{"id":49242,"date":"2015-08-03T17:34:46","date_gmt":"2015-08-03T15:34:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.agoff.de\/?p=49242"},"modified":"2017-01-13T13:43:36","modified_gmt":"2017-01-13T12:43:36","slug":"dokumente-der-gemeinde-birkenfelde-i-posen-hanulin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/agoff.de\/?p=49242","title":{"rendered":"Dokumente der Gemeinde Birkenfelde i. Posen (Hanulin)"},"content":{"rendered":"<table class=\"Artikelkopf_mit_Siegel\">\r\n<tr>\r\n<td><center><img decoding=\"async\" src=\"wp-content\/pic\/posen\/birkenfelde_gemeinde\/1987_christusfigur_vor_gut_birkenfelde_0c.jpg\" alt=\"Christusfigur vor Gut Birkenfelde im Jahr 1987\" width=\"200px\" height=\"300px\" \/><\/center><\/td>\r\n<\/tr>\r\n<\/table>\r\n\r\n&nbsp;\r\n\r\n<h3>Das Gut Birkenfelde &#8211; Berichte<\/h3>\r\n\r\n<blockquote>\r\n<p style=\"text-align: center;\">Zum Leben auf dem Gut unter dem Besitz Giese<\/p>\r\n<br>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Leben auf dem Gut war aber zu Anfang des 20. Jahrhunderts offenbar noch teilweise feudal gepr&auml;gt: Die Arbeiterfamilien hatten ihre Wohnung auf dem Gut, sie bekamen ein St&uuml;ck Land zur Bewirtschaftung f&uuml;r den Eigenbedarf, insbesondere f&uuml;r Kartoffeln, Getreide und Gem&uuml;se und sie hielten auch eine Kuh und ein Schwein. F&uuml;r die Ansiedlung\/Anstellung war z.B. eine Bedingung, da&#223; die Familie mindestens 8 Kinder hatte . Auch sozial wurde f&uuml;r die Familien der Arbeiter gesorgt. Ein Vertragsarzt des Gutes wurde bei Bedarf gerufen und vom Gutsherrn bezahlt. Eine Krankenversicherung gab es damals noch nicht. Weiter wurden f&uuml;r die Arbeiter &#8222;Marken geklebt&#8223;, d.h. von Hugo Giese  wurden Zahlungen an die staatliche Rentenkasse zugunsten der Arbeiter geleistet.<br>\r\nEr hat f&uuml;r den Bedarf seiner Arbeiterfamilien teilweise auch neue Wohnungen errichtet. Seinen Kindern war allerdings streng verboten, dorthin zu gehen. Man lebte getrennt von den polnischen Bewohnern, wie &uuml;berhaupt der soziale Kontakt sehr beschr&auml;nkt war. Er bestand im Wesentlichen aus der eigenen Verwandtschaft, aus den Nachbarn und aus Kontakten im Hinblick auf das wirtschaftliche Leben des Gutes.<br\/>\r\nIn den Arbeiterfamilien gab es eine Arbeitsteilung, wonach die Arbeit mit Pferden, auf dem Acker, in der eigenen Stellmacherei (Wagenpark und Reparatur) und in der Schmiede von den M&auml;nnern verrichtet wurde, w&auml;hrend die Frauen f&uuml;r den Kuhstall (gesch&auml;tzt ca. 100 St&uuml;ck) zust&auml;ndig waren. &#8222;Die K&uuml;he mu&#223;ten ja damals alle von Hand gezippelt werden&#8223;.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Verwaltung wurde von Hugo Giese selbst durchgef&uuml;hrt, nachdem ihm zwei V&ouml;gte nach kurzer Zeit wieder weggelaufen waren. Offenbar herrschte er sehr despotisch. So mu&#223;ten sie z.B. morgens um 1\/2 5 Uhr zum Rapport antreten, weil er zu dieser Zeit bereits auf war, um in der kalten Jahreszeit das Haus anzuheizen. Seine Frau Gertrud Agathe war zu Anfang ihrer Ehe bei solchen Gelegenheiten noch der Rocksaum gek&uuml;sst worden, was sie selbst aber (als Breslauer Kaufmannstochter) nicht mochte. Sie empfand es so &#8222;als ob sie in einer verkehrten Welt sei.&#8223; Sie war eine feine, musische Frau. Im Hause dienten 4 M&auml;dchen und eine Wirtschafterin. Die Kinder hatten eine Kinderg&auml;rtnerin und sp&auml;ter eine Hauslehrerin. Zum Lyceum in Kempen fuhren sie mit dem Kutscher in der offenen Kutsche, wobei sie im Winter dick in Pelze eingemummelt wurden und wenn Schnee lag, fuhr man im Schlittengespann. Die offene Kutsche wurde sp&auml;ter durch eine geschlossene Kalesche ersetzt.<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf dem Gut hatte er eine Pferdezucht f&uuml;r Trakehner eingerichtet. Hugo Giese war Pferdenarr. Er z&uuml;chtete eine Art Trakehner (das Branntzeichen hatte aber keine Elchschaufel, sondern 7 Zacken auf der Krone). Die Trakehner dienten als Reit-, Acker- und Kutschpferde.  Die Ackerpferde wurden sp&auml;ter von einem Dampfpflug ersetzt, der in 2 Teilen auf je einer Seite des Ackers stand und mit einem Drahtseil verbunden war, an dem der Pflug hin und her gezogen wurde. Eine seiner T&ouml;chter berichtet: Es war ein sch&ouml;nes ruhiges Schauspiel, wie der Pflug hin und her ging. Es wurde vor allem Getreide und Kartoffeln angebaut.<br> \r\nBilder zeigen, da&#223; einige Wirtschaftsgeb&auml;ude in dem umschlossen angelegten Vierkant-Hof fehlen. Bewohner berichteten, da&#223; zwei gegen&uuml;ber dem Herrenhaus gelegene Geb&auml;ude durch Blitzschlag und Feuer(?) vernichtet wurden . Eingangs, am Tor, ist noch eine Steinrinne zu erkennen, die der Reinigung und Desinfektion von R&auml;dern und Tierhufen\/-klauen gedient haben d&uuml;rfte. Rechter Hand, in 2 gro&#223;en Geb&auml;uden, standen K&uuml;he mit ihren K&auml;lbchen. Die Liegepl&auml;tze f&uuml;r die Tiere lie&#223;en anhand der Gr&ouml;&#223;e noch erkennen, da&#223; dort zu Zeiten von Hugo Giese die Pferdezucht untergebracht war.<br> \r\nWie noch nach dem 2. Weltkrieg &uuml;blich, erntete man fr&uuml;her mit S&auml;gen das Eis von den Weihern, um im Sommer die Nahrungsmittel frisch zu halten. Es gab einen Eisschrank im Haus, der t&auml;glich zweimal mit Eis bef&uuml;llt werden mu&#223;te. Im &#8222;Eishaufen&#8223; wurde auch Kaviar konserviert, den die dt. Offiziere serviert bekamen, wenn sie f&uuml;r das Milit&auml;r kamen, um Pferde zu kaufen.<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine weitere Geschichte handelte von einem deutschen Fliegerleutnant, der im 1. Weltkrieg am Gut notlanden mu&#223;te und auf einen Ersatzpropeller mehrere, wohl gut 4 Wochen zu warten  hatte. Er wurde nat&uuml;rlich bestens bewirtschaftet.<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Tochter berichtete ferner &#8222;Vater hat noch einen Vogel gehabt, jedes Jahr mu&#223;ten wir in die Kartoffeln zum Ernten. Jedes (der Kinder) hatte sein K&ouml;rbel und hat wie die andern (poln. Arbeiter) bei der Ablieferung eine Marke gekriegt und wurde dann ausbezahlt wie die anderen Leute.&#8223;<br>\r\nHugo Giese betrieb auch eine wundersch&ouml;ne Fasanerie, d.h. es wurden in gro&#223;en Freigehegen Fasanen aufgezogen und f&uuml;r Jagdzwecke verkauft. Auf dem Gut gab es Fischteiche beim Vorwerk Joachimstal, in denen im Herbst mit Reusen gefischt wurde und wo auch einige Fischotter dem Gutsherrn Konkurrenz bei der Ernte der Karpfen und Schleien machten.<br>\r\nIm Winter wurde auf den Teichen das Eis in St&uuml;cke ges&auml;gt und mit Pferdeschlitten in der N&auml;he des Gutes im Park hoch aufgeschichtet, soda&#223; sich ein regelrechter Eisberg bildete. Dieser wurde laufend bei Temperaturen von 20 -25 Grad unter Null mit Wasser begossen, soda&#223; ein richtiger Eisberg entstand. Dieser Eisberg wurde dann dick mit S&auml;gesp&auml;nen abgedeckt und diente bis zum n&auml;chsten Winter als Eisvorrat f&uuml;r einen altmodischen Eisschrank im Haus, den der Nachtw&auml;chter t&auml;glich einmal mit 2 Eimern Eis zu best&uuml;cken hatte.<br>\r\nIn diesem Eisschrank wurde auch immer ein Vorrat von russischem Kaviar gehalten. Er wurde vorzugsweise bei der im Fr&uuml;hjahr vom Milit&auml;r durchgef&uuml;hrten Pferdemusterung an die anwesenden Offiziere ausgegeben oder auch bei Gelegenheit der Hengstmusterung, die f&uuml;r Zuchttiere veranstaltet wurde. Der gro&#223;e Hof des Gutes diente sozusagen als &#8222;Marktplatz&#8223;, wo auch die umliegenden, teils polnischen Bauern in ihrer Tracht ihre Pferde f&uuml;r den Verkauf\r\nvorf&uuml;hrten.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Beim gesellschaftlichen Leben ragten die herbstlichen und winterlichen Jagden auf Hasen und Fasanen besonders heraus. Hierzu trafen sich die deutschen und die polnischen Gutsbesitzer bzw. Bauern (namentlich wird ein Graf Schabski erw&auml;hnt), die ansonsten nicht miteinander verkehrten. Es waren reine M&auml;nnergesellschaften, wobei nach Jagdende traditiongem&auml;&#223; ein Essen gegeben wurde, bei dem die Gastgeberin anwesend war. Vor dem dann &uuml;blicherweise stattfindenden anschlie&#223;enden Gelage zog sich die Gastgeberin allerdings vornehm zur&uuml;ck. Mit den deutschen Nachbarn traf man sich &ouml;fter zum Kaffe oder zu einem Abendessen.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Vom 1. Weltkrieg merkten wir anfangs garnichts&#8223; berichtet die Tochter und erz&auml;hlt weiter, da&#223; nach Kriegsende dann die Teilung des Deutschen Reiches mit der Abgabe des polnischen Korridors an Polen kam.<\/p>\r\n<\/blockquote>\r\n\r\n\r\n<p class=\"quelle\">Quellen:<br\/>\r\nRolf Schiller<\/p>\r\n\r\n\r\n&nbsp;\r\n<a href=\"#top\">\r\n<img decoding=\"async\" src=\"wp-content\/pic\/topblue5.gif\" alt=\"nach oben\" \/>\r\n<\/a>\r\n<hr \/>\r\n\r\n&nbsp;\r\n<p><a href=\"?p=44161\">Gemeinde Birkenfelde i. Posen (Hanulin)<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Das Gut Birkenfelde &#8211; Berichte Zum Leben auf dem Gut unter dem Besitz Giese Das Leben auf dem Gut war aber zu Anfang des 20. 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