{"id":52597,"date":"2015-12-05T18:31:47","date_gmt":"2015-12-05T17:31:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.agoff.de\/?p=52597"},"modified":"2018-08-16T08:54:09","modified_gmt":"2018-08-16T06:54:09","slug":"gemeinde-gross-tabor-tabor-wielki","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/agoff.de\/?p=52597","title":{"rendered":"Gemeinde Gro\u00df Friedrichs-Tabor (Tabor Wielki)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align:right\"><!-- Navigation --><br>\r\n<i>Sie sind hier: <a href=\"https:\/\/agoff.de\/\">Start<\/a> &#187; <a href=\"?p=840\">FST Posen<\/a> &#187; <a href=\"?p=52440\">FGR B\u00f6hmische Br\u00fcder<\/a><br>&#187; Gro\u00df Friedrichs-Tabor<\/i><\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<table class=\"Artikelkopf_mit_Siegel\">\r\n<tr>\r\n<td><center><a href=\"http:\/\/www.agoff.de\/wp-content\/uploads\/fgr_boehmische_brueder\/pic\/2016_postkarte_gr_fr_tabor.jpg\" ><img decoding=\"async\" src=\"wp-content\/uploads\/fgr_boehmische_brueder\/pic\/2016_postkarte_gr_fr_tabor.jpg\" alt=\"Postkarte Gro\u00df Friedrichs-Tabor (vor 1914)\" width=\"320px\" height=\"240px\" class=\"alignnone\" \/><\/a><\/center><\/td>\r\n<\/tr>\r\n<\/table>\r\n<p style=\"text-align: center;\">Postkarte Gro&#223; Friedrichs-Tabor (vor 1914)<br><em>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.kepnosocjum.pl\/home.php\" target=\"_blank\"> Socium K&#281;pno<\/a><\/em><\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Als die b&ouml;hmischen Siedler sich um 1749 in der Freien Landesherrschaft Gro&#223; Wartenberg ansiedelten, geschah dies in zwei neuen Orten. Den gr&ouml;&#223;eren nannten Sie &#8222;Tabor&#8223; und den kleineren nannten Sie &#8222;Siska&#8223; nach einem hussitischen Feldherrn. Aus Tabor wurde Gro&#223; Tabor (Gro&#223; Friedrichs-Tabor) und aus Siska wurde Klein Tabor (Klein Friedrichs-Tabor). Der Ort Gro&#223; Friedrichs-Tabor befand sich im Baldowitzer Wald des Prinzen Biron von Curland. Dieser wollte den Wald verkaufen, weshalb er den Ort Gro&#223; Friedrichs-Tabor verlegen wollte. Dies gelang und die Umsiedlung begann um 1877. W&auml;hrend der Umsiedlung gab es 2 Orte Gro&#223; Friedrichs-Tabor. Der Eine, im Baldowitzer Wald, wurde &#8222;Alt Tabor&#8223; und das Andere, bei Gohla, wurde &#8222;Neu Tabor&#8223; genannt. Etwa um 1885 war die Umsiedlung abgeschlossen und es gab wieder nur ein &#8222;Gro&#223; Tabor&#8223; (Gro&#223; Friedrichs-Tabor).<br>\r\nGro&#223; Friedrichs-Tabor (Tabor Wielki) und Klein Friedrichs-Tabor (Tabor Ma&#322;y) sind heute Ortsteile der Landgemeinde Bralin<\/p>\r\n\r\n\r\n<p class=\"quelle\">Quelle:<br>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Foto und Text: Carsten Iwan<\/p>\r\n\r\n\r\n&nbsp;\r\n\r\n<table class=\"tableGliederungDioezese\">\r\n<thead>\r\n     <tr>\r\n     <td colspan=\"3\"><p>Die Rubriken<\/p><\/td>\r\n     <\/tr>\r\n<\/thead>\r\n<tbody>\r\n    <tr>\r\n      <td><p><a href=\"?p=52636\">Geschichte<\/a><\/p><\/td>\r\n      <td><p>Dokumente<\/p><\/td>\r\n      <td><p>Personen<\/p><\/td>\r\n  <\/tr>\r\n  <tr>\r\n       <td><p><a href=\"?p=52756\">Evangelisch-reformierte Kirchengemeinde<\/a><\/p><\/td>     \r\n       <td><\/td>\r\n       <td><p>Katholische Kirchengemeinde<\/p><\/td>\r\n  <\/tr>\r\n<\/tbody>\r\n<\/table>\r\n&nbsp;\r\n<div style=\"text-align:center\">\r\n<table class=\"table_friedhof\">\r\n<tr>\r\n<td><a href=\"http:\/\/www.agoff.de\/wp-content\/uploads\/fgr_boehmische_brueder\/pic\/2016_gross_friedrichstabor_1945_1200x800.jpg\" ><img decoding=\"async\" src=\"wp-content\/uploads\/fgr_boehmische_brueder\/pic\/2016_gross_friedrichstabor_1945_1200x800.jpg\" alt=\"Ortsplan Gro\u00df Friedrichs-Tabor 1945\" width=\"320px\" height=\"240px\" class=\"alignnone\" \/><\/a><\/td>\r\n<\/tr>\r\n<tr><td colspan=\"3\">&nbsp;<\/td><\/tr>\r\n<tr>\r\n<td>Ortsplan Gro&#223; Friedrichs-Tabor 1945<br><em>Quelle: Edita Sterikova: Zem&#283; otc&#367;, 2. Aufl. 2005, Seite 443<\/em><\/td>\r\n<\/tr>\r\n<\/table>\r\n<\/div>\r\n\r\n&nbsp;\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Jahr 1742 besetzen preu&#223;ische Truppen B&ouml;hmen im Kreis K&ouml;niggr&auml;tz. Die b&ouml;hmisch-reformierten Gl&auml;ubigen nutzen diese Chance von B&ouml;hmen in das preu&#223;ische Schlesien zu fl&uuml;chten. Pfarrer Katscher schreibt dazu in seinem Tagebuch nach 1920   &#8222;Im Jahr 1742 kamen die ersten 30 Mann, neue r&uuml;ckten nach. Anfang Mai wurden schon 1100 gez&auml;hlt, und ein Ende war nicht abzusehen. Die meisten dieser B&ouml;hmen stammten aus den Grenzbezirken, besonders aus dem K&ouml;niggr&auml;tzer Kreis. Schlimm war es jedoch, dass kein Geld vorhanden war, um die Kolonien aufzubauen. Auf alle Eingaben an den K&ouml;nig lautete die Antwort \u201eDie Leute seien ohne Unkosten, aber gut unterzubringen&#8223;. Wie das geschehen sollte, das &uuml;berlie&#223; der K&ouml;nig dem Landrat. Dieser schickte 100 Leute nach Neisse zum Schanzbau, 20 Familien siedelte er auf eigenem Grund an.<br>\r\nF&uuml;r die anderen blieb kein Ausweg, als sich in anderen Gegenden anzusiedeln. Aber von einer Trennung von einander wollten sie nichts h&ouml;ren. Sie baten den Landrat, sie doch in solcher Entfernung anzusiedeln, dass sie alle des Sonntags nach ihrer Weise gemeinsam Gottesdienst halten k&ouml;nnten. Schlie&#223;lich wurden 130 Familien in der Umgebung untergebracht, etwa 614 Seelen. Die &uuml;brigen 550 Personen blieben in M&uuml;nsterberg. Da diese letztere Unterbringung auf die Dauer kostspielig war, suchte die Regierung nach anderen M&ouml;glichkeiten. Da boten sich zwei Gro&#223;grundbesitzer zur Aufnahme der Kolonisten an: Graf Reichenbach in Gosch&uuml;tz und Henckel von Donnersmarck-Tarnowitz.<br>\r\nNach vielen Bedenken und Z&ouml;gern gingen die ersten Z&uuml;ge nach Gosch&uuml;tz und Tarnowitz ab, im Fr&uuml;hjahr 1743. So waren aus der einen Kolonie drei geworden. Aber keine von ihnen sollte eine b&ouml;hmische Kolonie bleiben. Im Jahre 1746 waren von den urspr&uuml;nglich 202 Personen in Gosch&uuml;tz nur noch sieben Mann &uuml;brig, die anderen zogen wegen der ung&uuml;nstigen Arbeitsverh&auml;ltnisse und Anfeindungen von Seiten der Lutheraner fort, zumeist erst nach M&uuml;nsterberg zur&uuml;ck. Die Tarnowitzer Kolonie von 125 Personen zerfiel auch allm&auml;hlich, haupts&auml;chlich infolge von schw&auml;rmerischen Umtrieben. Der erste Versuch der Ansiedlung im Raum Gro&#223; Wartenberg war fehlgeschlagen. Die meisten der dort angesiedelten B&ouml;hmischen Br&uuml;der gingen ab 1744 nach M&uuml;nsterberg zur&uuml;ck oder zogen durch Schlesien.<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch es ergab sich noch anders, wie Wencelaus Blanisky (<em>von seiner k&ouml;niglichen Majest&auml;t in Preu&#223;en bestellter und salarierter Prediger bei der B&ouml;hmisch=Evangelisch=Reformierten Gemeinde zu M&uuml;nsterberg<\/em>) in seinem Brief vom 31. M&auml;rz 1749 aus M&uuml;nsterberg schreibt:<\/p>\r\n<blockquote>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Zwey besondere und unvermutete Neuigkeiten hab ich die Ehre Ihnen zu berichten. Und zwar in Ansehung der ersteren werden sich Mein Wehrthester Herr Bruder zu besinnen wissen, da&#223; ich so wohl in der Tabelle der s&auml;mtlichen B&ouml;hmischen Familien, als auch in vermischten Reden, auf gezeichnet und erzelet habe, da&#223; annoch in Pohlen mehr als 50. Familien von den B&ouml;hmischen Emigranten hin und her zerstreuet, sich befinden. Bey meiner Abwesenheit, weil hin die Noth dieser guten Leuten sehr gro&#223; und die Verfolgung der Pohlnischen Papisten gegen Sie weit gr&ouml;&#223;er war, haben diese B&ouml;hmen Unseren K&ouml;nig Selbst angelanget, und um eine sichere Wohn-Stadt in K&ouml;niglich Preu&#223;ischen Landen beweglichst gebeten. Und so viel Land von dem K&ouml;nig erhalten, als zur Conversation und Nahrung ihrer Colonie von n&ouml;then ist. Dieses Land lieget an der Pohlnischen Gr&auml;ntze 2. Stunden von der Stadt Wartenberg, und in der Grafschaft dieses Namens, die ehedem denen Graffen von Dohna hernach dem Graffen von Biron, und Herzog von Curland zugeh&ouml;ret, vor etlichen Jahren aber zu den Domainen Unsers K&ouml;nigs anger&auml;umet worden. Die B&ouml;hmishe Colonie hingegen bestehet aus 49. Familien-V&auml;ttern, oder aber aus 276. Seelen. Das Land ist in 50. Theilen dergestallt ausgeme&#223;en  und aptiret, da&#223;  eine jede Familie 8 Scheffel oder 4. Z&uuml;richer gro&#223;e M&uuml;then des Jahres auss&auml;en kann; An Wiesen ist ihnen so viel angewiesen worden, da&#223; eine jede Haushaltung 4. St&uuml;ck Pferde, oder  Rind-Vieh dabey erhalten kann. Uber da&#223; giebt ihnen Un&#223;er g&uuml;ttigster K&ouml;nig unentgeldlich so viel Bau-Holtz, als sie vonn&ouml;then haben, und hat die&#223;e sich an den Orten befindende Familien auf 10. Jahr von allen Abgaben gn&auml;digst befreuet. Und vor ihren k&uuml;nfftigen Prediger das 50.gste Theil von diesen erwehnten L&auml;ndereyen zum Unterhalt assigniret. \u2026&#8223;\r\n<\/p>\r\n<\/blockquote>\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Jahr 1749 gr&uuml;ndeten die b&ouml;hmischen Br&uuml;der aus M&uuml;nsterberg kommend die Orte Tabor, der auch Gro&#223; Friedrichs-Tabor genannt wurde, und Ziska, der auch Klein Friedrichs-Tabor genannt wurde, im Baldowitzer Forst  unweit der kleinen Stadt Bralin. Die Gr&uuml;ndung erfolgte auf Land des Herzog Johann Biron von Curland. Dieser war im russischen Zarenreich in Ungnade gefallen und seine G&uuml;ter in Deutschland wurden vom Preu&#223;ischen K&ouml;nig Friedrich II. verwaltet. Etwa 1759 wurde f&uuml;r die ankommenden B&ouml;hmischen Br&uuml;der eine 3. Kolonie ger&uuml;ndet. Es war die Gemeinde Tschermin, ein urspr&uuml;nglich polnischer Ort.<br>\r\nWencelaus Blanisky schreibt in seinem Brief im Jahr 1752, dass die b&ouml;hmischen Kolonien von Tabor und Ziska die Folge der Gr&uuml;ndung der Kolonie Hussitz waren: \r\n&#8222;Diese Gelder sind ordentlich besorget worden. Die Gemeine baute vornehmlich aus denselben Ihre Colonie bei Strehlen, unter dem Namen Hussinets  an; Friedrichs=Tabor, Ziska und die &uuml;brigen K&ouml;niglich-Preu&#223;ischen Etablissements waren bald eine Folge dieser angelegten Gemeine.&#8223;    \r\nDer Ort Ziska = Klein Friedrichs-Tabor wurde nach dem bedeutendsten Heerf&uuml;hrer der Hussiten &#8222;Jan Zizka von Trocno&#8223; benannt und Tabor =  Gro&#223; Friedrichs-Tabor nach der Ursprungsstadt der Hussitenbewegung in B&ouml;hmen &#8222;Tabor&#8223;. Tabor und Ziska waren mitten im Wald gelegen und weitentfernt von gr&ouml;&#223;eren St&auml;dten. In beiden Kolonien herrschte vollst&auml;ndige Glaubensfreiheit. Das hatte zur Folge, dass neben der B&ouml;hmischen Br&uuml;dergemeinde der reformierten Christen viele andere Sekten versuchten an Einfluss zu gewinnen. Dies f&uuml;hrte zur Spaltung der Kolonisten untereinander.<br>\r\nDie Unruhen in Glaubensangelegenheiten dauerten  von 1749 bis Ende Juli 1771, also  mehr als 20 Jahre. Erst dem aus Hussinetz kommenden Daniel Ernst Zimmermann gelang es den Glaubensfrieden herzustellen. Nach dem dann Ruhe eingezogen war, verst&auml;rkten sich auch wieder die Wanderungsbewegungen zwischen Hussinetz und den Kolonien um Gro&#223; Friedrichs-Tabor.<br> \r\nIm Ortsfamilienbuch Gro&#223; Friedrichs-Tabor sind etwas mehr als 163 Familienereignisse erfasst an denen Personen aus Hussinetz beteiligt sind. Diese Ereignisse fanden vornehmlich zwischen 1770 und 1800 statt. Im Laufe der Zeit sind etwa 150 Personen von Hussinetz nach Tabor und zum Teil dann weiter nach Zel&#243;w gekommen. Allerdings waren die Kontakte nach 1800 nur noch vereinzelt.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Als dann Frieden in das religi&ouml;se Leben in Gro&#223; Friedrichs\u2013Tabor eingezogen war, begann auch der polnische\/deutsche reformierte Adel die Kirche der B&ouml;hmischen Br&uuml;der in Tabor zu nutzen. Ursache daf&uuml;r war, dass die reformierten Adeligen in der evangelisch-lutherischen Kirche in Gro&#223; Wartenberg (ca. 15 Kilometer von Tabor) nicht mehr wohlgelitten waren. Zu den adeligen Familien geh&ouml;rten die von Prittwitz, von Lipnic, von Zedlitz und andere. Die Mitnutzung der Kirche durch den Adel trug zur Verbesserung der finanziellen Situation der Kirche in Tabor bei. Die Nutzung durch den polnisch\/deutschen reformierten Adel dauerte etwa bis 1800 an. Um 1800 &uuml;bernahm Gustav Calixt Biron von Curland das Erbe der Freien Standesherrschaft Gro&#223; Wartenberg von seinem Gro&#223;vater Johann Biron Herzog von Curland. Zur Erbschaft geh&ouml;rten auch die D&ouml;rfer der B&ouml;hmischen Br&uuml;der Gro&#223; Friedrichs- (Alt) Tabor, Klein Friedrichs- (Zizka) Tabor und Tschermin. Gustav Calixt Biron von Curland war wohl selbst ein Anh&auml;nger der reformierten Konfession, so dass der reformierte Adel ins Schloss nach Gro&#223; Wartenberg zur&uuml;ckkehrte.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">W&auml;hrend die konfessionellen Dinge sich positiv entwickelt hatten, sah es mit der wirtschaftlichen Situation nicht so gut aus. Die b&ouml;hmischen D&ouml;rfer lagen mitten im Wald mit schlechter Infrastruktur und unmittelbar an der Grenze zu Posen. Der Boden den die Siedler bewirtschafteten war &auml;u&#223;erst karg. Das Dorf Tschermin, das nicht von der Steuer befreit war konnte teilweise keine Steuern zahlen. Die meisten der b&ouml;hmischen Siedler waren Weber. Aber f&uuml;r die Waren der Weber gab es in und um Tabor keine M&auml;rkte.<br>\r\nSo entschloss sich ein Teil der Familien nach Russisch-Polen umzusiedeln. Der russische Zar warb aktiv um deutsche und b&ouml;hmische Weber, um diese in Russisch-Polen anzusiedeln.  Mit Unterst&uuml;tzung  von Alexander Petrozelin de Korwin, einem evangelisch-reformierten Adeligen  aus Danzig,  verhandelten die Siedler aus der Umgebung von Tabor den Kauf eines geeigneten Gebietes. Man entschied sich zum Kauf des verkommenen Gutes Zel&#243;w bei Lodz, dass sich 100 Kilometer nord&ouml;stlich von Gro&#223; Friedrichs-Tabor befand.<br>\r\nAm 21. Dezember 1802 wurde in Tschermin bei Tabor der Kaufvertrag mit dem bisherigen Besitzer, Josef Schwizinski, unterschrieben. Es wurde ein Kaufpreis in H&ouml;he von 25.666  preu&#223;ischen Talern (= 154.000 polnische Z&#322;oty), zu zahlen in vier Raten, vereinbart. Die letzte Rate wurde am 20. Juni 1803 gezahlt. Zum Umsiedeln von Tabor nach Zel&#243;w  im Jahr 1803 entschlossen sich 17 Familien aus der reformierten Kirchgemeinde von Gro&#223; Friedrichs-Tabor. Zwischen 1803 und 1817 wurden die B&ouml;hmischen Br&uuml;der in Zel&#243;w von den Pastoren aus Hussinetz und Tabor betreut. Ab 1817 hatte Zel&#243;w einen eigenen Pfarrer. Im Jahr 1818 kam eine weitere Gruppe von Siedlern aus dem Gebiet Gro&#223; Friedrichs-Tabor nach Zel&#243;w. Diese Gruppe siedelte in den D&ouml;rfern Kuc&#243;w und Be&#322;chat&#243;w. Die Gemeinde Zel&#243;w ist eine Gr&uuml;ndung von Gro&#223; Friedrichs-Tabor. Von 1803 bis 1927 sind 1.604 Personen in den Kirchenb&uuml;chern der reformierten Kirchen von Gro&#223; Friedrichs-Tabor enthalten, die von Tabor nach Zel&#243;w gezogen sind beziehungsweise mit diesen Personen verwandt sind.<\/p>\r\n \r\n<p style=\"text-align: justify;\">Bis 1870 verlief das Leben in Gro&#223; Friedrichs-Tabor relativ gleichm&auml;&#223;ig, aber auf Grund der schlechten Bodenverh&auml;ltnisse recht &auml;rmlich. Im Jahr 1870 schloss Prinz Calixt Biron von Curland, dem als Freien Standesherren von Gro&#223; Wartenberg die W&auml;lder um Gro&#223; Friedrichs-Tabor geh&ouml;rten, mit den Einwohnern von Gro&#223; Friedrichs-Tabor einen Umsiedlungsvertrag. Die Taboriten sollten ihren Ort verlassen, damit Prinz Biron seine W&auml;lder zusammenlegen konnte und erhielten daf&uuml;r fruchtbareres Land in der Gemeinde Gole bei Bralin.  W&auml;hrend des Jahres 1876 siedelte also  Gro&#223; Friedrichs-Tabor um. Die Kolonisten rissen ihre H&auml;user ein  und transportierten gesunde Balken auf ihr neues Grundst&uuml;ck, um sie beim neuen Hausbau zu verwenden. Die Pfarre und die Schule wurden auf der neuen Stelle in den Jahren 1879 bis 1980 bereits aus Ziegeln gebaut. Im Jahr 1883 wurde der Grundstein f&uuml;r die neue Kirche aus Ziegelsteinen gelegt.<\/p> \r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit dem Jahr 1870 begann aber in den b&ouml;hmischen Kolonien bei Gro&#223; Friedrichs-Tabor  noch eine andere Entwicklung, die das Leben nachhaltig ver&auml;nderte. Mit dem Deutsch-Franz&ouml;sischen Krieg 1870\/71 und der Industrialisierung in Deutschland wurde eine Pendlerwelle von Arbeitskr&auml;ften aus den b&ouml;hmischen Siedlungen in die Industriegebiete von Oberschlesien und Sachsen ausgel&ouml;st. Die sogenannte &#8222;Sachseng&auml;ngerei&#8223; wurde &uuml;blich. Mit der Sachseng&auml;ngerei kam wirtschaftlicher Wohlstand in die Kolonien, aber es blieb auch eine gro&#223;e Anzahl von Pendlern in Deutschland oder trat mit der mit der Zeit anderen Konfessionen bei. So organisierten sich in Teschermin  Baptisten, die sich im Jahr 1911 von der protestantischen Gemeinde abtrennten. Im Jahr 1911 z&auml;hlte die protestantische Gemeinde  in Tabor 1500 Seelen.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach dem Ersten Weltkrieg musste Posen mit Teilen des Kreises Gro&#223; Wartenberg an die Republik Polen abgetreten werden. Die Abtretung erfolgte ohne Volksabstimmung und betraf auch alle Orte der reformierten Gemeinde Gro&#223; Friedrichs-Tabor.  Im Januar  1920 hat die Polnische Armee die Taborer Gemeinden besetzt. Um der folgenden Polonisierung zu entgehen, verlie&#223;en bis zum Jahr 1930 800 Mitglieder die reformierte Kirche von Gro&#223; Friedrichs-Tabor. Sie wanderten &uuml;berwiegend nach Deutschland aus. Die Anzahl der B&ouml;hmen die nach Tschechien zur&uuml;ckkehrten, war relativ gering. Das Leben in den D&ouml;rfern der B&ouml;hmischen Br&uuml;der war von 1920 bis 1939 ein langsames Sterben.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach dem Einmarsch der Deutschen Wehrmacht und der Besetzung der b&ouml;hmischen D&ouml;rfer d&uuml;rfte ein Teil der m&auml;nnlichen Bev&ouml;lkerung  auf deutscher Seite am  Zweiten Weltkrieg  teilgenommen haben. Von den 1945 in den D&ouml;rfern verbliebenen B&ouml;hmen kehrten  109 Familien (ca. 300 Personen) nach Tschechien zur&uuml;ck. Andere wanderten mit dem Fl&uuml;chtlingstreck nach Schlesien und sp&auml;ter weiter nach Deutschland. Einige wenige B&ouml;hmen, vor allem alte Menschen und mit Polen verheiratete Frauen, blieben zur&uuml;ck.<br>   \r\nIm Jahr 2015 lebt kein ehemaliger B&ouml;hmischer Bruder in den Gemeinden von Gro&#223; Friedrichs-Tabor. Hin und wieder einmal spielt der Handglocken-Chor der reformierten Gemeinde von Zel&#243;w in der evangelisch-lutherischen Kirche von Bralin. Es wird zwar nie wieder eine B&ouml;hmische Br&uuml;dergemeinde in Gro&#223; Friedrichs-Tabor geben, aber immer mehr polnische Menschen haben Interesse an der Geschichte  der B&ouml;hmischen Br&uuml;der, die einmal hier lebten.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Text: Carsten Iwan, Pegau in Sachsen, 20.02.2016<\/em><\/p>\r\n\r\n\r\n<p class=\"quelle\">Quellen:<\/p>\r\n<ul class=\"abstandsliste\" style=\"text-align:left\">\r\n<li>Franzkowski, Joseph: Geschichte der freien Standesherrschaft, der Stadt und des landr&auml;tlichen Kreises Gro&#223; Wartenberg, Gro&#223; Wartenberg  1912 (Selbstverlag des Verfassers)<\/li>\r\n<li>&#352;t&#277;&#345;&#237;kov&#225;, Edita: Pozv&#225;ni do Slezska, Prag 2001 (ISBN 80-7017-553-2)<\/li>\r\n<li>Ausz&uuml;ge aus dem Brief vom 29. Oktober 1748 von Wenceslaus Blanisky, der zerstreuten Reformierten b&ouml;hmischen Gemeinde in Schlesien K&ouml;niglicher Prediger war, (<em>geschrieben zu Z&uuml;rich<\/em>), Zentralbibliothek Z&uuml;rich<\/li>\r\n<li>Brief vom 30. November 1748 von Wenceslaus Blanisky, (<em>geschrieben in Bern<\/em>)<\/li>\r\n<li>Brief aus dem Jahr 1752  von Wenceslaus Blanisky, Zentralbibliothek Z&uuml;rich<\/li>\r\n<li>Schiller, Adolf: Gro&#223; Friedrichs-Tabor und Umgebung, eine Chronik, 10.08.1948, eine digitale Kopie des Originals liegt dem Verfasser vor <\/li>\r\n<li>Brief vom 31. M&auml;rz 1749 von Wenceslaus Blanisky, (<em>geschrieben in M&uuml;nsterberg<\/em>)<\/li>\r\n<li>Auszug aus der Abschrift der Chronik der Gemeinde Klein Friedrichs-Tabor angelegt im Jahre 1892 vom Lehrer Herr Schiller aus Tschermin, eine digitale Kopie der Abschrift liegt dem Verfasser vor<\/li>\r\n<li>Abschrift des Tagebuch des Pfarrer Katscher aus &#8222;Tabor wiliki&#8223; nach 1920, eine digitale Kopie der Abschrift liegt dem Verfasser vor<\/li>\r\n<li>WEB-Seite der <a href=\"http:\/\/zelow.pl\/de\/\" target=\"_blank\">Gemeinde Zel&#243;w<\/a> (<em>zuletzt besucht am 22.02.2016<\/em>)<\/li>      \r\n<li>Online <a href=\"http:\/\/www.online-ofb.de\/gross_friedrichstabor\/\" target=\"_blank\">Ortsfamilienbuch Gro&#223; Friedrichs-Tabor<\/a> erstellt von Carsten Iwan<\/li>\r\n<li>Szczepankiewicz-Battek, Joanna: B&ouml;hmische Br&uuml;der in der evangelisch- reformierten Kirche in Polen  Vergangenheit und Gegenwart (<em>polnisch<\/em>), Polen; <a href=\"http:\/\/www.drhdl.de\/pdfs\/Boehm_Brueder.pdf\" target=\"_blank\">Nachweis<\/a><\/li>    \r\n<!-- <li>Abschrift des Kirchenbuches der evangelisch-reformierten Gemeinde von Zel&#243;w <a href=\"http:\/\/www.genebaze.cz\/~ts\/Ke_stazeni\/O_Zelow_1800-1927.pdf\" target=\"_blank\">Nachweis<\/a> <\/li> --><\/ul>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<!-- Linkliste -->\r\n\r\n<table class=\"table_ansprechpartner\" cellspacing=\"3\" cellpadding=\"3\">\r\n\t<thead>\r\n\t\t<tr>\r\n\t\t\t<td id=\"Links\">Links<\/td>\r\n\t\t<\/tr>\r\n\t<\/thead>\r\n\t<tbody>\r\n\t\t<tr>\r\n\t\t\t<td class=\"noborder\">\r\n\t\t\t\t<ul style=\"text-align: left;\">\r\n\t\t\t\t\t<li>Online <a href=\"http:\/\/www.online-ofb.de\/gross_friedrichstabor\/\" target=\"_blank\">Ortsfamilienbuch Gro&#223; Friedrichs-Tabor<\/a> erstellt von Carsten Iwan (<em>zuletzt besucht am 13. Januar 2017<\/em>)<\/li>\r\n\t<li>WEB-Seite der <a href=\"http:\/\/www.bralin.pl\/\" target=\"_blank\">Gemeinde Bralin<\/a> [Polnisch] &#8211; (<em>zuletzt besucht am 05. Dezember 2015<\/em>)<\/li>\r\n\t<li>Wikipedia Artikel <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bralin\" target=\"_blank\">Landgemeinde Bralin<\/a> (<em>zuletzt besucht am 05. Dezember 2015<\/em>)<\/li>\r\n<\/ul>\r\n\t\t\t<\/td>\r\n\t\t<\/tr>\r\n\t<\/tbody>\r\n<\/table>\r\n\r\n\r\n&nbsp;\r\n<hr \/>\r\n\r\n&nbsp;\r\n<ul class=\"abstandsliste\" style=\"text-align:left\">\r\n<li><a href=\"?p=52440\">Forschungsgruppe B&ouml;hmische Br&uuml;der<\/a><\/li>\r\n<li><a href=\"?p=18862\">Landkreis Gro&#223; Wartenberg<\/a><\/li>\r\n<li><a href=\"?p=18868\">Landgemeinde Bralin<\/a><\/li>\r\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie sind hier: Start &#187; FST Posen &#187; FGR B\u00f6hmische Br\u00fcder&#187; Gro\u00df Friedrichs-Tabor &nbsp; Postkarte Gro&#223; Friedrichs-Tabor (vor 1914)Quelle: Socium K&#281;pno &nbsp; Als die b&ouml;hmischen Siedler sich um 1749 in der Freien Landesherrschaft Gro&#223; Wartenberg ansiedelten, geschah dies in zwei neuen Orten. Den gr&ouml;&#223;eren nannten Sie &#8222;Tabor&#8223; und den kleineren nannten Sie &#8222;Siska&#8223; nach einem <a href=\"https:\/\/agoff.de\/?p=52597\" class=\"more-link\">\u2026\u00a0<span class=\"screen-reader-text\">  Gemeinde Gro\u00df Friedrichs-Tabor (Tabor Wielki)<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[1689,1701],"tags":[1690,2185],"class_list":["post-52597","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-fgr-boehmische-brueder-titelseite","category-gross-friedrichstabor-gemeinde","tag-boehmische-brueder","tag-gross-friedrichs-tabor"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/agoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/52597","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/agoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/agoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/agoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/agoff.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=52597"}],"version-history":[{"count":20,"href":"https:\/\/agoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/52597\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":92807,"href":"https:\/\/agoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/52597\/revisions\/92807"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/agoff.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=52597"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/agoff.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=52597"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/agoff.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=52597"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}