen. Nachdem das Dominium durch Zersplitterung in die H&auml;nde einer gro&#223;en Anzahl von Besitzern gekommen, wurden die Patronatsrechte nach einem Erlasse des Evangelischen Oberkirchenrats vom 26. September 1867 bis auf weiteres von dem K&ouml;niglichen Consistorium ausge&uuml;bt.<br>\r\nDie evg. Kirche blieb im Besitz der evg. Gemeinde. Vom evg. Pfarramt wurden au&#223;erdem die Kirchengemeinden Schildberg, Schwarzwald und Grabow verwaltet.<\/p>\r\n\r\n\r\n&nbsp;\r\n<p class=\"quelle\">Quellen:<br\/>\r\nK&auml;ding, Otto: Heimatbuch f&uuml;r den Kreis Ostrowo, Provinz Posen, mit angrenzenden Kreisen Kalisch und Kempen. Hrsg.: Heimatkreisgemeinschaft Ostrowo in d. Landsmannschaft Weichsel-Warthe e.V., Zsgest. von Otto K&auml;ding und Arno Pommerenke, Kirchlengern 1983, (180 S.)<br>\r\nRosenberg, Josef C.T.: Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde Kempen; Festschrift zur Feier des 250j&auml;hrigen Bestehens der Gemeinde, Kempen i.P. 1914.<br>\r\nWerner, Albert u. Steffani, Johannes: Geschichte der evangelischen Parochien in der Provinz Posen, Posen 1898, Seite 138 ff.<br>\r\nSchilberg, Woldemar: Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde Kempen in den Jahren 1914-1941, 1941; (Standort: Deutsches Historisches Institut, Warschau)<br>\r\nSommer, C.E.: Kurze Geschichte der evangelischen Parochie und Kirche zu Kempen, im Schildberger Kreise, des Gro&#223;herzogthums Posen. Aus dem im Kirchen-Archiv befindlichen schriftlichen Nachrichten zusammengestellt, Oels 1854.<\/p>\r\n\r\n&nbsp;\r\n<hr \/>\r\n<a href=\"#top\">\r\n<img decoding=\"async\" src=\"wp-content\/pic\/topblue5.gif\" alt=\"nach oben\" \/>\r\n<\/a>\r\n\r\n&nbsp;\r\n<p><a href=\"?p=21883\">Evangelische Kirchengemeinde Kempen i. Posen<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Stadt Kempen wurde im Jahre 1661 in der N&auml;he eines altert&uuml;mlichen, stark befestigten Schlosses Kempo mit Bewilligung des K&ouml;nigs Johann Casimir durch den Besitzer Adam von Rudnik Biskupski von deutschen Handwerkern, gr&ouml;&#223;tenteils Leinwebern und Tuchmachern, gegr&uuml;ndet. Der Grundherr erteilte ihnen zugleich das Privilegium zur Errichtung einer evangelischen Kirche und Schule. Trotz des Widerspruchs des <a href=\"https:\/\/agoff.de\/?p=21926\" class=\"more-link\">\u2026\u00a0<span class=\"screen-reader-text\">  Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde Kempen i. 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