{"id":87731,"date":"2017-04-13T09:57:07","date_gmt":"2017-04-13T07:57:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.agoff.de\/?p=87731"},"modified":"2023-04-29T19:32:49","modified_gmt":"2023-04-29T17:32:49","slug":"geschichte-der-evangelischen-kirchengemeinde-belchatow","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/agoff.de\/?p=87731","title":{"rendered":"Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde Be\u0142chat\u00f3w"},"content":{"rendered":"<table class=\"Artikelkopf_mit_Siegel\">\r\n<tr>\r\n<td><center><\/center><\/td>\r\n<\/tr>\r\n<\/table>\r\n\r\n\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Rassy Hol., Ka&#322;duny Hol. und Myszaki Hol. im Kreis Petrikau wurden 1795 gegr&uuml;ndet. Als weitere Kolonien in der Be&#322;chatower Gegend kamen hinzu: Huta Poraj, Paw&#322;ow Szkolny und Zwierzyniec. In Be&#322;chatow, das 1728 vom K&ouml;nig August II. das Stadtprivileg erhielt, lie&#223;en sich erst 1804 deutsch-evangelische Tuchmacher u. a. Handwerker nieder. Das gleiche geschah in der unweit von Be&#322;chatow gelegenen Kleinstadt Grocholice. In den Jahren 1824-1830 war eine st&auml;rkere Kolonisation insofern wahrzunehmen, als gerade in dieser Zeit in den Standes&auml;mtern der katholischen Pfarreien zu Petrikau und zu Grocholice die zus&auml;tzlichen Eintragungen von evangelischer Seite h&auml;ufiger vorkommen.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Stanis&#322;aw Kaczkowski, der Erbherr von Be&#322;chatow, bem&uuml;hte sich schon um 1820 \u2014 das erste Kirchensiegel tr&auml;gt dieses Datum \u2014 um die Gr&uuml;ndung einer evangelischen Gemeinde in seiner Stadt. 1825 erinnerte er die Regierungskommission an die unabweisbare Notwendigkeit der Parochialbildung, weil das n&auml;chste lutherische Gotteshaus &uuml;ber 6 Meilen von Be&#322;chatow entfernt war. Von 1828-1832 erbaute der Grundherr die evangelische Kirche mit einem an ihrer Frontseite 100 Fu&#223; hohen Turm. Desgleichen errichtete er im Jahr 1838 ein steinernes Pfarrhaus. Kraft der Fundationsurkunde vom 11.\/23. April 1836 konstituierte Kaczkowski die Kirchengemeinde Be&#322;chatow \u2014 ohne Best&auml;tigung durch das Generalkonsistorium \u2014 und gew&auml;hrte zum Unterhalt des Pastors eine j&auml;hrliche Beihilfe von 45 Rbl, dazu 12 Klaftern Holz f&uuml;r den Prediger j&auml;hrlich und 6 Faden Holz f&uuml;r den Kantor. Au&#223;erdem dotierte er die Pfarrei mit 2 Morgen Land (etwa 2,5 Morgen Pfarrgarten, 0,25 Morgen f&uuml;r die Kirche und die Wirtschaftsgeb&auml;ude sowie 0,25 Morgen Land f&uuml;r den Kantor).<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Evangelischen in und um Be&#322;chatow bedienten anf&auml;nglich die Pfarrer von Petrikau. Die Lutheraner von Kleszcz&#243;w w&uuml;nschten zun&auml;chst keine Vereinigung mit Be&#322;chatow, sondern betrieben die Bildung einer eigenen Gemeinde. Unter der Voraussetzung zweier Predigtgottesdienste im Monat und eines eigenen Standesamtes \u2014 stimmten die Kleszcz&#243;wer einer gemeinsamen Parochie zu. Am 22. Oktober 1837 best&auml;tigte das Generalkonsistorium das Be&#322;chatow-Kleszczower evang.-luth. Kirchspiel. Die Seelenzahl der vereinigten Parochien belief sich auf 4070. Das Gehalt des Pfarrers betrug 2300 Z&#322;. j&auml;hrlich, des Kantors 300 Z&#322;. und des K&uuml;sters 100 Z&#322;. Zehn Jahre sp&auml;ter, im Jahr 1847, verselbst&auml;ndigte sich Kleszczow. 1850 gliederte man die Lutheraner, die vorher der reformierten Gemeinde zu Zelow angeh&ouml;rten, an Be&#322;chatow an. Sie wurden hernach in das Filial Po&#378;dzienice einbezogen. Es wurdeb Kantoratsschulen gegr&uuml;ndet, so 1837 in Huta Poraj und Paw&#322;ow Szkolny, 1842 in Rassy, 1843 in Ka&#322;duny und Myszaki. 1839\/40 wurde in Be&#322;chatow eine evangelische Schule ins Leben zu rufen und mit dem Lehrer Karl Rudolf zu besetzt. Dem zweiten Kantoratslehrer (Gottlieb Puddel, 1839-1847) entzog der Grundherr Kaczkowski die Unterrichtserlaubnis.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Arbeit im armen Kirchspiel, dessen Glieder ziemlich lange sich selbst &uuml;berlassen waren &uuml;berforderte die Kr&auml;fte des Ortspastors, so dass Pastor Lembke 1846 Be&#322;chatow verlie&#223;, weil es ihm kein Gehalt mehr zahlen konnte. Noch im gleichen Jahr kam Pastor Gustav Ludwig Schwarz. Im Jahr 1852 best&auml;tigten die russischen Beh&ouml;rden die Be&#322;chatower evang. Elementarschule und ernannten deren ersten Lehrer Heinrich Karsch. 1865 wurde das alte Kantorhaus ver&auml;u&#223;ert und das Grundst&uuml;ck neben dem Pastorat erworben, auf dem man das neue Kantorhaus erbaute und in ihm die einklassige Elementarschule unterbrachte. 1873 erbaute die Gemeinde auf Pastor Fiedlers Initiative das steinerne Pfarrhaus.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Drei Faktoren beeinflu&#223;ten erheblich die weitere Entwicklung der Parochie: die seit 1870 einsetztende Auswanderung nach Wolhynien, die Pest im gleichen Jahr und die Hungersnot 1872. Die Pest, die 300 Menschen in der Gemeinde dahinraffte und Schrecken in den Kolonien verbreitete, nicht minder aber die Hungersnot, von der insbesondere die auf leichten Sandb&ouml;den ans&auml;ssigen Kolonisten heimgesucht wurden, schufen g&uuml;nstige Voraussetzungen zur Auswanderungsbewegung der Jahre 1870-1875. Ganze Kantorate l&ouml;sten sich auf: Zwierzyniec, Stoki, Wola Mikorska, Janow, Rassy, Kelchenhof. W&auml;hrend es z. B. 1870 noch 190 Taufen gab, sank nach 5 Jahren die Zahl auf 125. Bei diesem Wert, von wenigen Schwankungen abgesehen, stabilisierte sich die Zahl der Taufen. Da&#223; die Auswanderung nicht noch einen gr&ouml;&#223;eren Umfang angenommen hatte, verdankte das Kirchspiel dem Gemeindeglied Karl Schulz aus Ka&#322;duny. Der errichtete eine Tuchfabrik und bot dadurch vielen, insbesondere durch die Heimweberei, von denen etwa 70 % der Eingepfarrten ihre Existenzgrundlage hatten, Arbeit und Verdienstm&ouml;glichkeiten. Im Kirchspiel war Paw&#322;ow das gr&ouml;&#223;te Kantorat und z&auml;hlte 70 deutsch-evangelische Familien, w&auml;hrend 40 Familien der Pfingstgemeinschaft angeh&ouml;rten. Im Ort gab es drei gottesdienstliche St&auml;tten: eine lutherische, einen Br&uuml;dersaal und eine Pfingstlerkapelle. Der fast zehn Jahre in der lutherischen Parochie Be&#322;chatow wirkende Balte Ernst Behse k&auml;mpfte um die Beibehaltung der deutschen Unterrichtssprache in den einklassigen Schulen zu Ka&#322;duny, Myszaki, Paw&#322;ow Szkolny, Paw&#322;&#243;w, in der dreiklassigen Volksschule zu Be&#322;chatow und einklassigen Schule im Filial Po&#378;dzienice. F&uuml;r seine Bestrebungen fand er in der Gemeinde nicht immer Verst&auml;ndnis und Unterst&uuml;tzung. Behses Nachfolger wurde 1924 Pastor Jakob Gerhardt. W&auml;hrend seiner Amtszeit wurde die Kirche von innen und au&#223;en renoviert, der Gesangchor neu belebt, regelm&auml;&#223;ige Kindergottesdienste eingef&uuml;hrt, eine Spar- und Darlehnskasse gegr&uuml;ndet, 1931 das Kantorhaus, das sich die Stadt angeeignet hatte, auf dem Proze&#223;wege zur&uuml;ckgewonnen und 1936 erweitert. Das l00j&auml;hrige Jubil&auml;um ihres Bestehens beging die Parochie am 10. Oktober 1937.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n\r\n<p class=\"quelle\">Quellen:<br>\r\nGerhard, Jakob: 100 Jahre ev.-luth. Gemeinde zu Be&#322;chatow, in Volksfreund-Kalender 1938, S. 122\u2013127<br>\r\nKneifel, Eduard: Geschichte der  Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen, Niedermarschacht &uuml;ber Winsen an der Luhe 1962<br>\r\nKneifel, Eduard: Die Pastoren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen, Eging, Niederbayern 1970<br>\r\nKneifel, Eduard: Die evangelisch-augsburgischen Gemeinden in Polen 1555-1939, Vierkirchen &uuml;ber M&uuml;nchen 1971<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<a href=\"#top\">\r\n<img decoding=\"async\" src=\"wp-content\/pic\/topblue5.gif\" alt=\"nach oben\" \/>\r\n<\/a>\r\n\r\n<hr>\r\n\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p><a href=\"?p=4297\">Evangelische Kirchengemeinde Be&#322;chat&#243;w<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rassy Hol., Ka&#322;duny Hol. und Myszaki Hol. im Kreis Petrikau wurden 1795 gegr&uuml;ndet. 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