{"id":91956,"date":"2018-06-10T15:12:22","date_gmt":"2018-06-10T13:12:22","guid":{"rendered":"https:\/\/agoff.de\/?p=91956"},"modified":"2023-03-03T19:11:43","modified_gmt":"2023-03-03T18:11:43","slug":"geschichte-der-russlanddeutschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/agoff.de\/?p=91956","title":{"rendered":"Geschichte der Russlanddeutschen"},"content":{"rendered":"<!-- Seitenkopf -->\r\n<table class=\"table_forschungsgruppe_fuss\" width=\"100%\">\r\n<tr>\r\n<td><a href=\"?p=91956\">Geschichte<\/a><br><a href=\"?p=91965\">Siedlungsgebiete<\/a><\/td>\r\n<td><a href=\"?p=96900\">Personen<\/a><\/td>\r\n<td><a href=\"?p=93660\">Kirchen + Zivilstands\u00e4mter<\/a><\/td>\r\n<td>Archive<\/td>\r\n<td><a href=\"?p=93743\">Hilfsmittel<\/a><\/td>\r\n<\/tr>\r\n<\/table>\r\n\r\n<p style=\"text-align:right\"><!-- Navigation --><br>\r\n<i>Sie sind hier: <a href=\"https:\/\/agoff.de\/\">Start<\/a> &#187; <a href=\"?p=843\">FST Russlanddeutsche<\/a> &#187; Geschichte der Russlanddeutschen<\/i><\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: center\">&nbsp;<\/p>\r\n\r\n<h3 style=\"text-align:left\">Die ersten Siedler ab dem 17. Jahrhundert<\/h3>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die erste deutsche Ansiedlung in Moskau entstand durch deutsche S&ouml;ldner, die bei der Eroberung des Chanats Kasan im Jahr 1552 mitgek&auml;mpft hatten. Dazu kamen Livl&auml;nder, die nach der Einnahme von Dorpat und Narwa 1558 verschleppt worden waren. Anfang des 17. Jahrhunderts war diese Besiedlung untergegangen. Eine deutsche Vorstadtansiedlung begann 1652 und 1665 wohnten dort 304 m&auml;nnliche Einwohner, davon 150 h&ouml;here Offiziere.<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit der Gr&uuml;ndung von St. Petersburg durch Peter I. im Jahr 1703 beginnt die Geschichte dieser Besiedlung. Es wurden Fachkr&auml;fte, insbesondere Handwerker gebraucht und angesiedelt, darunter Uhrmacher, Drucker, Setzer, B&auml;cker, aber auch Hauslehrer. Vier der neun Brauereien waren von Deutschen gegr&uuml;ndet worden. Seit 1727 wurde in der Stadt eine deutschsprachige Zeitung herausgegeben. Die Handwerker organisierten sich im Handwerkerverein &#8222;Die Palme&#8223;. Gleichzeitig kam es zur Ansiedlung Gelehrter. Bei St. Petersburg und Jamburg wurden in je drei D&ouml;rfern Kolonisten auf Apanageland angesiedelt, 1850 waren es 4.000 deutsche Kolonisten, die H&auml;lfte davon im Kreis Oranienbaum.<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"#top\">\r\n<img decoding=\"async\" src=\"wp-content\/pic\/topblue5.gif\" alt=\"nach oben\" \/><\/a><\/p>\r\n\r\n<h3 style=\"text-align:left\">Das Manifest von Katharina II.<\/h3>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Kaiserin Katharina II. verfasste 1762 ein Manifest zur Ansiedlung von Deutschen und begr&uuml;ndete eine Vormundschaftskanzlei f&uuml;r Ausl&auml;nder unter Graf Orlov. Den Ansiedlern wurde Religionsfreiheit und das Recht zum Kirchenbau gew&auml;hrt. Jede Bauernfamilie sollte 30 Desjatinen Land (1,09 ha) erhalten. Die Verwaltung erfolgte durch ein  Vormundschaftskontor in Saratov. Die Anwerbung erfolgte &uuml;ber private Agenturen und wurde 1766 eingestellt, da das Durchgangslager Oranienbaum inzwischen &uuml;berf&uuml;llt war. Bis 1774 waren es 30.623 Personen, zumeist aus Hessen. Mit staatlicher Unterst&uuml;tzung gr&uuml;ndeten 63 Lokatoren 41 Kronsiedlungen mit 25.000 Einwohnern. Erschwert wurde das Ansiedlungswerk am Mangel an Bauern, am Fehlen vieler notwendiger Dinge, Seuchen, Krankheiten und &Uuml;berf&auml;llen. Das Land durfte nur ungeteilt an den j&uuml;ngsten Sohn &uuml;bergeben werden. Nach 1782 wurde allerdings eine Umverteilungsgemeinschaft wie f&uuml;r die russischen Bauern eingef&uuml;hrt. Im Jahr 1808 erfolgte eine Angleichung der Abgaben an russische Bauern, gleichzeitig erfolgte eine gr&ouml;&#223;ere Landzuteilung, die inzwischen das Dreifache der Ursprungszuteilung erreicht hatte. Zwischen 1853 und 1874 wurden s&uuml;d&ouml;stlich von Saratov und n&ouml;rdlich von Samara Mennoniten angesiedelt, die Vorbild f&uuml;r die anderen Siedler sein sollten. Eine Sonderstellung besa&#223; die Musterkolonie Sarepta der Herrnhuter, f&uuml;r die Sonderbedingungen ausgehandelt worden waren. Am 4. Juni 1871 wurde eine allgemeine Verwaltung f&uuml;r die Kolonien an der Wolga und am Schwarzen Meer eingef&uuml;hrt, seit 1874 die Milit&auml;rpflicht und die Verpflichtung, dass Akten und Korrespondenzen in russischer Sprache zu f&uuml;hren seien. Erst nach 1880 wurde das Mehrfeldersystem eingef&uuml;hrt, vorher war es durch Raubbau oft zu Missernten bzw. Ernteausfall gekommen.<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"#top\">\r\n<img decoding=\"async\" src=\"wp-content\/pic\/topblue5.gif\" alt=\"nach oben\" \/><\/a><\/p>\r\n\r\n<h3 style=\"text-align:left\">Die Weiterwanderungen und gesellschaftliche Ver\u00e4nderungen<\/h3>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Kirgisensteppe n&ouml;rdlich von Taschkent entstanden als Tochterkolonien der Wolgadeutschen bis 1860 66 und bis 1902 weitere 15 Tochterkolonien. Nicht weit davon entfernt, im Talas-Tal, 70 km von Aulieata entfernt, gr&uuml;ndeten Chiliasten vier Kolonien. Die ersten mennonitischen Tochterkolonien in Westsibirien, Neu-Samara und Deevka, wurden 1890 in den Gouvernements Samara und Orenburg gegr&uuml;ndet. Im Jahre 1914 existierten 93 mennonitische Kolonien mit 17.500 Deutschen im Slavgorod-Gebiet, der Kulundasteppe. Nach dem Russisch-Japanischen Krieg wanderten viele Wolgadeutsche in die USA aus. Die letzten Kolonien waren jene 17 Tochterkolonien (Berjesowka, Blumenort, Ebenfeld, Eichenfeld, Gnadenfeld, Gr&uuml;nfeld, Halbstadt, Kleefeld, Memritz, New York, Orechow, Osernoje, Pribreshnoje, Reinfeld, Sch&ouml;nsee, Schumanowka, Silberfeld), die Mennoniten aus dem Kreis Slavgorod in den zwanziger Jahren am linken Amurufer gr&uuml;ndeten.<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Ernst Reuter wurde von Lenin 1918 beauftragt die Arbeitskommune des Gebiets der Wolgadeutschen zu organisieren. Von der Hungersnot an der Wolga im Jahre 1921 waren auch die Wolgadeutschen betroffen. Im Jahr 1924 wurde die Autonome Sozialistische Sowjetrepublik der Wolgadeutschen mit einer Fl&auml;che von 25.000 km2 gegr&uuml;ndet. Etwa 2\/3 der Bev&ouml;lkerung waren Deutsche. In den D&ouml;rfern wurden nationale Sowjets mit Deutsch als Amts- und Schulsprache gegr&uuml;ndet. Daneben entstanden nationale Rayons, 1931 waren es 15.<\/p>\r\n\r\n<!-- (Kopie aus Wegweiser) <p style=\"text-align: justify;\">Die Besiedlung von Wolhynien mit Deutschen erfolgte seit den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts, besonders aber nach 1860, als der in den deutschen D&ouml;rfern Mittelpolens und Galiziens vorhandene Boden knapp wurde und zur Ern&auml;hrung der rasch wachsenden Bev&ouml;lkerung nicht mehr ausreichte. Dort suchten die polnischen Gutsherren Ersatz f&uuml;r die 1861 befreiten ukrainischen Leibeigenen. Sie schlossen mit den Einwanderern nach jeweils zw&ouml;lf Jahren erneuerbare Pachtvertr&auml;ge ab. Die D&ouml;rfer hatten eine Gr&ouml;&#223;e von ca. 30 Betrieben. Viele Tochterkolonien wurden wegen des Anerbenbrauches gegr&uuml;ndet. Im Jahre 1887 durften Ausl&auml;nder in Wolhynien kein Land kaufen oder pachten, was zur Abwanderung nach Nordamerika, Brasilien, Sibirien und ins Kurland f&uuml;hrte. Erst kurz vor dem Ersten Weltkrieg kaufte die Mehrzahl der P&auml;chter ihr Land. Ab 1915 durften deutsche Siedler keinen Grund und Boden mehr kaufen. Innerhalb des Grenzstreifens von 100 Werst mussten die Siedler ihr Land und Eigentum innerhalb k&uuml;rzester Zeit (Vieh und Inventar vierzehn Tage; Land zehn bis sechzehn Monate) verkaufen und ins Landesinnere siedeln. Die Mennoniten erkl&auml;rten sich zu Holl&auml;ndern um so den Enteignungsregeln zu entgehen. Ab Mitte der drei&#223;iger Jahre wurden in Wolhynien die Deutschen &auml;hnlich wie zu Beginn des Ersten Weltkrieges aus einem Grenzbereich von 100 km ausgesiedelt. Die Verhaftungswellen von 1936-38 betrafen auch deutsche Vertreter in Parteien und Verwaltungen. Durch die Festlegungen des Hitler-Stalin-Paktes 1939 wurden im Jahre 1940 65.600 Wolhyniendeutsche umgesiedelt, &uuml;berwiegend nach Oberschlesien und in den Warthegau, also z.T. in polnische Territorien, in denen unmittelbar vorher die polnische Bev&ouml;lkerung vertrieben worden war. Dort waren sie am Ende des Krieges von Flucht und Vertreibung mit betroffen.<\/p>-->\r\n\r\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"#top\">\r\n<img decoding=\"async\" src=\"wp-content\/pic\/topblue5.gif\" alt=\"nach oben\" \/><\/a><\/p>\r\n\r\n<h3 style=\"text-align:left\">Besonderheiten in Wolhynien und Kiew<\/h3>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify\">Die Siedlungsgeschichte der Deutschen in Wolhynien und Kiew unterscheidet sich deutlich von den &uuml;brigen russlanddeutschen Regionen. Die Besiedlung wurde nicht staatlich gelenkt. Die Einwanderung geschah von Ort zu Ort zu unterschiedlichen Zeiten und aus wirtschaftlichen oder religi&ouml;sen Beweggr&uuml;nden. Nachdem bereits vor 1800 einzelne Beamte, Lehrer oder Handwerker nach Wolhynien zogen, vollzog sich die Einwanderung der eigentlichen Wolhyniendeutschen, der Kolonistenfamilien in drei Etappen. Mennonitische Bauernfamilien siedelten um 1800 in der Region und zogen bereits wenige Jahrzehnte sp&auml;ter weiter in andere Siedlungsgebiete Russlands.  Im gleichen Zeitraum kamen die sogenannten &#8222;Schlesischen Stabschl&auml;ger&#8223;, eine Gruppe von Waldarbeitern &uuml;berwiegend aus Niederschlesien und Polen, und einzelne Kolonisten gr&ouml;&#223;tenteils aus Pommern nach Wolhynien. Sie gr&uuml;ndeten 1815 die ersten Kolonien Anette und Josefine bei Nowograd-Wolynsk. Sp&auml;ter entstanden einige D&ouml;rfer in der Gegend um Tuczyn und Rozyszcze.<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify\">Nach dem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Novemberaufstand\">Novemberaufstand<\/a> in Polen von 1830\/1831 begann eine gr&ouml;&#223;ere und l&auml;nger andauernde Einwanderung von deutschen Siedlern nach Wolhynien. Laut offiziellen russischen Angaben sind in der Zeit zwischen 1830 und 1860 11.424 Deutsche als Handwerker und Bauern nach Wolhynien eingewandert und haben 140 Siedlungen gegr&uuml;ndet. Bedingt durch die Aufhebung der Leibeigenschaft in Russland im Jahr 1861 und dem polnischen Aufstand zum Jahreswechsel 1863\/1864 (auch <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Januaraufstand\">Januaraufstand<\/a> genannt) erfolgte die Haupteinwanderung deutscher Kolonisten aus &uuml;berwiegend polnischen Gebieten nach Wolhynien. Die Landbesitzer konnten ihre Arbeitskr&auml;fte nicht mehr bezahlen und verpachteten ihre Grundst&uuml;cke an die eingewanderten Siedler. Einzelne Kolonisten hatten die Mittel, Land zu erwerben und es entstanden wenige Eigent&uuml;merkolonien. Im Jahr 1914 lebten etwa 250.000 Deutsche im Gouvernement Wolhynien. (<i>weiterlesen <a href=\"?p=7420\">FST Wolhynien<\/a><\/i>)<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">F&uuml;r die Deutschen in Kiew und Umgebung wurde 1767 inoffiziell ein ev.-luth. Kirchspiel unter Leitung von Pastor Christoph Leberecht Grahl (*1744 &#8224;1799) gegr&uuml;ndet. Der Apotheker Bunge berief zur Erziehung seiner zahlreichen Kinder den Magister Grahl aus Sachsen als Hauslehrer nach Kiew. Im Jahr 1772 wird Grahl als Gemeindepastor von der Gouvernementsverwaltung offiziel anerkannt und 1787 zum Gouvernementsprediger mit Kronsgehalt ernannt. Beamte, Architekten, Milit&auml;rs und deutschst&auml;mmige Adlige aus den umliegenden St&auml;dten geh&ouml;rten in den Anfangsjahren zu den Gemeindemitgliedern. 1794 wurde im Stadtteil Podole die h&ouml;lzerne St. Katharinen-Kirche erbaut und eingeweiht. Bei einem Gro&#223;brand 1811 in Podole wurde auch die Kirche vernichtet. Infolge der Er&ouml;ffnung der Kiewer Universit&auml;t 1834 erhielt auch die Kirchengemeinde Zuwachs. Im Jahr 1852 z&auml;hlte die ev.-luth. Gemeinde in Kiew etwa 800 Gemeindeglieder und eine steinerne Kirche wurde gebaut. F&uuml;r die Betreuung der Lutheraner westlich von Kiew wurde im Jahr 1901 die st&auml;ndige Adjunktur Radomysl begr&uuml;ndet. Im Jahr 1914 gab es ca. 6.000 Kiewer Deutsche. <\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Gouvernement Tschernigow siedelten ab 1766 147 Kolonistenfamilien und gr&uuml;ndeten die Kolonien Belowesch, Rundewiese, Kaltschinowka, Klein-Werder und Gro&#223;-Werder (auch Belowescher Kolonien genannt). Da das Land nicht f&uuml;r den zahlreichen Nachwuchs reichte, zogen um 1831 122 Familien an das Asowsche Meer in die Gegend um Mariupol weiter. <\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"#top\">\r\n<img decoding=\"async\" src=\"wp-content\/pic\/topblue5.gif\" alt=\"nach oben\" \/><\/a><\/p>\r\n\r\n<h3 style=\"text-align:left\">Besiedlung in S\u00fcdrussland<\/h3>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Besiedlung des S&uuml;den Russlands mit Deutschen, die man sp&auml;ter Schwarzmeerdeutsche nannte, begann am Ende des 18. Jahrhunderts. In der Zeit zwischen 1787 und 1796 erfolgte die Einwanderung aus Danzig und dem Danziger Werder in den S&uuml;den Russlands. Es waren zumeist aus Preu&#223;en wegen der dortigen Wehrpflicht ausgewanderte Mennoniten, denen 1787 in einer Gnadenurkunde Privilegien versprochen wurden, die im Jahr 1800 noch einmal bekr&auml;ftigt worden waren. Die Mennoniten siedelten haupts&auml;chlich im Bezirk Chortiza und um Ekaterinoslav. Zu ihnen kamen Danziger Lutheraner und Katholiken, die ebenfalls um Ekaterinoslav siedelten. Alle Kolonisten unterstanden der Sonderverwaltung eines Ausl&auml;nderkontors. In den Jahren 1803\/04 und 1808\/09 kam es zu Einwanderungswellen aus dem S&uuml;dwesten Deutschlands, meist in das Hinterland von Odessa, nach Molo&#269;na und auf die Krim. Etwa 1\/3 der Einwanderer im Jahre 1803 hatte weder Eigenmittel noch Erfahrung mit der Landwirtschaft, deshalb wies Alexander an nur noch t&uuml;chtige Bauern mit entsprechendem Wissen ansiedeln zu lassen. Ein F&uuml;rsorgekommite&#233; f&uuml;r die Kolonien S&uuml;drusslands in Kishinev mit Kontoren in Ekaterinoslav, Odessa und Kishinev k&uuml;mmerte sich um die Siedler. &Auml;hnlich wie bei den Wolgadeutschen waren auch hier die Mennoniten Vorbild, da sie &uuml;ber eine bessere Wirtschaftsweise verf&uuml;gten. Die lutherischen und katholischen Bauern hatten wegen ihrer geringen Erfahrung und schlechten Ausr&uuml;stung anfangs gro&#223;e Probleme, dazu kamen Missernten, Krankheiten und Einquartierungen. Es zeigte sich in der Folge, dass Weizenanbau und Viehzucht eine rentable Wirtschaft garantierten. Der hohe Anteil an Handwerkern f&uuml;hrte zur Gr&uuml;ndung vieler Dampfm&uuml;hlen und Fabriken f&uuml;r landwirtschaftliche Ger&auml;te. Die Firma H&ouml;hn in Odessa wurde die gr&ouml;&#223;te Pflugfabrik Russlands.<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"#top\">\r\n<img decoding=\"async\" src=\"wp-content\/pic\/topblue5.gif\" alt=\"nach oben\" \/><\/a><\/p>\r\n\r\n<h3 style=\"text-align:left\">Die Grenzregion Bessarabien<\/h3>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Bessarabien, das Gebiet zwischen Dnjestr, Donau, Pruth und Schwarzem Meer, wurde 1812 von Russland erobert und in der Folgezeit in das Kolonisationswerk des Zaren einbezogen, der vor allem in den Jahren 1814 bis 1842 versuchte, seine Herrschaft durch die Ansiedlung deutscher Kolonisten zu festigen. Die ersten waren Kolonisten aus dem Herzogtum Warschau, die sich 1813 im S&uuml;den Bessarabiens niederlie&#223;en und die Kolonie Sarata gr&uuml;ndeten. In den folgenden f&uuml;nf Jahren wurden dreizehn Kolonien (z.B. Leipzig, Wittenberg) gegr&uuml;ndet, im Zeitraum 1821-1842 kamen elf weitere dazu. Im Jahre 1848 z&auml;hlte man 220 deutsche D&ouml;rfer S&uuml;drusslands, geh&auml;uft im S&uuml;den Bessarabiens, bei Odessa, Molo\u010dna, n&ouml;rdlich von Mariupol und verstreut auf der Krim. Bis 1890 waren es 362 D&ouml;rfer auf eigenem und 237 auf Pachtland mit einer erhaltenen Fl&auml;che von 656 000 Desjatinen Kronland. Der Landbesitz bei Ekaterinoslav hatte sich verdreifacht, bei \u010cerson und in Taurien verdoppelt, in Bessarabien um 1\/3 zugenommen. Das Ackerland der Bauern wurde entsprechend der G&uuml;teklassen regelm&auml;&#223;ig verlost. 1856 kam Bessarabien an das F&uuml;rstentum Moldau, das aber 1878 in der Berliner Konferenz wieder darauf verzichten musste. Die Deutschen, die nahezu ausschlie&#223;lich Bauern waren, waren 1861 33.000 und 1919 79.000 Personen. In den Jahren 1874 und 1880 kam es haupts&auml;chlich wegen der Einf&uuml;hrung der Wehrpflicht f&uuml;r die Kolonisten zu einer Auswanderung von etwa 15.000 Deutschen in die USA und Kanada. Ende des 19. Jahrhunderts wanderten Siedler weiter in die Dobrudscha, die auf der Berliner Konferenz dem rum&auml;nischen Staat zugesprochen worden war und bisher zum Osmanischen Reich geh&ouml;rte. Nach dem Zusammenbruch des Zarenreiches annektierte Rum&auml;nien 1918 Bessarabien. 1940 wurde es von sowjetischen Truppen besetzt; danach ist die deutsche Bev&ouml;lkerung auf Grund eines deutsch-sowjetischen Abkommens umgesiedelt worden. Die etwa 86.000 Deutschen wurden nach Westpreu&#223;en und in das Wartheland umgesiedelt, auf Hofstellen, von denen unmittelbar vorher die ans&auml;ssige polnische Bev&ouml;lkerung vertrieben worden war. 1941 eroberten zwar rum&auml;nische und deutsche Truppen dieses Gebiet, jedoch nahm es die damalige Sowjetunion 1944 wieder in Besitz. Nach dem Ende des Krieges wurden tausende Bessarabiendeutsche nach Sibirien verschleppt. Im Frieden von Paris vom 10. Februar 1947 best&auml;tigte Rum&auml;nien den Verbleib Bessarabiens bei der Sowjetunion. Heute geh&ouml;rt der &uuml;berwiegende Teil Bessarabiens mit der Hauptstadt Kischineff zur Republik Moldawien, der &auml;u&#223;erste Norden und der S&uuml;dosten zur Republik Ukraine.<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"#top\">\r\n<img decoding=\"async\" src=\"wp-content\/pic\/topblue5.gif\" alt=\"nach oben\" \/><\/a><\/p>\r\n\r\n<h3 style=\"text-align:left\">Die Vielv\u00f6lker-Region Kaukasus<\/h3>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch im Gebiet n&ouml;rdlich und s&uuml;dlich des Kaukasus siedelten im 19. Jahrhundert deutsche Chiliasten aus W&uuml;rttemberg, die auf dem Wege zum Ararat waren. Sie wurden 1817 in sechs Kolonien bei Tiflis und in zwei bei Elisabethpol angesiedelt. In Tiflis selbst bildete sich eine Kolonie deutscher Handwerker. Seit den 1860er Jahren wurden im Gouvernement Stavropol und im Terekgebiet D&ouml;rfer gegr&uuml;ndet. Die Bauern s&uuml;dlich des Kaukasus befassten sich ab der zweiten H&auml;lfte des 19. Jahrhunderts mit Weinbau und gr&uuml;ndeten zu Beginn des 20. Jahrhunderts Genossenschaften zur Herstellung von alkoholfreien Getr&auml;nken, Wein und Wodka. Im neu gegr&uuml;ndeten Staat Aserbaidschan lebten etwa 6.000 Deutsche, die mit Lorenz Kuhn aus Helenendorf einen Abgeordneten im Parlament hatten. Die Deutschen der Kaukasusregion gr&uuml;ndeten einen Transkaukasischen Rat, der die &#8222;Kaukasische Post&#8223; herausgab. Die Weinbauern der Kolonien schlossen sich zur Kooperative &#8222;Konkordia&#8223; zusammen, betrieben eine sehr erfolgreiche Wirtschaft. Allerdings begannen schon 1926 Verhaftungen von f&uuml;hrenden Pers&ouml;nlichkeiten der Konkordia, die 1928 2.100 Mitglieder und 1.800 ha Land hatte und die Erzeugnisse in 160 Gesch&auml;ften innerhalb des europ&auml;ischen Teils der Sowjetunion vertrieb. Die Konkordia wurde 1935 aufgel&ouml;st und viele ihrer Funktion&auml;re verhaftet, weil ihre Aktivit&auml;ten als sch&auml;dlich angesehen wurden. Die deutschen Rayons wurden im M&auml;rz 1939 aufgel&ouml;st und Deutsch als Sprache im Unterricht abgeschafft. Massenverhaftungen setzten sowohl in den Siedlungsgebieten als auch in den Ausbildungsorten ein. So wurden z.B. Deutsche, die sich zur Ausbildung in Baku aufhielten, systematisch verhaftet. In die H&auml;user verhafteter Deutscher in Aserbaidschan zogen Armenier.<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Jahre 1897 gaben 1,97 Millionen Deutsch als Muttersprache an, das waren 1,4% der Bev&ouml;lkerung. Davon lebten 1,19 Millionen im Baltikum, 392.700 an der Wolga, 374.800 am Schwarzen Meer, 171.300 in Wolhynien, 70.300 in St. Petersburg, 61.100 in Transkaukasien, 7.300 im Nordkaukasus und 38.800 im asiatischen Teil. W&auml;hrend des Ersten Weltkrieges wurden Deutsche oft nach Sibirien verbannt. Am 27. Mai 1915 wurden in Moskau 759 deutsche Gesch&auml;fte und Wohnungen gepl&uuml;ndert. Nach der Revolution 1917 wanderten ca. 120.000 Deutsche aus, meist nach Nordamerika. Seit 1930 wurden die f&uuml;hrenden Pers&ouml;nlichkeiten der Leningrader Deutschen in mehreren Verhaftungswellen inhaftiert.<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"#top\">\r\n<img decoding=\"async\" src=\"wp-content\/pic\/topblue5.gif\" alt=\"nach oben\" \/><\/a><\/p>\r\n\r\n<h3 style=\"text-align:left\">Der II. Weltkrieg und die Auswirkungen auf die deutschen Siedler<\/h3>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit Beginn des Krieges Deutschlands gegen die Sowjetunion wurden alle Deutschen deportiert, wobei dies in der Ukraine wegen des schnellen Vorr&uuml;ckens der Front in den Gebieten westlich des Dnjepr nur bei 15% der Bev&ouml;lkerung gelang, in Gebieten &ouml;stlich des Dnjepr bei 64%. Etwa 900.000 Deutsche aus Moskau, Leningrad, der Ukraine und von der Wolga wurden Mitte September 1941 nach Kasachstan und Sibirien deportiert. Die zur&uuml;ckgebliebenen Volksdeutschen in der Ukraine wurden w&auml;hrend der deutschen Besetzung bevorzugt, mussten geringere Steuern zahlen, erhielten h&ouml;here Lebensmittellieferungen usw. Mit dem Zur&uuml;ckweichen der Deutschen flohen 130.000 von ihnen in das Reich und 220.000 in den Warthegau, wurden aber nach Kriegsende wieder in die Sowjetunion zur&uuml;ckgeschickt und erlitten ca. 25% Verluste.<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach dem Besuch von Adenauer 1955 in der Sowjetunion durften die Deutschen Sondersiedlungen verlassen, allerdings nicht in ihre urspr&uuml;nglichen D&ouml;rfer zur&uuml;ck. Durch den Obersten Sowjet wurden sie 1964 rehabilitiert. Im Jahr 1989 lebten 2.035.807 Deutsche in der Sowjetunion, davon 46,9% in Kasachstan, 41,4% in Russland, 4,9% in Kirgisien und je 2% in Tadschikistan und der Ukraine. Im M&auml;rz 1989 gr&uuml;ndete sich die Unionsgesellschaft der Sowjetdeutschen &#8222;Wiedergeburt&#8223;, die sich um die Wiedererrichtung der Wolgarepublik einsetzte. Nach dem Scheitern dieses Projektes und durch die F&ouml;rderung der Bundesrepublik Deutschland setzte eine Auswanderung des gr&ouml;&#223;ten Teils der deutschst&auml;mmigen Bev&ouml;lkerung ein, sodass gegenw&auml;rtig nur noch ein kleiner Teil der Deutschen im Lande verblieben ist.<\/p>\r\n\r\n<p class=\"quelle\">Quellen:<br>\r\nNikolaus Arndt: <i>Die Deutschen in Wolhynien. Ein kulturhistorischer &Uuml;berblick.<\/i> Kraft Verlag, 1994<br>\r\nAndreas R&ouml;sler: <i>AGoFF-Wegweiser f&uuml;r genealogische und historische Forschungen in ehemals deutschen Siedlungsr&auml;umen im &ouml;stlichen Europa.<\/i>, 6. Auflage 2009, Webseite <a href=\"?p=59\">AGoFF-Wegweiser<\/a><br>\r\nDeutsche Wikipedia: verschiedene Artikel verlinkt im Text, gelesen 2018<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"#top\">\r\n<img decoding=\"async\" src=\"wp-content\/pic\/topblue5.gif\" alt=\"nach oben\" \/><\/a><\/p>\r\n\r\n<p>Zur&uuml;ck zu <a href=\"?p=843\">Forschungsstelle Russlanddeutsche<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>GeschichteSiedlungsgebiete Personen Kirchen + Zivilstands\u00e4mter Archive Hilfsmittel Sie sind hier: Start &#187; FST Russlanddeutsche &#187; Geschichte der Russlanddeutschen &nbsp; Die ersten Siedler ab dem 17. Jahrhundert Die erste deutsche Ansiedlung in Moskau entstand durch deutsche S&ouml;ldner, die bei der Eroberung des Chanats Kasan im Jahr 1552 mitgek&auml;mpft hatten. Dazu kamen Livl&auml;nder, die nach der Einnahme <a href=\"https:\/\/agoff.de\/?p=91956\" class=\"more-link\">\u2026\u00a0<span class=\"screen-reader-text\">  Geschichte der Russlanddeutschen<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[87],"tags":[51],"class_list":["post-91956","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-fst-russlanddeutsche","tag-ruslanddeutsche"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/agoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/91956","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/agoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/agoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/agoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/agoff.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=91956"}],"version-history":[{"count":21,"href":"https:\/\/agoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/91956\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":107554,"href":"https:\/\/agoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/91956\/revisions\/107554"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/agoff.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=91956"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/agoff.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=91956"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/agoff.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=91956"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}