{"id":52589,"date":"2015-12-03T21:19:04","date_gmt":"2015-12-03T20:19:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.agoff.de\/?p=52589"},"modified":"2018-05-11T19:08:32","modified_gmt":"2018-05-11T17:08:32","slug":"geschichte-der-boehmische-brueder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/agoff.de\/?p=52589","title":{"rendered":"Geschichte der  B\u00f6hmische Br\u00fcder"},"content":{"rendered":"<!-- Seitenkopf -->\r\n<p style=\"text-align:right\"><!-- Navigation --><br>\r\n<i>Sie sind hier: <a href=\"https:\/\/agoff.de\/\">Start<\/a> &#187; <a href=\"?p=840\">FST Posen<\/a> &#187; <a href=\"?p=52440\">FGR B\u00f6hmische Br\u00fcder<\/a><br>&#187; Geschichte B\u00f6hmische Br\u00fcder<\/i><\/p>\r\n\r\n<!-- Einleitung -->\r\n<h4 style=\"text-align:center\">Eine Res&uuml;mee<\/h4>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die evangelisch gesinnte Bev&ouml;lkerung in B&ouml;hmen und M&auml;hren litt noch im 18. Jh. unter den strengen Rekatholisierungsgesetzen, die nach der verlorenen Schlacht am Wei&#223;en Berg im November 1620 und dann besonders nach dem westf&auml;lischen Frieden immer wieder erneuert und versch&auml;rft wurden. Wem es nicht gelang, seinen Glauben zu verheimlichen, setzte nicht nur sein eigenes Leben sondern auch das seiner ganzen Familie einer unberechenbaren Gefahr aus. Viele starben an den Folgen brutaler Verh&ouml;re, viele Familien wurden von ihrem Hof vertrieben und nicht selten wurden den Eltern auch die Kinder weggenommen. Wer sich zum Verlassen des Heimatlandes entschlie&#223;en konnte, emigrierte. In den drei&#223;iger Jahren des 18. Jh. fanden mehr als 2000 Exulanten ihre Zuflucht in Berlin, aber der preu&#223;ische K&ouml;nig galt auch f&uuml;r die Daheimgebliebenen als ihr m&auml;chtiger F&uuml;rsprecher, von dem sie sich erhofften, da&#223; er ihnen einmal die Glaubensfreiheit sichern w&uuml;rde.<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Als der Erste Schlesische Krieg ausgebrochen war, und die preu&#223;ische Armee einen gro&#223;en Teil des Landes besetzt hatte, hofften die heimlichen Evangelischen auf die Erf&uuml;llung ihrer Hoffnungen. So m&auml;chtig war aber der preu&#223;ische K&ouml;nig nicht. Sein Handeln wurde vorrangig von anderen Interessen bestimmt. Den verfolgten Evangelischen bot er jedoch an, unter dem Schutz seiner Armee nach Schlesien zu ziehen, wo er ihnen freies Land zur Anlegung tschechischer Kolonien zur Verfugung stellen wollte. Das Angebot erschien allein schon wegen der gefahrlosen Emigration (die sonst strafbar war) und der gesicherten Ern&auml;hrungsm&ouml;glichkeit verlockend.<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese letzte gr&ouml;&#223;ere Emigrationswelle aus B&ouml;hmen, die der Berliner tschechischer Prediger Johann Liberda 1742 organisierte, brachte den Exulanten manche Entt&auml;uschungen. Die Soldaten der preu&#223;ischen Armee benahmen sich nicht unbedingt wie Besch&uuml;tzer der Exulanten. Die ersten 2000 Exulanten, die sich innerhalb eines halben Jahres im schlesischen M&uuml;nsterberg versammelten, blieben in der &uuml;berv&ouml;lkerten kleinen Stadt sitzen. Prediger Johann Liberda starb, und der K&ouml;nig baute Festungen. Die neuen k&ouml;niglich-preu&#223;ischen Beh&ouml;rden in Schlesien, denen die &#8222;Hussiten&#8223; ausgeliefert waren, fanden f&uuml;r sie kein freies Land. Erst nach sieben leidvollen Jahren konnten die Exulanten ihre ersten Kolonien gr&uuml;nden: Hussinetz bei Strehlen und Gro&#223; Friedrichs-Tabor bei Gro&#223; Wartenberg. Inzwischen waren sehr viele von ihnen gestorben oder weiter nach Berlin gezogen, aber es kamen aus B&ouml;hmen und M&auml;hren immer wieder neue Glaubensfl&uuml;chtlinge.<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"#top\">\r\n<img decoding=\"async\" src=\"wp-content\/pic\/topblue5.gif\" alt=\"nach oben\" \/><\/a><\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die ersten zwei Exulantenkolonien wurden schnell &uuml;berf&uuml;llt, und es mu&#223;te 1752 eine weitere Kolonie gegr&uuml;ndet werden: Friedrichsgr&auml;tz bei Oppeln. F&uuml;r diese Kolonie wurde zwar im Krascheower Wald freies Land zur Verf&uuml;gung gestellt, jedoch die Bedingungen waren so ung&uuml;nstig, da&#223; viele Exulanten lieber den weiten Weg nach Berlin suchten. Die vorgesehenen 100 Kolonistenstellen in Friedrichsgr&auml;tz wurden schlie&#223;lich doch besetzt und zw&ouml;lf Jahre sp&auml;ter (1764) gr&uuml;ndeten die Tschechen zwei weitere Kolonien: Tschermin bei Gro&#223; Friedrichs-Tabor und Neu Podiebrad bei Hussinetz. Noch 1777 wurde die Exulantenkolonie Sacken, n&ouml;rdlich von Oppeln, gebaut.<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Kolonistenstellen sollten in den n&auml;chsten Generationen nicht geteilt, sondern nur von einem Kind ererbt werden. Die j&uuml;ngeren S&ouml;hne der Kolonisten mu&#223;ten neues Land suchen. Am Anfang des 19. Jh. er&ouml;ffneten sich diesbez&uuml;glich g&uuml;nstige M&ouml;glichkeiten im preu&#223;ischen Anteil des geteilten Polens, wo das Land billiger zu bekommen war als in Schlesien. Im Jahre 1803 gr&uuml;ndeten so die letzten Exulanten, die allerdings schon 24 und mehr Jahre an mehreren Orten verstreut in Schlesien lebten, zusammen mit j&uuml;ngeren Exulantens&ouml;hnen und -enkeln aus den &auml;lteren b&ouml;hmischen D&ouml;rfern in Schlesien eine b&ouml;hmische Kolonie in Zel&#243;w in Polen. Hier durften die 54 Kolonistenstellen von Anfang an geteilt werden. Die ca. 65 Landwirte, die das tschechische Zel&#243;w gegr&uuml;ndet hatten, brachten auch ihre Webst&uuml;hle mit und verarbeiteten anfangs nur f&uuml;r den Eigenbedarf die Wolle von eigenen Schafen und das Leinen von eigenen Feldern.<\/p> \r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die j&uuml;dischen H&auml;ndler, die bald den Weg nach Zel&#243;w fanden, erkannten die gute Qualit&auml;t der Zel&#243;wer Stoffe, verkauften sie und brachten Rohmaterial, darunter bald auch Baumwolle, zur Verarbeitung nach Zel&#243;w. Die Zahl der Bev&ouml;lkerung in Zel&#243;w wuchs schnell, die Kolonistenstellen zerbr&ouml;ckelten immer mehr, und so konnten auch die Landwirte nicht mehr allein von ihrer Landwirtschaft leben. Die sich hoffnungsvoll entwickelnde Textilindustrie erm&ouml;glichte ihnen jedoch den zum Leben notwendigen Verdienst. In der prosperierenden tschechischen Kolonie lie&#223;en sich auch Juden, Polen und Deutsche nieder, jedoch die Tschechen besa&#223;en das Land und blieben deutlich in der &Uuml;berzahl. Alle vier Volksgruppen mit unterschiedlichen kulturellen und religi&ouml;sen Hintergr&uuml;nden lebten friedlich zusammen. Die Umgangssprache war Tschechisch, die Amtssprache war Polnisch und Russisch (ab 1815 lag Zel&#243;w im russischen Teil Polens).<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"#top\">\r\n<img decoding=\"async\" src=\"wp-content\/pic\/topblue5.gif\" alt=\"nach oben\" \/><\/a><\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die guten Erfahrungen der Zel&#243;wer Tschechen lockten weitere Nachkommen der Exulanten aus Preu&#223;isch Schlesien nach Polen. Die meisten von ihnen versuchten, sich in der N&auml;he von Zel&#243;w anzusiedeln. So entstanden neben einigen kleineren auch die gr&ouml;&#223;eren tschechischen Kolonien der Exulantennachkommen in Kuc&#243;w, Faustyn&#243;w und Po&#380;d&#380;enice. Auch in Preu&#223;isch Schlesien wurde s&uuml;dlich von Friedrichsgr&auml;tz im Jahre 1832 noch eine gr&ouml;&#223;ere tschechische Kolonie gegr&uuml;ndet: Petersgr&auml;tz.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Ab Mitte des 19. Jh. zogen einige Tschechen aus Zel&#243;w und anderen Kolonien nach &#321;&#243;d&#378; und Zyrard&ouml;w, wo sie sich bessere Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie erhofften. Andere wiederum, die sich eine intensivere Landwirtschaft w&uuml;nschten, fanden den Weg nach Wolhynien und in die Ukraine. In kleineren Gruppen kamen sie bis nach Sibirien. Durch die Exulantentradition eindeutig gepr&auml;gt waren besonders die 1878 gegr&uuml;ndete Gemeinde Michailowka in Wolhynien und die 1899 entstandene Alexandrowka in der Ukraine. In der tschechischen Kolonie Bohemka, die 1905 auch in der Ukraine gegr&uuml;ndet wurde, trafen die Nachkommen der Exulanten auf die neueren Emigranten aus B&ouml;hmen und M&auml;hren, die in Ru&#223;land ebenfalls bessere Ern&auml;hrungsm&ouml;glichkeiten in der Landwirtschaft suchten.<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach hundert Jahren waren die fr&uuml;heren famili&auml;ren Verbindungen der in Polen und Ru&#223;land lebenden Nachkommen der Exulanten zu ihren Verwandten in Schlesien fast vergessen. Als der Erste Weltkrieg ausgebrochen war, standen die Angeh&ouml;rigen der einzelnen alten Exulantenfamilien auf verschiedenen Seiten der Fronten. Nach 1918 kamen die ukrainischen Exulantenkolonien unter die sowjetrussische Herrschaft. Ihre immer noch lebhaften Beziehungen zu Michajlovka und Zel&#243;w in Polen wurden unterbunden und in den zwanziger Jahren des 20. Jh. vollkommen verboten. Sie litten unter den Persekutionen, Hungersn&ouml;ten mit unbeschreiblichen Folgen und unter Verboten der christlichen Gottesdienste. Die Exulantenkolonien in Wolhynien kamen 1939 in eine &auml;hnliche Lage, als das Land von der Sowjetunion annektiert wurde.<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Nachkommen der Exulanten in Preu&#223;isch Schlesien, Polen, Wolhynien und der Ukraine pflegten ganze 250 Jahre ihre tschechische Muttersprache, und die meisten von ihnen bewahrten sich auch eine tiefe Fr&ouml;mmigkeit. Ihr Verh&auml;ltnis zur Heimat ihrer Vorfahren (&#8222;Land der V&auml;ter&#8223;) entwickelte sich (entsprechend den jeweiligen Lebensbedingungen) in den verschiedenen L&auml;ndern unterschiedlich. In Preu&#223;isch Schlesien wurde ab 1873 der tschechische Unterricht in den Schulen verboten, und auch die tschechischen Gottesdienste sollten durch deutsche allm&auml;hlich verdr&auml;ngt werden. Die Tschechen wehrten sich. Wenn sie schon einmal im Monat an einem Gottesdienst mit deutscher Predigt teilnehmen sollten, wollten sie dabei wenigstens aus ihren alten tschechischen Gesangb&uuml;chern singen. Als ihnen auch das 1915 verboten wurde, wehrten sie sich mit der Begr&uuml;ndung, sie seien &#8222;gute deutsche Patrioten&#8223;, jedoch ihre Muttersprache und das Verm&auml;chtnis der V&auml;ter w&uuml;rden sie sich nicht wegnehmen lassen. Auch wenn sie sich keinen Pfarrer aus B&ouml;hmen berufen durften, fanden sie immer Pfarrer, die Tschechisch sprechen konnten, oder die es lernten. Bis in die drei&#223;iger Jahre des 20. Jh. wurde in den Exulantend&ouml;rfern noch Tschechisch gepredigt. Die fortschreitende Germanisierung war jedoch in der j&uuml;ngeren Generation schon deutlich zu erkennen. Dazu trugen nicht wenig auch die Erweckungsbewegungen in Deutschland bei, von denen besonders die Jugend erfa&#223;t wurde. Die neuen deutschen Erweckungslieder wurden in den tschechischen D&ouml;rfern von der Jugend gern gesungen.<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"#top\">\r\n<img decoding=\"async\" src=\"wp-content\/pic\/topblue5.gif\" alt=\"nach oben\" \/><\/a><\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gab einige Kontakte der Exulantennachkommen nach B&ouml;hmen, die aber von Seiten der Regierungen der neuen Heimatl&auml;nder (Deutschland, Polen, Sowjetunion) zunehmend unterbunden wurden. Tschechisch blieb bis zuletzt die allt&auml;gliche Umgangssprache in den Exulantend&ouml;rfern, auch wenn es offiziell in den drei&#223;iger Jahren besonders in Schlesien eigentlich nicht h&auml;tte sein d&uuml;rfen. H&ouml;chstens mit den kleineren Kindern sprach man Deutsch, damit sie in der deutschen Schule besser zurechtk&auml;men. In der &auml;lteren Generation in Schlesien erinnerte man sich noch an eine alte Prophezeiung, da&#223; in der siebenten Generation die Nachkommen der Exulanten in das &#8222;Land der V&auml;ter&#8223; zur&uuml;ckkehren w&uuml;rden. In Wirklichkeit jedoch sehnte sich niemand mehr danach. Die b&ouml;hmischen D&ouml;rfer in Schlesien waren gut gepflegte Orte, in denen sich ihre Einwohner wohl f&uuml;hlten.<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">In Zel&#243;w und den anderen polnischen Exulantenkolonien kam es nach dem Ersten Weltkrieg zu ernsten Reibereien mit den polnischen Nationalisten, die die Tschechen am liebsten des Landes verwiesen h&auml;tten. Von B&ouml;hmen und M&auml;hren ziemlich weit entfernt idealisierten die in Polen und Wolhynien lebende Nachkommen der Exulanten das &#8222;Land der V&auml;ter&#8223;. Nach der Konstituierung der Tschechoslowakei w&uuml;nschten sich viele von ihnen, in die neue Republik ziehen zu d&uuml;rfen. Jedoch abgesehen von einigen wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Landes gab es in der Tschechoslowakei, trotz vieler Bem&uuml;hungen einiger Bef&uuml;rworter, nicht den politischen Willen zur Erm&ouml;glichung der Reemigration der Exulantennachkommen. Es kam zu einer nur symbolischen Reemigration von ca. 1000 Personen, &uuml;berwiegend aus Polen und Wolhynien. Die meisten, darunter auch die Tschechen in Gro&#223; Friedrichtabor, deren Gebiete durch die neue Grenze an Polen fielen und die deshalb gemeinsam mit ihrem Pfarrer in die Tschechoslowakei umsiedeln wollten, wurden abgelehnt.<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Zweiten Weltkrieg wurden die M&auml;nner in Preu&#223;isch Schlesien in die deutsche Wehrmacht eingezogen, w&auml;hrend sich in Wolhynien die Tschechen, die oft den gleichen Familiennamen wie die deutschen Soldaten aus Schlesien trugen, freiwillig in die Rote Armee (Einheiten des tschechischen Generals Ludvik Svoboda) meldeten. Sie kamen am Ende des Krieges als Soldaten in die Tschechoslowakei und wollten als Reemigranten bleiben. Jedoch bis die notwendigen Vertr&auml;ge der tschechoslowakischen Regierung mit der Sowjetunion in dieser Angelegenheit ausgehandelt wurden, damit auch ihre Familien nachkommen k&ouml;nnten, dauerte es zwei Jahre.<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"#top\">\r\n<img decoding=\"async\" src=\"wp-content\/pic\/topblue5.gif\" alt=\"nach oben\" \/><\/a><\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach dem Zweiten Weltkrieg lud die tschechoslowakische Regierung alle im Ausland lebenden Tschechen und Slowaken zur R&uuml;ckkehr in das Heimatland, um die leeren St&auml;dte und D&ouml;rfer nach der Vertreibung der Sudetendeutschen zu bev&ouml;lkern.<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Einige der schlesischen Exulantenkolonien wurden im Januar 1945 evakuiert. Bevor die meisten Frauen und Kinder zur&uuml;ckkehren konnten, waren ihre H&auml;user von den aus dem Osten vertriebenen Polen besetzt. Die Hoffnung auf das Wiedersehen mit allen Nachbarn und Verwandten und mit ihnen an einem neuen Ort in der Tschechoslowakei heimisch zu werden, auch die Hoffnung, da&#223; die M&auml;nner als Tschechen fr&uuml;her aus der Gefangenschaft entlassen werden, waren bei der Entscheidung zur Reemigration aus Deutschland ausschlaggebend. Das schlesische Hussinetz wurde in den letzten Kriegsmonaten umk&auml;mpft, war ausgebrannt und zerschossen. Die evakuierten Einwohner waren im Unterschied zu den Fl&uuml;chtlingen aus den &ouml;stlicher gelegenen Exulantenkolonien von ihrem Heimatdorf nicht weit entfernt und kehrten bald zur&uuml;ck. Sie wurden mit der Notlage im zerst&ouml;rten Dorf wie auch mit den hineindr&auml;ngenden Polen konfrontiert und diskutierten heftig &uuml;ber ihre gemeinsame Zukunft. Einige entschieden sich f&uuml;r die Reemigration, jedoch der erste Reemigrationstransport kam wegen der Ungunst der polnischen Beh&ouml;rden nur mit Schwierigkeiten zustande. Der zweite versprochene Transport konnte nicht mehr verwirklicht werden. Mehrere Hussinetzer w&auml;hlten bewu&#223;t lieber den Weg nach Deutschland, andere sahen keine andere M&ouml;glichkeit, als sich diesem Schicksal zu f&uuml;gen. Nur einige Personen sind zuletzt in Hussinetz geblieben.<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">In den Exulantenkolonien in Polen kam es nach dem Krieg wieder zu harten nationalistischen Auseinandersetzungen, sogar auch innerhalb der kommunistischen Partei. Die Tschechen wurden massiv bedroht und viele von ihnen fl&uuml;chteten Hals &uuml;ber Kopf in die Tschechoslowakei. Sie organisierten eigenm&auml;chtig die Transporte &uuml;ber die Grenze. Aus Zel&#243;w und Umgebung reemigrierten mehr als 90 Prozent der Tschechen. In Gro&#223; Friedrichs-Tabor und Umgebung blieben nur einige, mit Polen verheiratete tschechische Frauen zur&uuml;ck.<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"#top\">\r\n<img decoding=\"async\" src=\"wp-content\/pic\/topblue5.gif\" alt=\"nach oben\" \/><\/a><\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Im &#8222;Land der V&auml;ter&#8223; versuchten die Reemigranten m&ouml;glichst mit den alten Nachbarn zusammenzutreffen und wieder &auml;hnliche Dorfgemeinschaften zu bilden. Es gelang nicht. Die tschechische Regierung unterst&uuml;tzte diese Bem&uuml;hungen nicht. F&uuml;r die Nachkommen der Exulanten w&auml;re es auch besser gewesen, wenn sie sich in Ostb&ouml;hmen h&auml;tten ansiedeln k&ouml;nnen, woher die meisten ihrer Vorfahren stammten und wo einige ihrer besonderen tschechischen Ausdr&uuml;cke weniger aufgefallen w&auml;ren. Sie wurden jedoch absichtlich nach Westb&ouml;hmen geschickt. Sie sprachen trotz einiger Archaismen sehr gut und akzentfrei Tschechisch. (je nachdem, woher sie kamen, fanden allerdings auch einige Germanismen, Polonismen oder Russismen Eingang in ihre Sprache). Sie konnten jedoch nicht Tschechisch schreiben, denn nicht nur in Schlesien sondern auch in Polen durften es die letzten Generationen in den Schulen nicht mehr lernen.<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Reemigranten aus den einzelnen Exulantend&ouml;rfern fanden sich in der Tschechoslowakei an verschiedenen Orten in gr&ouml;&#223;eren oder kleineren Gruppen zusammen. Das Einleben im &#8222;Land der V&auml;ter&#8223; war schwierig, denn sie wurden nicht immer und &uuml;berall voll als Tschechen akzeptiert. Sie wurden oft als Polen oder Deutsche mit allen damals negativ belegten Attributen angesehen. Die meisten waren auch von dem in B&ouml;hmen verbreiteten Atheismus unangenehm &uuml;berrascht. Den tschechischen Kommunisten, die besonders in den Grenzgebieten aktiv waren, war die Fr&ouml;mmigkeit der Reemigranten ein Dorn im Auge. Auch der Liberalismus in der evangelischen Kirche setzte den Exulantennachkommen zu. Sie bildeten mehrere lebendige Kirchengemeinden. Sehr schwierig war f&uuml;r die allermeisten die Tatsache, da&#223; sie in die H&auml;user der vertriebenen Sudetendeutschen einziehen sollten. Als sich in Polen am Anfang des Jahres 1946 die politische Lage stabilisiert hatte, kehrten aus diesem Grunde einige Familien wieder nach Zel&#243;w zur&uuml;ck. Die meisten Reemigranten, besonders die aus Schlesien, konnten jedoch in ihre D&ouml;rfer nicht mehr zur&uuml;ckkehren. Nachdem die Kommunisten in der Tschechoslowakei die Regierung &uuml;bernahmen, bem&uuml;hten sich viele Reemigranten aus Schlesien, die von ihren in Deutschland lebenden Verwandten abgeschnitten waren, um die Aussiedlung nach Deutschland. Das gelang besonders in den sechziger Jahren.<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Ungef&auml;hr 7 000 Exulanten suchten im 18. Jh. ihre Zuflucht in Preu&#223;isch Schlesien. Von ihren Nachkommen kehrten nach dem Zweiten Weltkrieg aus Schlesien, Polen und Wolhynien etwa 10 000 als Reemigranten in das &#8222;Land der V&auml;ter&#8223; zur&uuml;ck. Ungef&auml;hr die gleiche Zahl der Nachkommen, die sich ihrer Exulantenabstammung zu dieser Zeit noch bewu&#223;t waren, blieb im Ausland, &uuml;berwiegend in Deutschland. Die Zahl derer, denen die Exulantentradition ihrer Familie gleichg&uuml;ltig oder nicht mehr bewu&#223;t war, sch&auml;tzt man mehrfach h&ouml;her. Eine beachtliche Anzahl der Exulantennachkommen lebt auch in Amerika. Aus der Ukraine reemigrierten nur wenige Soldatenfamilien, sonst war die Reemigration nicht m&ouml;glich. Die ausdrucksvollste Exulantenkolonie Alexandrowka in der Ukraine wurde zerrieben. In Bohemka und in Veselynovka (fr&uuml;her Sirotinka, gegr&uuml;ndet 1912) wurden 1990 und 1998 die tschechischen evangelischen Kirchengemeinden neu gegr&uuml;ndet. Im polnischen Zel&#243;w gibt es eine evangelisch reformierte Kirchengemeinde (ca. 500 Mitglieder), die die Exulantentradition noch bewu&#223;t und intensiv pflegt.<\/p>\r\n<br>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung der Verfasserin.<\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n<p class=\"quelle\">Quellen:<br\/>\r\n&#352;t&#277;&#345;&#237;kov&#225;, Edita: Zem&#283; otc&#367; (<em>Land der V&auml;ter<\/em>), 2. Aufl., KALICH Praha 2005<\/p>\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"#top\">\r\n<img decoding=\"async\" src=\"wp-content\/pic\/topblue5.gif\" alt=\"nach oben\" \/><\/a><\/p>\r\n\r\n\r\n<hr \/>\r\n\r\n<p style=\"text-align: center\">\r\n<a href=\"?p=52440\">Forschungsgruppe B&ouml;hmische Br&uuml;der<\/a><br>\r\n<a href=\"?p=52597\">Gemeinde Gro&#223; Tabor<\/a><br>\r\nReformierte Kirchengemeinde Gro&#223; Friedrichstabor<br>\r\n<a href=\"?p=52611\">Gemeinde Tschermin<\/a><br>\r\n<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie sind hier: Start &#187; FST Posen &#187; FGR B\u00f6hmische Br\u00fcder&#187; Geschichte B\u00f6hmische Br\u00fcder Eine Res&uuml;mee Die evangelisch gesinnte Bev&ouml;lkerung in B&ouml;hmen und M&auml;hren litt noch im 18. Jh. unter den strengen Rekatholisierungsgesetzen, die nach der verlorenen Schlacht am Wei&#223;en Berg im November 1620 und dann besonders nach dem westf&auml;lischen Frieden immer wieder erneuert und <a href=\"https:\/\/agoff.de\/?p=52589\" class=\"more-link\">\u2026\u00a0<span class=\"screen-reader-text\">  Geschichte der  B\u00f6hmische Br\u00fcder<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[1689,659],"tags":[1700,1690,23,116],"class_list":["post-52589","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-fgr-boehmische-brueder-titelseite","category-fst-mittelpolen-titelseite","tag-boehmen","tag-boehmische-brueder","tag-mittelpolen","tag-schlesien"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/agoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/52589","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/agoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/agoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/agoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/agoff.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=52589"}],"version-history":[{"count":20,"href":"https:\/\/agoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/52589\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":91689,"href":"https:\/\/agoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/52589\/revisions\/91689"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/agoff.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=52589"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/agoff.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=52589"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/agoff.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=52589"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}