Geschichte des Sensburger Gebietes

Wildnis
 
Die Große Wildnis
Quelle: Heinrich Harmjanz:
Ostpreußische Bauern
Volkstum und Geschichte, 1938, S. 46/47
 

Lange Zeit war die „Große Wildnis“ am Rande des Ordensstaates nur dünn besiedelt. So leer, wie man vermuten möchte, war die „Wildnis“ allerdings nicht. Schon frühzeitig, in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts, legten Deutschordensritter hier im alten Gallinden feste Stützpunkte an, sogenannte Wildhäuser, die ständig vermehrt wurden. Man muß sie sich als ursprünglich ziemlich einfache, befestigte Blockhäuser vorstellen, die dem Orden als Vorpostenstellungen zur Beobachtung der Wildnis dienten, aber auch als Vorratslager und Rückhalt für die in der näheren und weiteren Umgebung tätigen Fischer und Jäger, die hier ihre Erträge an Fischen, Honig, Wachs, Wildbret, Häuten und Fellen absetzen und dafür Proviant und sonstigen Bedarf eintauschen konnten. Solche Wildhäuser, oft auch Jagdbuden genannt, wurden im alten Gallinden – später Teil Masurens – bereits im 14. Jahrhundert gegründet, um 1350 auch in Ortelsburg und Willenberg. Doch auch Angerburg, Insterburg, Rastenburg, Johannisburg, Neidenburg, Seehesten, Rhein und Lyck hatten in solchen burgartig ausgebauten „Wildhäusern“ des Deutschen Ordens ihren Ursprung. Diese Wildhäuser und Jagdbuden hatten für den Orden und die landesherrliche Versorgung einen wichtigen Stellenwert. Was man – etwa beim Wildbret – nicht sofort verzehren konnte, das wurde in Fässern eingepökelt, gedärrt, geräuchert oder sonst wie haltbar gemacht. Das hatte für die Proviantierung der zahlreichen Ordenshäuser eine erhebliche Bedeutung.

Die Verwaltung des Ordensstaat gründete sich auf Komtureien, die in Kammerämter unterteilt waren. Eines davon entstand Mitte des 14. Jahrhunderts in Seehesten (Szestno), wo der Amtshauptmann residierte. 1723 wurden die „Kriegs- und Domänenkammern“ in Ostpreußen im Zuge einer Verwaltungsreform eingerichtet, darunter auch die Kammer in Gumbinnen, zu der der Kreis Seehesten gehörte. An die Stelle der Amtshauptleute traten ernannte Landräte.

Die ersten Gründungen waren Freidörfer mit kulmischem Recht – 1367 Rauwewang (Rudwangen) mit drei Verschreibungen je 11 Hufen), 1371 Langenbrück mit zunächst einer Verschreibung zu 10 Hufen und 1373 Weißenburg mit fünf Verschreibungen zu je 10 Hufen. Weißenburg wuchs bis zum Anfang des 17. Jahrhunderts bis auf 105 Hufen und war das größte Freidorf im Amt. Die Grundstücke dieser Freidörfer wurden in der Regel an mehrere Verwandte verliehen und wurden im Laufe der Zeit unter ihnen aufgeteilt. Die übrigen Dörfer wurden als Zins- oder Bauerndörfer gegründet mit einem Lokator als Erbschulz mit Freihufen und Bauern, die meist 2 Zinshufen erhielten.

1348 – Am östlichen Rand des Junosees (jez. Juno) errichtete man 1348 eine Ordensburg (Seesten) 1348 – Gleichzeitig wurde am Schoßsee (jezioro Czos) eine kleine Burg, wohl ein Wildhaus, angelegt (Sensburg). Diese Wehranlage des Ordens verschwand allerdings sehr schnell wieder, weil man der Burg in Seehesten/Seesten den Vorzug gab, aber sie bildete dennoch den Ausgangspunkt für eine Siedlung. Erstmals erwähnt wurde die Siedlung unter Hochmeister Konrad von Jungingen 1397. Sie erhielt die Handfeste zwischen 1404 und 1409, bestätigt 1444. 1350 – Die Litauer zerstörten die Seester Ordensburg 1367 – Burg Seesten (Seehesten) nach Zerstörung neu erbaut 1367 – Freidorf Rudewang (Rudwangen) gegründet. 1371 – Langenbrück wird gegründet. 1371 – stürmen Litauer das Haus Seehesten, verbrennen die Vorburg, morden und plündern in der Umgebung. 1373 – Erteilung der Handfeste für Warpuhnen, Sönntag, Bothau und Schillingshöfen. 1376 – Weißenburg gegründet. 1379 – wurde Sorquitten gegründet. 1379 – verschrieb Winrich von Kniprode die Güter Sorquitten, Millucken und Stamm an die 4 Brüder „derer von Oelsen“. 1391 – Gründung der Güter der Pustnicker Freien. 1391 – Maradtken gegründet (später Freidorf). 1392 – wurde Grunau, das älteste Zinsdorf des Kreises Sensburg, gegründet. 1392 bis 1396 – Zinsdorf Eichmedien gegründet. (Erhielt 1402 eine neue Handfeste über 70 Hufen). 1397 – wird das Gut Allmoyen von Hans von Olsyn frei zu kölmischem Recht mit 20 Hufen an die Erwerber Glandian und Niclas abgetreten. 1397- wird das Beutnerdorf Aweyden gegründet. 1399 – wurde Salpkeim gegründet. nach oben 1400 – wurde die erste Ordenskirche des Kreises in Seehesten erbaut. 1401 – Zinsdorf Seehesten und Freigut Peitschendorf (Petzendorf) gegründet. Ab 1401 residiert ein Pfleger der Komturei Balga in der Ordensburg. 1411 – Fasten wird gegründet. 1421 – Verschreibung des Gutes Steinfelde (Kamionka u. Niklosburg). 1421 – Mühle in Salpkeim erwähnt. 1422 – Brödienen, Mertinsdorf und Stangenwalde gegründet. 1422 – Mühle in Salpkeim erstmals urkundlich erwähnt. 1435 – Verschreibung von Zudnochen (Siebenhäfen) mit 20 Hufen (336 ha) an Niclas Zudnoch. 1437 – erste Feuergeschütze (1 Stein-und 2 Tarrasbüchsen) in Seehesten stationiert. 1437 – wird Muntau gegründet und Meybowen in Reuschendorf umbenannt. 1442 – Aus diesem Jahre ist die älteste Urkunde im Ratsarchiv der Stadt Sensburg erhalten. 1442 – schenkt Hochmeister Konrad von Ehrlichhausen der Stadt Sensburg den Schoß-See, anknüpfend an eine Schenkung Heinrichs von Plauen.

20. Februar 1444 – In der „Stadt Seinsburgk Hantvesten“ bestätigte der Hochmeister des Deutschen Ordens, Konrad von Ehrlichshausen, dem Bürgermeister, den Ratsmännem und der Gemeinde der Stadt Sensburg die Verleihung von 160 Hufen Land nach kulmischem Recht

1444 – wird Nikolaiken zum ersten Mal urkundlich erwähnt. 1448 – Gründung des Beutnerdorfes Patschendorf (Peitschendorf). 1450 – wird erstmals Burschewen (Prußhöfen) im Amtsbuch von Seehesten mit dem Ortsnamen Falkenhayn erwähnt.

12. /14. August 1450 – Dem neuen Hochmeister des Deutschen Ordens, Ludwig von Erlichshausen, huldigten bei seinem Huldigungsumzug im Ordenstand die Ritter, Freien und Schulzen des Pflegeamts Sehesten und der Rat, Scheppen und die ganze gemeyne der Stadt Seynszburg.

1471 – Gründung von Probergs. 1477 – erhält das bereits bestehende Dorf Gurkeln eine neue Handfeste. 1482 – Erteilung der Rudwanger Bienerhandfeste an die Beutner in Polschendorf (Stangenwalde), Proberg, Muntau, Reuschendorf und Rudwangen durch den Pfleger Otto von Drauschwitz. 1483 – wird in der verbrannten Chronik ein Kirchenpatron von Ribben erwähnt. 1484 – am 12. Mai wird Johannes, Jacobi de Wunßdorff in Sensburg als Pfarrer eingesetzt. 1494 – wird urkundlich der 1. Pfarrer der Kirche in Sorquitten erwähnt. 1499 – Verleihung der Handfeste für Schaden mit 44 Hufen. nach oben Noch 1525, zu Beginn der Reformation, sind die Ämter Ortelsburg und Seehesten im Süden Ostpreußens am spärlichsten besiedelt. Ganz Masuren bestand zu jener Zeit noch zu über 60 Prozent aus Wald, Bruch, Wasser, Wildnis. Erst danach faßten auch hier von Norden und Westen Siedler ins Land Fuß und rodeten es. Doch auch im 16. Jahrhundert blieb der östliche Teil des Gebiets noch weitgehend Wildniszone. Dazu gehörte neben Johannisburg auch Nikolaiken mit seinen großen Urwäldern. 1503 – wird dem „bescheidenen Nicolaien Schmidt“ die Handfeste für das spätere Kirchdorf Schimonken (Schmidtsdorf) erteilt.

1507 – Eine Mühle in Sensburg wurde erstmals 1507 im Visitationsbericht der Komturei Balga dokumentiert mit dem Satz: „die mole vorm hawse und die mole zu Senszberg gehen uf die metze“.

1510 – Markgraf Albrecht von Brandenburg-Ansbach, Neffe des polnischen Königs, wird zum Hochmeister des Deutschen Ordens gewählt

1512 – Gründung von Talten. 1516 – wurde die erste Brücke in Nikolaiken erbaut. 1520 – Großbrand in Sensburg. 1521 – Jacob Pfauher wird zum Pfleger im Amt Seehesten ernannt.

ab 1525 – Pflegeamt „Sehesten“ wurde in ein Hauptamt umgewandelt (unter Beibehaltung derer Grenzen und Verwaltungsstrukturen)

17. September 1527 – Herzog Albrecht verleiht der Stadt Sensburg das Marktrecht 1527 – Pestepedemie im Kreis Sensburg 1535 – Kirche in Nikolaiken urkundlich erwähnt. 1541 – Erste Evangelische Kirchenvisitation im Kirchspiel Aweyden. 1542 – wurde Klein Stamm gegründet. 1542 – wird Georg von Rechenberg Amtshauptmann im Amt Seehesten. 1544 – erhielten die „Freien von Sawadden“ (Balz) am 11. Oktober von Herzog Albrecht die Handfeste. 1544 – wird der Kollogiener Krug dem Zacharias von Petzendorf (Peitschendorf) verschrieben. 1545 – erhält am 26. 10. Olschewen (Erlenau) die Handfeste mit 55 Hufen (1034 ha). 1548 – wird Wosnitzen (Julienhöfen) gegründet, und bricht in Masuren die Pest aus. 1548 – wird dem Schulzen Bartus am 7. Juli Borowen (Prausken) verschrieben. 1549 – erscheint Krummendorf erstmals in den Urkunden. 1550 – am 18. Okt. erhalten in Burschewen (Prußhöfen) 8 Besitzer von Herzog Albrecht eine neue Handfeste. 1550 – wird Lißuhnen von Matthes Lissun gegründet. 1550 – am 11. Okt. verkauft der Amtshauptmann zu Rhein Alt Rudowken (AIt-Hammerbruch) den Brüdern Andrea u. Paul Zipperken zur Gründung eines Zinsdorfes.1552 Verschreibung von Eisenack (Zatzkowen) an Michael von Eysack mit 44 1/2 Hufen. ab 1525 (- 1752) – Fungierte die Ordensburg in Seehesten als Sitz der Amtshauptleute und Verwaltungsquartier einer staatlichen Domäne 1554 – wird Grabowen (Grabenhof) nach Magdeburger Recht an Bartosch Skomotz verkauft, mit der Bedingung, es zum Zinsdorf zu besiedeln. 1554 – Kirche in Seehesten erbaut. 1555 – am 24. Juni wird von Martin Kaßten Mertinsdorf mit 50 Hufen (940 ha) gegründet. 1555 – am 25. Sept. erhält der Matz von Mertinsdorf die Verschreibung für Carwen. 1559 – am 15. 10. Gründung von Czerwanken (Rotenfelde) mit 3 Hufen. 1562 – wird Hans Gutt Amtsverweser in Seehesten. 1563 – wird Hermannsruh gegründet. 1564 – am 16. 12. Verschreibung von Uklanken (Erbmühle) an den Müller Stenzel Oklans. 1565 – am 25. Nov. wird die Handfeste für Krummenort erteilt. 1568 – Nennung des Eisenhammers bei Kollogienen hinter Peitschendorf. 1568/ 1569 – Nach der Brandschatzung im sogenannten „Reiterkrieg“ erlitt Sensburg 1569 wiederum einen Stadtbrand, bei welchem“ Kirche, Glocken und alle Kirchengaben weggebrannt waren 1570 – werden Babenten, Macharren und Zollernhöhe gegründet. 1572 – wird Gansen (Gonswen) gegründet. 1573 – Gründung von Giesewen (Giesenau) 1581 – Kirche in Seehesten baufällig. 1584 – wird Altensiedel und lmmenhagen gegründet. nach oben 1601 – Beginn des Umbaues der Sorquitter Kirche. 1602 – Gründung von lsnothen. 1612 – wurde aus St. Niclas Nikolaiken und Kulinowen (Waldesruh) gegründet. 1614 – wurde Novinnen gegründet. 1618 – die Kirche Seehesten abgebrannt. 1619 – ist Ludwigshof und Wessolowen (Wesselhof) entstanden. 1619 – brannten Kirche und Pfarrhaus in Seehesten ab. 1621 – Heinrichshöfen gegründet und Albrecht von Rautter zum Amtshauptmann im Amt Seehesten ernannt. 1621 – Mathießen (Matheussek) gegründet. 1623 – Prawdowen (Wahrendorf) gegründet.

1633 – Während des 1. schwedisch-polnischen Krieges von 1626-1635 meldete der Amtshauptmann von Sehesten 1633 dem Kurfürsten, daß „wegen der durch Krieg und Pest stark dezimierten Gruppe der Erbuntertänigen 390 Bauemhuben wüst wären“‚

1638 – entsteht Lelleken (Julienthal). 1642 – Huldigung Kurfürst Friedrich Wilhelm durch die Bürger der Stadt Sensburg / Amt Seehesten 1644 – stand eine Kompanie Dragoner im damaligen Amt Seehesten. 1651 – Erzlager des Eisenhammers in Modersohn (1 r. Kollogienen) sind erschöpft, Umbau zur Mühle. 1653 – werden dem Freiherrn von Hoyerbeck die Güter Eichmedien und Budzisken (Wachau) verschrieben. 1655 – 1658 – Durch den 2. schwedisch-polnischen Erbfolgekrieg kam 1655 erneut große Not über das masurische Land. Weil die Heer- und Handelsstraße Königsberg-Warschau durch das Amt Sehesten führte, mußte das Amt Seehesten jahrelang unter Plünderungen, Einquartierungen, Pest- und Viehseuchen leiden.

30. Mai 1660 – Durch den Friedensvertrag von Oliva wurden die verhängnisvolle Oberlehnsherrschaft des polnischen Königs über den Ordensstaat und das nachfolgende Herzogtum Preußen beendet und die Souveränität des Preußischen Staates von den großen europäischen Mächten verbürgt

1663 – wird das Chatulldorf Lubiewen (Grünbruch) gegründet.

März 1664 – Ihrem jetzt souveränen Landesherrn leisteten den Huldigungseid die Adeligen, Freien und Köllmer des Amts Schesten im Schloß Sehesten und die Sensburger Bürger in ihrer Kirche.

1671 – Pfarrer Johannes Riedel am 18. April in Sensburg geboren. (Ab 1703 Pfarrer in Sorquitten.) 6. Mai 1679 – erneuter Stadtbrand in Sensburg. Im Bericht des Bürgermeisters heißt es: „In einem gewaltigen Sturmwind […] 11 Wohnhäuser und 26 Scheunen ganz abgebrandt“ 1681 – Schatulldorf Grabnik gegründet. 1689 – Gründung von Gußianka (Guschienen).

1693 – Die Jahresrechnung des Amtes Sehesten von 1693 zeigt, daß von 898 Bauernhufen immer noch 436 Hufen wüst lagen. Auch in Stadt Sensburg war 1693 die wirtschaftliche Lage sehr angespannt, wie eine Regierungskommission in einem ausführlichen Bericht festgestellt hatte.

24. Juni 1698 – brannte die Stadt Sensburg fast total ab

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1708 – ist die Pest von Polen in das südliche Preußen eingeschleppt worden. Durch die Pest und anschließende Viehseuche sank die Bevölkerung der Stadt Sensburg und des Amt Seehesten auf den tiefsten Stand ihrer bisherigen Geschichte

11. September 1714 – Nach dem Tod Friedrichs I., des ersten „Königs in Preußen“, huldigten seinem Sohn, Friedrich Wilhelm, in Königsberg die Repräsentanten des Amtes Sehesten und der Vizebürgermeister der Stadt Sensburg, Schulbach, mit 3 weiteren Amtsträgem. Im gleichen Jahr begann der junge König die Wieder-besiedlung der wüsten Ländereien Ostpreußens nachhaltig voranzutreiben und die immer noch anhaltende Schollenflucht in den ertragsärmeren Grenzämtem zu stoppen

28. September 1717 – Das Generaledikt „Wegen der Schulen und Kirchen – Catechisation auf dem Lande“ begründete die Landschulen im Amt Seehesten

1718 – Die Hufenschoß – Kommissionen untersuchte 1718 auch das Amt Sehesten. Die gerechtere Steuerverteilung und die Erfassung der wüsten Hufen in Spezialprotokollen (29) bildeten eine gute Grundlage für die planmäßige Wiederbesiedlung.

bis 1774 – alle wüsten Hufen wiederbesetzt. Überwiegend durch Siedler aus den preußischen Provinzen. 140 Jahre nach Beginn der Verwüstungen im 1. schwedisch-polnischen Krieg waren auch im Amt Seehesten sämtliche Hufen besetzt

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Januar 1807 – große Schäden im Amt Seehesten und Stadt Sensburg beim Durchmarsch französischer Truppen im Krieg Napoleons gegen Preußen und Rußland.

1813 – Vereinigung des Sensburger Stadtgerichts mit dem Justizamt Seehesten/Seesten

1812/13 – Erneute Not kam über Sensburg und das Umfeld, als die Napoleonische Armee im Juni 1812 gegen Rußland marschierte und nach ihrer katastrophalen Niederlage vor Moskau im Winter 1812/13 als ungeordneter Haufen im jämmerlichen Zustand Sensburg und das Amt Seehesten westwärts passierte.

Landkreise in Ostpreußen Landkreis Sensburg 1945
 

Die Landkreise in Ostpreußen
Quelle: Bildarchiv Ostpreußen

Der Landkreis Sensburg 1945
Gezeichnet von Martin Kostka

3. Juli 1818 – Im Rahmen der preußischen Verwaltungsreform wurde durch eine Verordnung der Königlichen Preußischen Regierung zu Gumbinnen vom 3. Juli 1818 der Kreis Sensburg mit 26,503 preußische Quadratmeilen Fläche, 20847 Einwohnern und mit der Kreisstadt Sensburg begründet. Zum Landrat im Kreis Sensburg wurde am 7. Oktober 1819 „Herr von Liesniewski, bisher Bürgermeister in Darkehmen“ ernannt.

1822 – In der Nacht vom 23. auf 24. März 1822 sind in Sensburg durch ein Großfeuer 12 Wohnhäuser und 102 Wirtschaftsgebäude zerstört worden.

1825 – Als letzte größere Siedlergruppe kamen in den Kreis Sensburg die Philipponen, die wegen ihres altrussisch-orthodoxen Glaubens seit 1654 im Zarenreich verfolgt worden waren und um Aufnahme im religiös-toleranten Preußen gebeten hatten. Seit 1825 wurden sie auf ihren Wunsch in einem geschlossenen Gebiet in den Nikolaiker und Cruttiner Forsten angesiedelt. Dort konnten sie ungestört ihren Gottesdienst verrichten. 1857 – Die Ländereien der Domäne Seehesten gingen 1857 in den Besitz der Familie Klugkist über, die bis 1945 hier wirtschaftete

10. September 1858 – Der Kreisschulinspektor Superintendent Stiller berichtete ausführlich über das Landschulwesen in seiner Inspektion Sensbur Landschulen wurden 5.482 Kinder von 92 Lehrern unterrichtet.

1. Oktober 1899 – In die neu errichteten Kasernengebäude am südlichen Sensburger Stadtrand zog am 1. Oktober 1899 das 1. Bataillon des 1. Masurischen Infanterie-Regiments 146 ein.

1919 -1926 – Die ruinöse Wirtschaftslage im Kreis Sensburg zwang viele Bürger zur Auswanderung oder zu langjährigen Tätigkeiten als Gastarbeiter im Bergbau des Ruhrgebiets

Quellen:
Allmendinger, Heide: Historische Einwohner-Verzeichnisse (HEV) für das ehemalige Südostpreußen: Das Kirchspiel Seehesten, Kreis Sensburg : Heiraten, Geburten, Sterbefälle 1731–1750. o. O. 2011 (Schriften der Genealogischen Arbeitsgemeinschaft Neidenburg und Ortelsburg, Ausgabe 22).
Harmjanz, Heinrich: Ostpreußische Bauern: Volkstum und Geschichte, Königsberg (Pr.), 1938. von Sothen, Hans B.: Zuflucht vor dem Schwarzen Tod, Puppen: Von der Jagdbude des Deutschen Ordens zum modernen Forstamt; Das Ostpreußenblatt, Ausgabe vom 6. Mai 2000
Wank, Otto: Die Stadt Sensburg und ihr Umfeld im Spiegel staatlicher und kommunaler Archive – ein Beitrag zur wechselvollen Geschichte der Grenzregion Masuren, Marburg 2001
Historische Karte der Landkreise in Ostpreußen (um 1939) im Bildarchiv Ostpreußen
Historische Karte der Landkreises Sensburg (1945) bei Kreisgemeinschaft Sensburg gezeichnet von Martin Kostka

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