{"id":97597,"date":"2019-12-10T20:21:53","date_gmt":"2019-12-10T19:21:53","guid":{"rendered":"https:\/\/agoff.de\/?p=97597"},"modified":"2024-04-18T09:41:09","modified_gmt":"2024-04-18T07:41:09","slug":"rueckling-auswanderer-einleitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/agoff.de\/?p=97597","title":{"rendered":"Auswanderer aus Brandenburg nach Polen und Russland"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\">17. &#8211; 19. Jahrhundert<\/p>\r\n<h3 style=\"text-align: center;\">Vorwort<\/h3>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Frage nach der Herkunft der deutschen Siedler, die nach Polen und Russland zogen, besch&auml;ftigt verst&auml;ndlicherweise die wissenschaftliche Forschung wie auch die Nachkommen dieser Siedler in starkem Ma&#223;e. Soweit die Kirchenb&uuml;cher in Polen und Russland &uuml;ber die Herkunft Auskunft geben, liegt der Fall verh&auml;ltnism&auml;&#223;ig einfach, wenn auch oft nicht immer zweifelsfrei. Daher haben Familienforscher in Mittelpolen und Russland oft bedauert, dass viele Archive der Herkunftsgebiete in Deutschland noch nicht oder nur teilweise ausgewertet seien. Mit der vorliegenden Publikation soll diesem Missstand wenigstens f&uuml;r die Mark Brandenburg entgegengewirkt werden.<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Zwar wurden durch die Firma Ancestry die im Lesesaal des Brandenburgischen Landeshauptarchivs in Potsdam befindlichen Karteikarten zu den durch die Regierungen zu Potsdam und Frankfurt (Oder) im 19. Jahrhundert erstellten Auswanderungskonsense als Datenbank ver&ouml;ffentlicht,  doch ist mit dieser Indizierung nur teilweise geholfen, denn einerseits betreffen die Konsense nur das 19. Jahrhundert (nach 1815) und andererseits sind die meisten Auswanderer, vor allem aus der Neumark, ohne Konsens &uuml;ber die nahe Grenze nach Polen gegangen.<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Es fehlte bisher eine zusammenfassende Verarbeitung der in verschiedenen Archiven vorhandenen Quellen. Dieser Umstand ist umso f&uuml;hlbarer, als der von Polen und Russland her Forschende in den vielen F&auml;llen einer Herkunft aus Brandenburg nicht wei&#223;, wie er weiterforschen soll: in der Neumark, dem &ouml;stlichen Teil der historischen Mark Brandenburg und gleichzeitig Hauptauswanderungsgebiet, sind in den meisten F&auml;llen keine Kirchenb&uuml;cher erhalten, so dass ein Weiterforschen unm&ouml;glich erscheint.<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Umst&auml;nde haben den Bearbeiter bewogen, die f&uuml;r die Auswanderung aus Brandenburg nach Polen und Russland in Frage kommenden Best&auml;nde m&ouml;glichst vieler Archive im In- und Ausland systematisch durchzuarbeiten. Es war das Ziel, eine Br&uuml;cke vom Auswanderungsziel zur&uuml;ck in die Heimat zu schlagen. Dabei wurden nicht nur Kirchenb&uuml;cher, sondern auch Beh&ouml;rdenakten und Literatur ausgewertet.<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Zuge dieser noch nicht abgeschlossenen Forschungen wurde eine Datenbank erstellt, die eine betr&auml;chtliche Zahl von Auswanderern nennt. Diese ausnahmslos zu erfassen, dazu reichen die vorhandenen Archivalien nicht aus; vollst&auml;ndig werden sie niemals zusammenzubringen sein. So werden auch weiterhin L&uuml;cken in der Kenntnis der Auswanderer dieses Raumes klaffen. Sie werden sich teilweise schlie&#223;en lassen, wenn noch weitere Kirchenb&uuml;cher der Ansiedlungsorte ausgewertet werden. Jedenfalls ist daf&uuml;r gesorgt, dass die Forschung auf diesem Gebiet in absehbarer Zeit nicht zum Abschluss kommen wird.<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Es sei ausdr&uuml;cklich darauf hingewiesen, dass dem Ziel der Arbeit entsprechend lediglich die Br&uuml;cke zwischen Herkunftsort und Auswanderungsziel geschlagen wird. Es wurden in diesem Rahmen nicht alle Vorfahren und Nachkommen der Auswanderer ermittelt. Diese Recherche muss der Familienforscher im Anschluss selbst durchf&uuml;hren.<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Bearbeiter ist dankbar f&uuml;r Erg&auml;nzungen und Korrekturen, denn Fehler sind bei dieser Datenmenge nicht auszuschlie&#223;en.<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Berlin, den 9. Dezember 2019.\tStefan R&uuml;ckling<\/em><\/p>\r\n\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<table class=\"table_forschungsgruppe_kopf\" width=\"100%\">\r\n\t<thead>\r\n\t\t<tr>\r\n\t\t\t<td width=\"50%\"><a href=\"?p=97593\">Zur Datenbank &#8211; Auswanderer aus Brandenburg nach Polen und Russland<\/a><\/td>\r\n\t\t<\/tr>\r\n\t<\/thead>\r\n<\/table>\r\n\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n\r\n<h3 style=\"text-align: center;\">Einleitung<\/h3>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die systematische Durchforstung der einschl&auml;gigen staatlichen und kirchlichen Archive und der Literatur soll eine Dokumentation der Auswanderer erbringen, die vom 17. bis 19. Jahrhundert aus Brandenburg nach Polen und Russland abgewandert sind. Im Einzelnen wird der Rahmen der Untersuchung wie folgt pr&auml;zisiert:<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">1. Der <strong>Auswanderungsraum<\/strong> ist das Gebiet der preu&#223;ischen Provinz Brandenburg in seinen Grenzen von 1815 bis 1938, die sich in zwei Regierungsbezirke mit jeweils mehreren Kreisen gliederte: (<em>Anm: Die zahlreichen Umstrukturierungen der brandenburgischen Kreise im 19. und 20. Jahrhundert k&ouml;nnen hier im Einzelnen nicht wiedergegeben werden. Zur Verwaltungsgeschichte der Provinz Brandenburg im 19. Jahrhundert siehe: Wolfgang Radtke: Brandenburg im 19. Jahrhundert (1815-1914\/18). Die Provinz im Spannungsfeld von Peripherie und Zentrum. Berlin 2016 (Brandenburgische Geschichte in Einzeldarstellungen, Bd. 5; Bibliothek der Brandenburgischen und Preu&#223;ischen Geschichte, Bd. 15). &#8211; Grundri&#223; zur deutschen Verwaltungsgeschichte 1815-1945. Reihe A: Preu&#223;en. Bd. 5: Brandenburg. Bearbeitet von Werner Vogel. Marburg\/Lahn 1975.<\/em>)<\/p> \r\n<h4>Regierungsbezirk Potsdam:<\/h4>\r\n<ul>\r\n<li>Kreis Angerm&uuml;nde: 1817 im Wesentlichen aus dem Stolpirischen Kreis gebildet.<\/li>\r\n<li>Kreis Beeskow-Storkow: Zeitweise von 1815 bis 1836 aufgel&ouml;st (Herrschaft Beeskow zum Kreis L&uuml;bben und Herrschaft Storkow zum Kreis Teltow).<\/li>\r\n<li>Kreis J&uuml;terbog-Luckenwalde: 1817 aus dem Luckenwaldeschen Kreis, dem L&auml;ndchen B&auml;rwalde und einigen bis 1815 s&auml;chsischen Gebieten gebildet.<\/li>\r\n<li>Kreis Niederbarnim.<\/li>\r\n<li>Kreis Oberbarnim.<\/li>\r\n<li>Kreis Osthavelland: 1817 aus der Osth&auml;lfte des Havell&auml;ndischen Kreises und dem gr&ouml;&#223;ten Teil des Glien-L&ouml;wenbergischen Kreises gebildet.<\/li>\r\n<li>Kreis Ostprignitz: 1817 haupts&auml;chlich aus den Kreisen Kyritz, Pritzwalk und Wittstock sowie aus Teilen der Kreise Perleberg und Havelberg gebildet.<\/li>\r\n<li>Kreis Prenzlau: 1817 aus dem Nordteil des Uckerm&auml;rkischen Kreises gebildet.<\/li>\r\n<li>Kreis Ruppin.<\/li>\r\n<li>Kreis Teltow.<\/li>\r\n<li>Kreis Templin: 1817 aus der Westh&auml;lfte des Uckerm&auml;rkischen Kreises und einem Teil des Glien-L&ouml;wenbergischen Kreises gebildet.<\/li>\r\n<li>Kreis Westhavelland: 1817 aus der Westh&auml;lfte des Havell&auml;ndischen Kreises gebildet.<\/li>\r\n<li>Kreis Westprignitz: 1817 aus den Kreisen Lenzen und Plattenburg sowie aus dem gr&ouml;&#223;ten Teil des Kreisen Perleberg und einem Teil des Kreises Havelberg gebildet.<\/li>\r\n<li>Kreis Zauch-Belzig: 1817 aus dem Zauchischen Kreis und dem bis 1815 s&auml;chsischen Amt Belzig gebildet.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<br>\r\n<h4>Regierungsbezirk Frankfurt (Oder):<\/h4>\r\n<ul>\r\n<li>Kreis Calau: 1815 von Sachsen an Preu&#223;en abgetreten und 1816 durch die Eingliederung des bis dahin s&auml;chsischen Amts Senftenberg vergr&ouml;&#223;ert.<\/li>\r\n<li>Kreis Cottbus: 1816 aus den Herrschaften Cottbus und Peitz gebildet.<\/li>\r\n<li>Kreis Crossen (Oder).<\/li>\r\n<li>Kreis Guben: 1816 haupts&auml;chlich aus dem Nordtteil des bis 1815 s&auml;chsischen Gubenischen Kreis, der Standesherrschaft Amtitz, dem Ordensamt Schenkendorf und der Stiftsherrschaft Neuzelle gebildet.<\/li>\r\n<li>Kreis K&ouml;nigsberg (Neumark): Die S&uuml;dh&auml;lfte bildete zeitweise von 1816 bis 1836 den eigenst&auml;ndigen Kreis C&uuml;strin.<\/li>\r\n<li>Kreis Landsberg (Warthe).<\/li>\r\n<li>Kreis Lebus: Die Nordh&auml;lfte kam 1816 zum neu gebildeten Kreis C&uuml;strin, der 1836 wieder aufgel&ouml;st wurde; die Stadt Frankfurt (Oder) mit den umliegenden D&ouml;rfern bildete von 1816 bis 1827 eigenen eigenst&auml;ndigen Kreis.<\/li>\r\n<li>Kreis Luckau: 1815 von Sachsen an Preu&#223;en abgetreten und 1816 durch die Eingliederung des bis dahin s&auml;chsischen Amts Finsterwalde vergr&ouml;&#223;ert.<\/li>\r\n<li>Kreis L&uuml;bben: 1815 von Sachsen an Preu&#223;en abgetreten und 1816 durch die Eingliederung der Herrschaft Beeskow vergr&ouml;&#223;ert.<\/li>\r\n<li>Kreis Soldin.<\/li>\r\n<li>Kreis Sorau: 1816 aus dem Gubener Kreis herausgel&ouml;st, umfasste die Herrschaften Sorau-Triebel und Forst-Pf&ouml;rten.<\/li>\r\n<li>Kreis Spremberg: Das Amt Spremberg, die Herrschaft Hoyerswerda und ein Teil des Bautzener Kreises, alle 1815 von Sachsen an Preu&#223;en abgetreten, wurden 1816 zum Kreis Spremberg-Hoyerswerda zusammengefasst. Bereits 1825 wurde dieser wieder aufgel&ouml;st: Aus dem S&uuml;dteil wurde der neue Kreis Hoyerswerda gebildet und dieser dem Regierungsbezirk Liegnitz in der Provinz Schlesien zugeordnet. Der Nordteil verblieb als Kreis Spremberg im Regierungsbezirk Frankfurt der Provinz Brandenburg.<\/li>\r\n<li>Kreis Sternberg: 1873 in die Kreise Oststernberg und Weststernberg geteilt.<\/li>\r\n<li>Kreis Z&uuml;llichau-Schwiebus: 1816 aus dem Z&uuml;llichauer Kreis und dem Kreis Schwiebus, der bis dahin zu Schlesien geh&ouml;rte, gebildet.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<br>\r\n<h4>Zus&auml;tzlich sind bis 1815 Auswanderungen aus folgenden ehemals brandenburgischen Kreisen erfasst:<\/h4>\r\n<ul>\r\n<li>Kreis Dramburg, geh&ouml;rte ab 1816 zu Pommern.<\/li>\r\n<li>Kreis Schivelbein, geh&ouml;rte ab 1816 zu Pommern.<\/li>\r\n<li>Stadt Rothenburg (Oder), geh&ouml;rte ab 1816 zu Schlesien.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<br>\r\n<h4>Erst ab 1815 sind Auswanderungen aus folgenden Kreisen erfasst:<\/h4>\r\n<ul>\r\n<li>Kreise Calau, Cottbus, Guben, Luckau, L&uuml;bben, Sorau, Spremberg, alle bis 1815 zum Markgraftum Niederlausitz geh&ouml;rig, das in Personalunion mit Sachsen verbunden war.<\/li>\r\n<li>Kreis Schwiebus, geh&ouml;rte vor 1816 zu Schlesien.<\/li>\r\n<\/ul>\r\n<br>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht enthalten ist die Altmark, die zwar bis 1815 einen Teil der Mark Brandenburg bildete, doch w&auml;ren intensive Studien in den Best&auml;nden des Landesarchivs Sachsen-Anhalt, Abteilung Magdeburg, und des Archivs der Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen in Magdeburg n&ouml;tig gewesen, was den Umfang der Recherchen erheblich erh&ouml;ht h&auml;tte und in Anbetracht der zu erwartenden geringen Anzahl der Auswanderer nach Polen und Russland unverh&auml;ltnism&auml;&#223;ig gewesen w&auml;re. Ebenso unber&uuml;cksichtigt ist die Grenzmark Posen-Westpreu&#223;en, die erst 1938 teilweise der Provinz Brandenburg zugeschlagen wurde.<\/p>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Auswanderer wurden Personen nur dann definiert, wenn sie das preu&#223;ische Staatsgebiet tats&auml;chlich verlassen haben. So wurde ein Wegzug in die preu&#223;ischen Provinzen Westpreu&#223;en und Posen ab 1772 bzw. 1794 nicht erfasst, vor diesen Zeitpunkten, d. h. vor der preu&#223;ischen Inbesitznahme, jedoch schon. Bei Abg&auml;ngen in die grenznahen Kreise Polens (Deutsch Krone, Meseritz, Schwerin\/Warthe) wird man im 17. und 18. Jahrhundert freilich nicht von einer &#8222;Auswanderung&#8223; im staatsrechtlichen Sinne, sondern lediglich von einer &#8222;Abwanderung&#8223; sprechen k&ouml;nnen. Ber&uuml;cksichtigt wurden solche F&auml;lle dennoch, da das brandenburgisch-preu&#223;ische Staatsgebiet verlassen wurde.<\/p> \r\n<p style=\"text-align: justify;\">2. Es wurden in den Quellen alle Personen mit dem <strong>Auswanderungsziel<\/strong> Polen oder Russland aufgenommen. Der Begriff Polen ist im Laufe der Geschichte vielen Wandlungen unterlegen. Zur polnischen Adelsrepublik geh&ouml;rten u. a. die sp&auml;teren preu&#223;ischen Provinzen Westpreu&#223;en (vor 1772) und Posen (vor 1794) sowie Danzig mit Umland (vor 1794), weshalb auch Auswanderungen in diese Gebiete ber&uuml;cksichtigt wurden, ebenfalls Emigrationen ins Herzogtum Warschau (1807-1815) und selbstverst&auml;ndlich in das mit dem Russischen Reich in Personalunion stehende K&ouml;nigreich Polen (1815 errichtet). Als Sonderfall wurden auch Umz&uuml;ge in die preu&#223;ischen Provinzen S&uuml;dpreu&#223;en und Neuostpreu&#223;en erfasst, da diese nur kurz (1793\/95-1807) bestanden und dann wieder unter polnische Herrschaft gerieten. Zum Russischen Reich geh&ouml;rten im 19. Jahrhundert neben Russland auch die heutigen Staaten Polen, Litauen, die Ukraine und Wei&#223;russland sowie der Kaukasus. Eine Ausnahme bilden die baltischen Staaten Estland und Lettland, die zwar zum Zarenreich geh&ouml;rten, doch ist die Geschichte der Deutschbalten nicht mit denjenigen Deutschen im &uuml;brigen Russischen Reich vergleichbar. Die Deutschbalten wanderten bereits im Mittelalter ein und bildeten die soziale Oberschicht im Baltikum, w&auml;hrend die zweite Gruppe &uuml;berwiegend als Kolonisten und Kleinbauern verst&auml;rkt seit dem 18. Jahrhundert ins Russische Reich einwanderten.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">3. Der <strong>zeitliche Rahmen<\/strong> erstreckt sich quellenbedingt vom 16. Jahrhundert bis zur deutschen Reichsgr&uuml;ndung (1871), wobei der Schwerpunkt auf dem 18. und 19. Jahrhundert liegt. Sp&auml;testens zum Zeitpunkt der Reichsgr&uuml;ndung waren die Auswanderungsziele Polen und Russland zugunsten Amerika und Australien abgel&ouml;st worden.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">4. Die genauen <strong>Quellenangaben<\/strong> werden in den Fu&#223;noten zitiert; diese entstammen den systematisch durchforsteten staatlichen und kirchlichen Archiven sowie der Literatur, soweit greifbar. Geburts-, Heirats- und Sterbedaten wurden in der Regel den jeweiligen Kirchenb&uuml;chern entnommen, was nicht jedes Mal eigens zitiert wird \u2013 nur wenn solche Daten in anderen Quellen gefunden wurden, ist dieses in den Fu&#223;noten vermerkt.<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Dokumenation der Auswanderer wird zweckm&auml;&#223;ig eine &Uuml;bersicht der verschiedenen Auswanderungsbewegungen aus Brandenburg nach Polen und Russland vorangestellt (Kapitel 1). Ihr folgt eine Darstellung, welches Schriftgut die Emigranten in der Heimat ausgel&ouml;st haben (Kapitel 2). Dann wenden wir uns den Quellen in den Zielgebieten zu (Kapitel 3). Das Ergebnis schl&auml;gt sich nieder in einer Dokumentation der archivalisch erfassbaren Auswanderer in Form von Regesten, deren Methodik und Reihung er&ouml;rtert ist; sie sind nach Familiennamen laut-alphabetisch geordnet (Kapitel 4). Erschlossen wird die Untersuchung durch ein Verzeichnis der Familien- und Ortsnamen (Kapitel 5).<\/p>\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n    <h4>Kapitel 1 Die Auswanderungsbewegungen<\/h4>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Grunds&auml;tzlich l&auml;sst sich die Ab- bzw. Auswanderung aus Brandenburg nach Polen und Russland in mehrere Phasen, die sich zeitlich und kausal voneinander unterscheiden, einteilen:<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">1. Einzelne Personen (Akademiker, Handwerker, Kaufleute, Milit&auml;rs) sind zu jeder Zeit nach Osten gezogen. Dies trifft insbesondere f&uuml;r typische Wanderberufe wie Glasmacher und Papierm&uuml;ller zu.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">2. In den brandenburgisch-polnischen Grenzregionen hat es immer gegenseitige Kontakte und Wanderungsbewegungen in beide Richtungen gegeben.<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">3. Flucht von brandenburgischen Untertanen aus der Erbuntert&auml;nigkeit nach Polen, 17.\/18. Jahrhundert<br> \r\nLiteraturhinweise:<\/p>\r\n    <ul>\r\n\t<li>Schmidt, Erich: Geschichte des Deutschtums im Lande Posen unter polnischer Herrschaft. Bromberg 1904 (zur Abwanderung aus der Neumark: Seite 325-336)<\/li>\r\n    <li>Motsch, Christoph: Grenzgesellschaft und fr&uuml;hmoderner Staat. Die Starostei Draheim zwischen Hinterpommern, der Neumark und Gro&#223;polen (1575-1805). G&ouml;ttingen 2001 (Ver&ouml;ffentlichungen des Max-Planck-Insitituts f&uuml;r Geschichte, Bd. 164) (zum Entweichen leibeigener Untertanen von Pommern nach Polen: Seite 410-424)<\/li>\r\n    <li>Gawlitta, Severin: Zwischen Einladung und Ausweisung. Deutsche b&auml;uerliche Siedler im K&ouml;nigreich Polen 1815-1915. Marburg an der Lahn 2009 (Materialien und Studien zur Ostmitteleuropa-Forschung, Bd. 20) (zur Einwanderung in die polnische Adelsrepublik: Seite 14-27)<\/li>\r\n    <li>Kaak, Heinrich: Eigenwillige Bauern, ehrgeizige Amtm&auml;nner, distanzierte f&uuml;rstliche Dorfherren. Vermittelte Herrschaft im brandenburgischen Alt-Quilitz im 17. und 18. Jahrhundert. Berlin 2010 (Ver&ouml;ffentlichungen des brandenburgischen Landeshauptarchivs, Bd. 58) (zum allgemeinen Ph&auml;nomen der Untertanenflucht [nicht speziell nach Polen]: Seite 332)<\/li>\r\n    <li>Kaak, Heinrich: Kooperative Gutsherrschaft und Agrarinnovationen in Preu&#223;en \u2013 der Johanniterorden auf seinen neum&auml;rkischen &Auml;mtern 1750-1811. Berlin 2012 (Bibliothek der Brandenburgischen und Preu&#223;ischen Geschichte, Bd. 13) (zur Abwanderung von Kolonisten aus dem Warthebruch nach Polen: Seite 303-309)<\/li><\/ul>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">4. Anwerbung von Kolonisten in S&uuml;dpreu&#223;en und Neuostpreu&#223;en, 1793-1807<br>\r\nLiteraturhinweise:<\/p>\r\n    <ul>\r\n    <li>M&uuml;ller, August: Die preu&#223;ische Kolonisation in Nordpolen und Litauen (1795-1807). Berlin 1928 (Studien zur Geschichte der Wirtschaft und Geisteskultur, Bd. IV)<\/li>\r\n    <li>Simsch, Adelheid: Die Wirtschaftspolitik des preu&#223;ischen Staates in der Provinz S&uuml;dpreu&#223;en 1793-1806\/07. Berlin 1983 (Schriften zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Bd. 33) (zur preu&#223;ischen Peuplierungspolitik in S&uuml;dpreu&#223;en: Seite 213 ff)<\/li>\r\n    <li>Gawlitta, Severin: Zwischen Einladung und Ausweisung. Deutsche b&auml;uerliche Siedler im K&ouml;nigreich Polen 1815-1915. Marburg an der Lahn 2009 (Materialien und Studien zur Ostmitteleuropa-Forschung, Bd. 20) (zur preu&#223;ischen Kolonisation in den polnischen Teilungsgebieten: Seite 27-30)<\/li><\/ul>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">5. Auswanderung ins Gro&#223;erzogtum Warschau, 1807-1815<br>\r\nLiteraturhinweis:<\/p>\r\n    <ul>\r\n    <li>Gawlitta, Severin: Zwischen Einladung und Ausweisung. Deutsche b&auml;uerliche Siedler im K&ouml;nigreich Polen 1815-1915. Marburg an der Lahn 2009 (Materialien und Studien zur Ostmitteleuropa-Forschung, Bd. 20) (zur Kolonisationspolitik im Herzogtum Warschau: Seite 30-37)<\/li><\/ul>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">6. Auswanderung von l&auml;ndlichen Einliegern ins K&ouml;nigreich Polen, 1815-1820<br>\r\nLiteraturhinweise:<\/p>\r\n    <ul>\r\n    <li>M&uuml;hle, Rainer: Zum historischen Hintergrund von ostelbischen Migrationsbewegungen im 19. Jahrhundert. In: Jahrbuch f&uuml;r Wirtschaftsgeschichte 1992\/2. Berlin 1993, S. 29-61 (behandelt die Auswanderung aus Prignitz-Ruppin nach &#8222;Kongre&#223;polen&#8223;, 1817-1819)<\/li>\r\n    <li>Reich, Uwe: Zur Sozialgeschichte der Auswanderung aus dem Regierungsbezirk Frankfurt\/Oder im 19. Jahrhundert. In: Jahrbuch f&uuml;r Wirtschaftsgeschichte 1992\/2. Berlin 1992\/2, S. 97-127 (behandelt die Auswanderung aus der Neumark nach &#8222;Kongre&#223;polen&#8223;, 1815-1820)<\/li>\r\n    <li>Gawlitta, Severin: Zwischen Einladung und Ausweisung. Deutsche b&auml;uerliche Siedler im K&ouml;nigreich Polen 1815-1915. Marburg an der Lahn 2009 (Materialien und Studien zur Ostmitteleuropa-Forschung, Bd. 20)<\/li><\/ul>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">7. Auswanderung von Tuchmachern, haupts&auml;chlich aus Z&uuml;llichau und Umgebung, ins K&ouml;nigreich Polen, 1821-1830<br>\r\nLiteraturhinweis:<\/p>\r\n    <ul>\r\n    <li>Reich, Uwe: Zur Sozialgeschichte der Auswanderung aus dem Regierungsbezirk Frankfurt\/Oder im 19. Jahrhundert. In: Jahrbuch f&uuml;r Wirtschaftsgeschichte 1992\/2. Berlin 1992\/2, S. 97-127<\/li><\/ul>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">8. Weiterwanderung von Kolonisten aus Mittelpolen nach Bessarabien, 1814<br>\r\nLiteraturhinweis:<\/p>\r\n    <ul>\r\n    <li>Schmidt, Ute: Bessarabien. Deutsche Kolonisten am Schwarzen Meer. Deutsches Kulturforum &Ouml;stliches Europa. Potsdam 2008<\/li><\/ul>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">9. Weiterwanderung von Tuchmachern aus Mittelpolen nach Russland nach dem gescheiterten Novemberaufstand von 1830\/31<\/p>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">10. Auswanderung der Mennoniten aus der Neumark nach Russland, 1833-1835<br>\r\nLiteraturhinweis:<\/p>\r\n    <ul>\r\n    <li>Goertz, Adalbert: Mennoniten im Neum&auml;rkischen Amt Driesen, Brandenburg. In: Ostdeutsche Familienkunde, Bd. 14 (1995-1997), S. 277-283<\/li><\/ul>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">11. Weiterwanderung von Kolonisten aus Mittelpolen in die russischen Gouvernements Lublin und Wolhynien nach dem gescheiterten Januaraufstand von 1863\/74<br>\r\nLiteraturhinweis:<\/p>\r\n    <ul>\r\n    <li>Arndt, Nikolaus: Die Deutschen in Wolhynien. Ein kulturhistorischer &Uuml;berblick. W&uuml;rzburg 1994<\/li>\r\n    <li>Gawlitta, Severin: Zwischen Einladung und Ausweisung. Deutsche b&auml;uerliche Siedler im K&ouml;nigreich Polen 1815-1915. Marburg an der Lahn 2009 (Materialien und Studien zur Ostmitteleuropa-Forschung, Bd. 20), S. 62-64<\/li><\/ul>\r\n<p style=\"text-align: justify;\">12. Anwerbung von Arbeitern f&uuml;r den Bau der Eisenbahn in Litauen als Teilstrecke der Petersburger-Warschauer Eisenbahn, 1860\/61<br>\r\nLiteraturhinweis:<\/p>\r\n    <ul>\r\n    <li>Angermann, Norbert: Die Deutschen in Litauen. Ein geschichtlicher &Uuml;berblick. L&uuml;neberg 1996 (Institut Norddeutsches Kulturwerk) (Enth&auml;lt auf S. 22 kurze Erw&auml;hnung des Eisenbahnbaus in Litauen)<\/li><\/ul>\r\n\r\n<p style=\"text-align: justify;\">Die genannten Literaturhinweise m&ouml;gen eine erste Orientierungshilfe sein, sind aber nat&uuml;rlich keineswegs vollst&auml;ndig. Das Ziel der vorliegenden Darstellung ist nicht, die verschiedenen Wanderungsbewegungen zu analysieren, sondern es soll vielmehr gen&uuml;gend &#8222;Datenmaterial&#8223; geliefert werden, um zuk&uuml;nftige Untersuchungen zu diesem Thema zu erleichtern.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n\r\n<table class=\"table_forschungsgruppe_kopf\" width=\"100%\">\r\n\t<thead>\r\n\t\t<tr>\r\n\t\t\t<td width=\"50%\"><a href=\"wp-content\/uploads\/fst_neumark\/2020-06-14-q_u_l_rueckling_auswanderer.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Quellen- und Literaturverzeichnis<\/a><br>(PDF 285 KB)<\/td>\r\n\t<\/thead>\r\n<\/table>\r\n\r\n<p>&nbsp;<\/p>\r\n<hr \/>\r\n\r\n<p><a href=\"?p=90327\">Forschungsstelle Neumark (Ostbrandenburg) \u2013 Sammlung von Personendaten<\/a><br>\r\n<a href=\"?p=627\">Forschungsstelle Neumark (Ostbrandenurg)<\/a><br>\r\n<a href=\"?p=168\">Projekte\/Datenbanken<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>17. &#8211; 19. Jahrhundert Vorwort Die Frage nach der Herkunft der deutschen Siedler, die nach Polen und Russland zogen, besch&auml;ftigt verst&auml;ndlicherweise die wissenschaftliche Forschung wie auch die Nachkommen dieser Siedler in starkem Ma&#223;e. Soweit die Kirchenb&uuml;cher in Polen und Russland &uuml;ber die Herkunft Auskunft geben, liegt der Fall verh&auml;ltnism&auml;&#223;ig einfach, wenn auch oft nicht immer <a href=\"https:\/\/agoff.de\/?p=97597\" class=\"more-link\">\u2026\u00a0<span class=\"screen-reader-text\">  Auswanderer aus Brandenburg nach Polen und Russland<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[],"tags":[],"class_list":["post-97597","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/agoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/97597","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/agoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/agoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/agoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/agoff.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=97597"}],"version-history":[{"count":20,"href":"https:\/\/agoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/97597\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":110912,"href":"https:\/\/agoff.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/97597\/revisions\/110912"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/agoff.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=97597"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/agoff.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=97597"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/agoff.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=97597"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}