{"id":88232,"date":"2017-05-18T23:42:47","date_gmt":"2017-05-18T21:42:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.agoff.de\/?p=88232"},"modified":"2023-01-29T17:35:44","modified_gmt":"2023-01-29T16:35:44","slug":"geschichte-der-evangelischen-kirchengemeinde-wizajny","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/agoff.de\/?p=88232","title":{"rendered":"Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde \u017byrard\u00f3w \/ Wiskitki"},"content":{"rendered":"<table class=\"Artikelkopf_mit_Siegel\">\r\n<tr>\r\n<td><center><\/center><\/td>\r\n<\/tr>\r\n<\/table>\r\n\r\n<h4>Die Gemeinde Wiskitki, sp&auml;ter in &#379;yrard&#243;w<\/h4>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Um das J. 1800 siedelten in und um Wiskitki evangelische Deutsche. Graf Felix von &#321;ubie&#324;ski, der Besitzer der G&uuml;ter Guz&#243;w, gr&uuml;ndete 11 weitere deutsche D&ouml;rfer: Antoniew, Babsche Buden, Biegan&#243;w, Felixdorf, Francisk&#243;w, Heinrichsdorf, Josefhof, Marienfeld, Moritzin, Teklin und Zader-Buden. In der Zeit 1807-1835 etablierten sich die Siedlungen Aleksandria und Benenard. Die Kolonisten stammten vorwiegend aus Westpreu&#223;en, Brandenburg und Schlesien. Sie wurden anfangs von Pfarrer Witthold aus Il&#243;w bedient. Dank der Unterst&uuml;tzung durch den Grafen &#321;ubie&#324;ski organisierte sich im J. 1805 hier die Parochie, deren erster Gottesdienst in einem Betsaal von Pastor Friedrich Ernst Eisenhauer gehalten wurde. Die Zahl der eingepfarrten Familien betrug 180, die sich aber durch die bald ausgebrochenen Kriegswirren um die H&auml;lfte verminderte. Bei der Gemeindebildung dotierte &#321;ubie&#324;ski die Pfarre mit 1,05 Hufen Land, 0,75 Morgen K&uuml;sterland und beabsichtigte neben dem Wohn- und Wirtschaftsgeb&auml;ude auch eine Kirche zu bauen. Au&#223;erdem gab &#321;ubie&#324;ski  in seinem Hause zu Wiskitki einen Raum zum Betsaal sowie noch andere f&uuml;r den Pastor und die Kirchenbediensteten. 1822 brannte das Pfarrhaus ab. Da die Parochie unzul&auml;nglich organisiert war, wechselten nach kurzer T&auml;tigkeit die Pfarrer bis zur Vakanz von 1836-1855 und ihrer Verwaltung von &#321;owicz aus. In dieser Zeit sank Wiskitki zu einem Filial von &#321;owicz herab. Erst mit dem Amtsantritt von Pastor Rudolf Zirkwitz im Jahr 1855 nahm die Gemeinde einen kr&auml;ftigen Aufschwung und wurde wieder selbst&auml;ndig. Von 1855-1857 baute man die steinerne und im schlichten gotischen Stil gehaltene St.-Trinitatis-Kirche. Sie wurde am 12. Oktober 1862 eingeweiht. Noch vorher, und zwar 1860, errichtete man das Pfarrhaus. 1864 bezog das Kirchspiel eine Glocke von der Firma Petersilge in Warschau. Im Jahr 1871 wurde das Filial Karolew an die Gemeinde angegliedert. Die Stadt B&#322;onie bereiste der Pastor von Wiskitki viermal im Jahr. Die Absicht, hier ein Filial einzurichten, lie&#223; sich nicht verwirklichen.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">F&uuml;r die weitere Entwicklung der Parochie war die Entstehung des Fabrikortes &#379;yrard&#243;w von eminenter Bedeutung. Im Jahr 1833 verlegte man die vom franz&ouml;sischen Ingenieur Philipp Girard erfundenen mechanischen Spinnmaschinen aus Marymont bei Warschau nach Guz&#243;w am Fl&uuml;&#223;chen Pissia. Hier kam es zur Gr&uuml;ndung eines neuen Ortes, dem man zu Ehren des Erfinders den Namen &#379;yrard&#243;w gab. Die Fabriksiedlung mit dem Unternehmen wollte trotz der finanziellen Kredithilfe durch die Polnische Bank nicht recht vorankommen. Im Jahr 1856 erwarben die Firma die aus Sch&ouml;nlinde in B&ouml;hmen stammenden deutsch-katholischen Fabrikanten Karl August Dittrich und Eduard Hille. Durch ihre unternehmerische Tatkraft \u2014 Anschaffung der Dampfmaschinen im Jahr 1865 \u2014 und planvolle Leitung entwickelte sich die Fabrik sehr gut und zog auch &uuml;bersch&uuml;ssige Arbeitskr&auml;fte aus den deutschen D&ouml;rfern an sich. Im Jahr 1890 z&auml;hlte man in Zyrard&#243;w bereits 3900 ans&auml;ssige Evangelische, deren kirchliche Versorgung von dem 6 km vom Fabrikort gelegenen Wiskitki als ganz unzureichend und reformbed&uuml;rftig empfunden wurde.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit Pastor Wilhelm Petrus Angersteins Berufung nach Wiskitki 1875 setzte ein neuer Abschnitt in der Entwicklung an. Im Jahr 1877 gr&uuml;ndete er den Kirchenchor, f&uuml;hrte eine strenge Kirchenzucht ein, nahm sich mit Sorgfalt des Konfirmandenunterrichts an und hielt die ersten Missionsfeste in Wiskitki im Raume der augsburgischen Kirche. Seine Arbeit setzte religi&ouml;s und kirchlich Pastor Gustav Gundlach in den Jahren 1889-1898 fort. Er war ma&#223;geblich daran beteiligt, da&#223; in &#038;379;yrard&#243;w eine gotische Kirche \u2014 43 m lang, 18 m breit und 50 m mit dem Turm hoch erbaut wurde. Dittrich, der Mitinhaber des &#379;yrard&#243;wer Unternehmens, spendete allein zum Kirchbau 20.000 Rubel. Ann&auml;hernd 30.000 Rubel setzten sich aus einzelnen Opfergaben zusammen. Am 25. September 1898 wurde die Kirche eingeweiht. Die drei Glocken spendeten die Fabrikbeamten, Arbeiter und Stadtb&uuml;rger. Die Orgel bezog man von der Firma Rieger. Durch den Kirchbau veranla&#223;t, verlegte man das Gemeindezentrum nach &#379;yrard&#243;w.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Zur Zeit von Pastor Hugo Wosch 1898-1918 wurden die Wohnungen f&uuml;r Kantor und K&uuml;ster sowie Konfirmandensaal errichtet. Seit 1898 bestand in Wiskitki ein Greisenheim. Durch die starke Auswanderung nach den USA sank die Zahl der Eingepfarrten. Der russisch-japanische Krieg und die darauf folgende Revolution wirkten sich im Gemeindeleben negativ aus. Im Ersten Weltkrieg 1914-1918 blieben durch Deportation von den ehemals 4500 Gemeindegliedern nur 300 zur&uuml;ck. Das Pfarrhaus wurde durch Kriegshandlungen erheblich besch&auml;digt. In Wiskitki requirierten die deutschen Besatzungsbeh&ouml;rden eine Glocke. Von Warschau aus, wo Pastor Wosch die dortige Gemeinde zeitweilig administrierte und seinen Wohnsitz hatte, verwaltete er auch &#379;yrard&#243;w. 1918 kehrten die nach Ru&#223;land Deportierten zur&uuml;ck. Mit der &Uuml;bernahme des &#379;yrard&#243;wer Unternehmens durch eine franz&ouml;sische Gesellschaft vollzog sich ein Verwaltungs- und Beamtenwechsel. Von 1922-1939 amtierte hier Pfarrer Otto Wittenberg. 1922 organisierte sich die Gesellschaft evang. Jugend; ihr folgten ein Frauenbund, ein gemischter Chor und ein M&auml;nnerchor.<\/p> \r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<h4>Das Filial Karolew<\/h4>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Gutsbesitzer Karl Wohlh&uuml;bner setzte 1825 in Karolew deutsche Kolonisten an. Petrykozy Holl. wurde schon um das Jahr 1800 vom Gute Petrykozy aus gegr&uuml;ndet. Durch neue Ansiedler wurden die D&ouml;rfer Wola Karolewska, Huta J&#243;zewska, Budki Petrykoskie, Nosy Poniatki, Parcele Petrykoskie, Grzegorzewice, Zimnice, Lind&#243;w u. a. verst&auml;rkt. Die Siedlungen J&#243;zef&#243;w und W&#243;lka Zaleska verdankten ihre Entstehung um 1900 der Aufteilung eines Gutes. Im zweiten Jahrzehnt des 19. Jahrh. erbaute man in Karolew eine h&ouml;lzerne Kirche mitsamt einer Schule. Die Kirche wurde dann f&uuml;r Wohnzwecke verkauft und 1893 ein neues gemauertes Gotteshaus erbaut. Fast die H&auml;lfte der Bausumme zur Errichtung der Kirche brachte der Gutsbesitzer von Petrykozy Alexander Stremer selbst auf. Der besa&#223; gro&#223;e, ausgedehnte Baumschulen. U. a. bepflanzte er die Stra&#223;e von Karolew nach Gr&#243;jec mit Obstb&auml;umen. F&uuml;r diesen Pomologen ist bezeichnend, da&#223; er, um die Obstkultur unter der evangelischen Bev&ouml;lkerung zu heben, jedem evangelischen T&auml;ufling 5 Obstb&auml;ume und jedem evang. Brautpaar 10 Obstb&auml;ume geschenkt hat. Alexander Stremer fand seine letzte Ruhe auf dem evang. Friedhof in Karolew.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Evangelischen in und um Karolew bereisten die Pastoren von Il&#243;w, dann die von Rawa Maz. und seit 1871 die von Wiskitki-Zyrard6w. Bis zum Jahr 1835 hatten hier die Evangelischen ihre Kinder in der r&ouml;misch-katholischen Kirche zu Lutk&#243;wka taufen lassen. 1871 schlossen sie sich zum Filial Karolew zusammen. W&auml;hrend des Ersten Weltkrieges wurden die Karolower Kirche und Schule niedergebrannt. Die etwa 700 Filialmitglieder wurden 1915 bis auf 30 mit ihrem Lehrer und Kantor Johann Raths nach Innenru&#223;land deportiert. Im Jahr 1918 kehrten die meisten wieder zur&uuml;ck. Am 25. Januar 1920 starb Lehrer und Kantor Raths, der 50 Jahre in verschiedenen Gemeinden bei Warschau t&auml;tig war. Im Mai 1923 weihte Pastor Wittenberg aus  &#379;yrard&#243;w die neue Kirche ein, die das Filial mit eigenen Mitteln und auch mit Hilfe des Konsistoriums erbaut hatte. Nachstehende Lehrer und Kantoren amtierten in Karolew: Schumann, Kr&uuml;ger, Fandrich, Samuel Friedrich, Johann Raths, Johann Herbstreit, Heberle, Edmund Kugler, 1929-1940 und Kubke (im Zweiten Weltkrieg). Die Schule in Karolew besuchten 1939 120 bis 130 Kinder. Lehrer Kugler entfaltete in Karolew eine positive T&auml;tigkeit. Im September 1939 wurde er mit noch anderen Filialmitgliedern im polnischen KZ Bereza Kartuska interniert. Im Jahr 1944 evakuierten die deutschen Besatzungsbeh&ouml;rden die Filialangeh&ouml;rigen. Die von den evangelischen Deutschen verlassenen H&ouml;fe &uuml;bernahmen katholische Polen. Die Karolewer evangelische Kirche dient jetzt als katholisches Gotteshaus.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n<p class=\"quelle\">Quellen:<br>\r\nKneifel, Eduard: Geschichte der  Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen, Niedermarschacht &uuml;ber Winsen an der Luhe 1962<br>\r\nKneifel, Eduard: Die Pastoren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen, Eging, Niederbayern 1970<br>\r\nKneifel, Eduard: Die evangelisch-augsburgischen Gemeinden in Polen 1555-1939, Vierkirchen &uuml;ber M&uuml;nchen 1971<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<a href=\"#top\">\r\n<img decoding=\"async\" src=\"wp-content\/pic\/topblue5.gif\" alt=\"nach oben\" \/>\r\n<\/a>\r\n\r\n<hr>\r\n\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p><a href=\"?p=88222\">Evangelische Kirchengemeinde &#379;yrard&#243;w<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Gemeinde Wiskitki, sp&auml;ter in &#379;yrard&#243;w Um das J. 1800 siedelten in und um Wiskitki evangelische Deutsche. 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