{"id":92808,"date":"2018-08-16T09:12:49","date_gmt":"2018-08-16T07:12:49","guid":{"rendered":"https:\/\/agoff.de\/?p=92808"},"modified":"2019-03-10T13:28:40","modified_gmt":"2019-03-10T12:28:40","slug":"evangelisch-lutherische-altlutherische-kirche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/agoff.de\/?p=92808","title":{"rendered":"Evangelisch-lutherische (altlutherische) Kirche"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Nach der allgemeinen Vorstellung gab es im Posener Land die katholische Kirche und die evangelische Kirche; die eine f&uuml;r die Polen, die andere f&uuml;r die Deutschen. Dass es daneben auch eine lutherische Freikirche gab, war weniger bekannt. Die Entstehung dieser Kirche geht nicht zur&uuml;ck auf Luther oder andere Reformatoren, sondern auf die Kabinettsorder des preu&#223;ischen K&ouml;nigs Friedrich Wilhelms III. von 1817. Um das zu verstehen, muss man auf den Ablauf der Reformation in Polen schauen und auf die politischen Entwicklungen. Durch die Teilungen Polens um 1800 kam das Posener Land, in etwa identisch mit dem alten Gro&#223;polen, unter preu&#223;ische Herrschaft. F&uuml;r die Evangelischen war das gut und brachte neue Entfaltungsm&ouml;glichkeiten.<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber dann passierte etwas, was in der Absicht wohl gut war, in der praktischen Durchf&uuml;hrung aber zu vielen Konflikten f&uuml;hrte. Die Hohenzollern, zu denen auch die preu&#223;ischen K&ouml;nige geh&ouml;rten, hatten sich aus politischen Erw&auml;gungen der Reformierten Kirche angeschlossen. Nun waren aber in Brandenburg und der Provinz Posen viele Gemeinden lutherisch. K&ouml;nig Friedrich Wilhelm III. wollte K&ouml;nigshaus, Familie und Volk konfessionell vereinen, eine Union schaffen, hoffend, dass sich die erheblichen Lehrunterschiede der beiden Konfessionen etwa beim Abendmahl und der Vorherbestimmung des Menschen &uuml;berbr&uuml;cken lie&#223;en.<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Gedenken an Luthers Thesenanschlag im Jahr 1517 schien passend, nach 300 Jahren, also 1817 eine Kabinettsorder zu erlassen, die Lutheraner und Reformierte seines Landes zur Vereinigung aufrief. Er wollte dabei die Union niemandem aufzwingen. Eine neue Agende (Gottesdienstordnung) wurde erarbeitet und den Gemeinden zur Annahme vorgelegt. Die preu&#223;ischen Beamten jedoch, die der Auffassung waren, der K&ouml;nig habe als Landesherr das Recht, liturgische Formen einfach anzuordnen, versuchten z. T. gewaltsam die neue Agende einzuf&uuml;hren. Das brachte von verschiedenen Seiten heftigen Widerstand und ab 1822 den sogenannten Agendenstreit.<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Evangelisch-lutherische (altlutherische) Kirche war eine lutherische Kirche altkonfessioneller Pr&auml;gung. Sie hatte sich ab 1830 unter der Bezeichnung &#8222;Evangelisch-Lutherische Kirche in Preu&#223;en&#8223; (sp&auml;ter &#8222;in Alt-Preu&#223;en&#8223;) gebildet. Sie geh&ouml;rt heute zur Selbst&auml;ndigen Evangelisch-Lutherischen Kirche.\r\nIn der altlutherischen Kirche schlossen sich jene lutherischen Gemeinden in Preu&#223;en zu einer vom Landesherrn unabh&auml;ngigen Kirche zusammen, die weder die 1817 erfolgte Union zwischen lutherischen und reformierten Gemeinden noch die Agende des K&ouml;nigs noch den Unionsrevers akzeptierten.<br>\r\nDie an liturgische &#8222;Freiheit&#8223; gew&ouml;hnten rationalistischen Pfarrer wehrten sich gegen eine feste Form der Liturgie. Die Reformierten bem&auml;ngelten, dass in der neuen Agende fast nur lutherische Elemente enthalten seien und die Lutheraner, vor allem in Schlesien, hinterfragten das landesherrliche Kirchenregiment. Der K&ouml;nig war zu Zugest&auml;ndnissen bereit, aber eine gewisse Unzufriedenheit blieb.<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum 300. Jubil&auml;um des Augsburger Bekenntnisses versch&auml;rften sich die Auseinandersetzung 1830 sowohl zwischen dem K&ouml;nig Friedrich Wilhelm III. als auch der neu gegr&uuml;ndeten unierten Evangelischen Kirche in Preu&#223;en. Ein Verbleib der lutherischen Gemeinden innerhalb der evangelischen Unionskirche war den lutherischen Pfarrern mit ihren Kirchengemeinden auf Grund der Betonung und des Alleinstellungsmerkmals der Evangelisch-Lutherischen Bekenntnisschriften nicht m&ouml;glich, so dass unter Billigung der unierten Landeskirche der preu&#223;ische Staat mit harten Verfolgungsma&#223;nahmen gegen die Altlutheraner vorging.<br>\r\nErst 1841 wurde die Evangelisch-lutherische (altlutherische) Kirche  staatlich geduldet und 1845 schlie&#223;lich unter harten Auflagen staatlich anerkannt, so dass sie sich eine eigene kirchliche Ordnung geben konnte. Sie ist damit die &auml;lteste lutherische altkonfessionelle Kirche Deutschlands. Ihre Glieder wurden von Au&#223;enstehenden bald als \u201eAltlutheraner\u201c bezeichnet. Sp&auml;ter geh&ouml;rten ihr auch Gemeinden anderer L&auml;nder Deutschlands an, etwa in Nassau (ab 1852), Baden, Hessen und Hannover. In diesen L&auml;ndern bildeten sich sp&auml;ter zum Teil eigenst&auml;ndige lutherische Kirchen.<br>  \r\nDie Glieder dieser Kirche in der Provinz Posen, meist Altlutheraner genannt, hatten in Prittisch und Meseritz dazu in Posen, Nekla (bei Wreschen), Birnbaum, Neutomischel, Tirschtiegel, D&uuml;rrlettel, Gr&auml;tz, Neu Hopfengarten (bei Neutomischel), Koschanowo und in und um Rogasen und Bromberg ihre Kirchen oder Beth&auml;user (auch Kirchenlokale genannt) und wurden von eigenen Pastoren oder Lektoren betreut.<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Verwaltung der evangelisch-lutherischen Kirche in Preu&#223;en oblag dem Oberkirchenkollegium (&auml;ltere Schreibweise Ober-Kirchen-Collegium; O.K.C.) in Breslau. Von 1883 bis 1945 unterhielt die Kirche ein theologisches Seminar in Breslau. 1930 wurde die Evangelisch-lutherische Kirche in Alt-Preu&#223;en als K&ouml;rperschaft des &ouml;ffentlichen Rechts (Kd&ouml;R) anerkannt.<br>  \r\nDie altlutherischen Gemeinden in den Woidwodschaften Pommerellen und Posen mit etwa 7.000 Mitgliedern bildeten auf einer Synode in Bromberg am 13. Oktober 1920 die Evangelisch-Lutherische Kirche in Polen (Ko&#347;ci&#243;&#322; Ewangelicko-Lutera&#324;ski w Polsce; ab 1926 Evangelisch-Lutherische Kirche in Westpolen\/Ko&#347;ci&#243;&#322; Ewangelicko-Lutera&#324;ski w Polsce Zachodniej in Abgrenzung zur Evangelischen Kirche A.B. in Polen unter der geistlichen Leitung von Superintendent Reinhold B&uuml;ttner, Pastor in Rogasen.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n<a href=\"#top\">\r\n<img decoding=\"async\" src=\"wp-content\/pic\/topblue5.gif\" alt=\"nach oben\" \/>\r\n<\/a>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<h3>Gemeinden und Predigtorte<\/h3>\r\n\r\n<table class=\"tableGliederungDioezese\">\r\n<thead>\r\n     <tr>\r\n     <td colspan=\"3\">Superintendentur Liegnitz<\/td>\r\n     <\/tr>\r\n<\/thead>\r\n<tbody>\r\n       <tr>\r\n      <td><p>Driebitz<\/p><\/td>\r\n      <td><p>Fraustadt<\/p><\/td>\r\n      <td><p>Gostyn<\/p><\/td>\r\n     <\/tr>\r\n\t  <tr>\r\n      <td><p><\/p><\/td>\r\n      <td><p>Polnisch Lissa <\/p><\/td>\r\n      <td><p><\/p><\/td>\r\n     <\/tr>\r\n<\/tbody>\r\n<\/table>\r\n\r\n<a href=\"#top\">\r\n<img decoding=\"async\" src=\"wp-content\/pic\/topblue5.gif\" alt=\"nach oben\" \/>\r\n<\/a>\r\n\r\n<table class=\"tableGliederungDioezese\">\r\n<thead>\r\n     <tr>\r\n     <td colspan=\"3\">Superintendentur Millitsch<\/td>\r\n     <\/tr>\r\n<\/thead>\r\n<tbody>\r\n     <tr>\r\n      <td><p>Alt Tuchorze<\/p><\/td>\r\n      <td><p>Athanasienhof<\/p><\/td>\r\n      <td><p>Birnbaum<\/p><\/td>\r\n     <\/tr>\r\n     <tr>\r\n      <td><p><a href=\"?p=95694\">Budsin<\/a><\/p><\/td>\r\n      <td><p>D&uuml;rrlettel<\/p><\/td>\r\n      <td><p>Gnesen<\/p><\/td>\r\n     <\/tr>\r\n     <tr>\r\n      <td><p>Granowiec<\/p><\/td>\r\n      <td><p>Gr&auml;tz<\/p><\/td>\r\n      <td><p>Grzebienisko<\/p><\/td>\r\n     <\/tr>\r\n\t      <tr>\r\n      <td><p><a href=\"?p=95691\">Lindenwerder<\/a><\/p><\/td>\r\n      <td><p><a href=\"?p=95693\">Margonin<\/a><\/p><\/td>\r\n      <td><p>Meseritz<\/p><\/td>\r\n     <\/tr>\r\n     <tr>\r\n      <td><p>Milostowo<\/p><\/td>\r\n      <td><p>Neu Boruj<\/p><\/td>\r\n      <td><p>Neutomischel<\/p><\/td>\r\n     <\/tr>\r\n     <tr>\r\n      <td><p>Obornik<\/p><\/td>\r\n      <td><p>Pleschen<\/p><\/td>\r\n      <td><p>Posen<\/p><\/td>\r\n     <\/tr>\r\n\t      <tr>\r\n      <td><p>Prittisch<\/p><\/td>\r\n      <td><p><a href=\"?p=93893\">Rogasen<\/a><\/p><\/td>\r\n      <td><p>Romanshof<\/p><\/td>\r\n     <\/tr>\r\n     <tr>\r\n      <td><p>Samter<\/p><\/td>\r\n      <td><p>Schwarzwald <\/p><\/td>\r\n      <td><p>Schwerin a\/W.<\/p><\/td>\r\n     <\/tr>\r\n     <tr>\r\n      <td><p>Tirschtiegel<\/p><\/td>\r\n      <td><p>Wischinhauland<\/p><\/td>\r\n      <td><p>Zamorze<\/p><\/td>\r\n     <\/tr>\r\n<\/tbody>\r\n<\/table>\r\n\r\n<a href=\"#top\">\r\n<img decoding=\"async\" src=\"wp-content\/pic\/topblue5.gif\" alt=\"nach oben\" \/>\r\n<\/a>\r\n\r\n<table class=\"tableGliederungDioezese\">\r\n<thead>\r\n     <tr>\r\n     <td colspan=\"3\">Superintendentur Thorn<\/td>\r\n     <\/tr>\r\n<\/thead>\r\n<tbody>\r\n     <tr>\r\n      <td><p>Argenau<\/p><\/td>\r\n      <td><p>Bromberg<\/p><\/td>\r\n      <td><p>Inowroclaw<\/p><\/td>\r\n     <\/tr>\r\n     <tr>\r\n      <td><p>Labischin<\/p><\/td>\r\n      <td><p>Lobsens<\/p><\/td>\r\n      <td><p>Mieczkowo<\/p><\/td>\r\n     <\/tr>\r\n     <tr>\r\n      <td><p>Nakel<\/p><\/td>\r\n      <td><p>Pakosch<\/p><\/td>\r\n      <td><p>Polichno Hauland <\/p><\/td>\r\n     <\/tr>\r\n     <tr>\r\n      <td><p>Raszewo (?)<\/p><\/td>\r\n      <td><p>Schneidem&uuml;hl<\/p><\/td>\r\n      <td><p>Sipiory<\/p><\/td>\r\n     <\/tr>\r\n\t      <tr>\r\n      <td><p><\/p><\/td>\r\n      <td><p>Wei&#223;enh&ouml;he<\/p><\/td>\r\n      <td><p><\/p><\/td>\r\n     <\/tr>\r\n<\/tbody>\r\n<\/table>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n<a href=\"#top\">\r\n<img decoding=\"async\" src=\"wp-content\/pic\/topblue5.gif\" alt=\"nach oben\" \/>\r\n<\/a>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach Inkrafttreten des Versailler Vertrages mit neuer Grenzziehung zwischen Deutschland und Polen &auml;nderte sich der Zuschnitt der Pfarreien.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n<p class=\"quelle\">Quellen:<\/p>\r\n<ul class=\"abstandsliste\" style=\"text-align:left\">\r\n<li>Kiec, Olgierd: Die evangelischen Kirchen in der Wojewodschaft Posen (Poz&#324;an) 1918 &#8211; 1939, Wiesbaden 1998<\/li>\r\n<li>Launhardt, Dr. Johannes: Altlutheraner im Posener Land; ver&ouml;ffentlicht im Internet, <a href=\"https:\/\/www.heimatkreis-meseritz.de\/4_118.htm\" target=\"_blank\">Teil 1<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.heimatkreis-meseritz.de\/4_119.htm\" target=\"_blank\">Teil 2<\/a> (<em>zuletzt besucht am 31. Juli 2018<\/em>)<\/li>\r\n<li>Gotthold: Ev.-luth. Volkskalender f&uuml;r das Jahr 1883, Hrg. G. Fengler, Cottbus 1883<\/li>\r\n<li>Wikipedia Artikel <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Evangelisch-lutherische_(altlutherische)_Kirche\" target=\"_blank\">Evangelisch-lutherische (altlutherische) Kirche<\/a> (<em>zuletzt besucht am 31. Juli 2018<\/em>)<\/li><\/ul>\r\n\r\n<hr \/>\r\n<p><a href=\"?p=840\">Forschungsstelle Posen<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach der allgemeinen Vorstellung gab es im Posener Land die katholische Kirche und die evangelische Kirche; die eine f&uuml;r die Polen, die andere f&uuml;r die Deutschen. Dass es daneben auch eine lutherische Freikirche gab, war weniger bekannt. Die Entstehung dieser Kirche geht nicht zur&uuml;ck auf Luther oder andere Reformatoren, sondern auf die Kabinettsorder des preu&#223;ischen <a href=\"https:\/\/agoff.de\/?p=92808\" class=\"more-link\">\u2026\u00a0<span class=\"screen-reader-text\">  Evangelisch-lutherische (altlutherische) Kirche<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[86],"tags":[2469,50],"class_list":["post-92808","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-fst-posen","tag-altlutheraner","tag-posen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/agoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/92808","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/agoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/agoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/agoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/agoff.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=92808"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/agoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/92808\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":95699,"href":"https:\/\/agoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/92808\/revisions\/95699"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/agoff.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=92808"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/agoff.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=92808"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/agoff.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=92808"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}