Die Mittelpolen-Datenbank der AGoFF

Am Rande der Mitgliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft ostdeutscher Familienforscher e.V. 1998 in Leipzig wurde die Datenbank für Mittelpolen erstmals im kleinen Rahmen von Heinz Ulbrich (†) vorgestellt. Ulbrich war von 1985 bis zu seinem Tode Mitglied der AGoFF (MNR 1862) und von 1989 bis 1998 Leiter der AGoFF-Forschungsstelle Mittelpolen/Wolhynien.

Bereits seit 1991 arbeitete er an einem System einer datenbankgestützten Auswertung großer Datenmengen. Es handelte sich um Textdateien, die mit Hilfe des gängigen Unix-Programms „grep‟ durchsucht wurden. Der Arbeitsablauf sah seinerzeit so aus, dass ein Forscher eine Anfrage an Heinz Ulbrich sandte, dieser dann die Textdateien durchsuchte und das Ergebnis ausgedruckt an den Anfragenden zurückschickte. Heinz Ulbrich wünschte sich aber eine Suchmöglichkeit im Internet, mit der möglichst viele Forscher Nutzen aus der Sammlung ziehen konnten.

Zu dieser Zeit gab es noch kein ausgeprägtes World Wide Web, so wie es sich heute darstellt.Mittelpolendatenbank Diskette Nr. 1 Die Betriebssysteme auf den heimischen Personalcomputern (PC) beinhalteten zumeist das Betriebssystem Microsoft Disk Operating System (MS DOS), aber auch Digital Research Disk Operating System (DR DOS) oder in wenigen Fällen Linux (freie, UNIX ähnliche Mehrbenutzer-Betriebssysteme). Windows (seinerzeit in der Version 3.0 /3.11) steckte noch in den „Kinderschuhen‟, wurde unter dem Betriebssystem MS DOS aufgesetzt und auf einem PC sowie auf einer SuperDisk-LS-120 gesichert. Sie bestand aus mehreren Text-Dateien, die über eine BAT-Datei (Text-Datei mit Befehlsangaben) ausgelesen oder über einen Drucker ausgedruckt werden konnten. Daher erfuhr die Datenbank bereits bei ihrer Entstehung im Rahmen der MS DOS–Oberfläche bestimmte Einschränkungen. Eine Bildschirm- sowie Druckzeile umfasste 80 Zeichen, die einzuhalten waren, um beim Ausdruck keinen Zeilenumbruch zu erzeugen. Deshalb mußte der Inhalt jeder Zeile mit Abkürzungen begrenzt werden. Hierzu wurde für jedes Datenfeld die Menge der Zeichen festgelegt, nach der sich die Abkürzungen zu orientieren hatten. Daher mußte im Ausdruck auch die Angabe von Quellen fortgelassen werden.

Mit der Hilfe des Informatikers Dr. Jesper Zedlitz (seinerzeit Gymnasiast) wurde der Bitte von Heinz Ulbrich entsprochen, diese Daten ins Internet zu stellen und dort durch den Nutzer komfortabel abfragbar einzurichten. Mittelpolendatenbank Diskette Nr. 3 Nach Anlaufschwierigkeiten gelang es Dr. Zedlitz die Daten einzulesen und ein Programm zur Umwandlung in das GEDCOM-Format zu schreiben. Die so aufbereiteten Daten wurden zu GEDBAS hochgeladen, wo sie noch heute zu finden sind. Eine Version für den heimischen PC der Leitung der Forschungsstelle wurde im Jahr 2005 von Dr. Harald Bresch durch Übertragung der Daten in eine Windows-Datenbank (MS ACCESS) erstellt. Später wandelte Dirk Vollmer diese wiederum in EXCEL-Tabellen um. Bis 2010 hatte die AGoFF noch keinen Zugriff auf diese damals neuen technischen Möglichkeiten genommen. Infolgedessen geriet der Wert der Mittelpolen-Datenbank in Vergessenheit, zumal durch die vielen Umwandlungen Datenverluste zu befürchten und auch eingetreten waren. Die verwendeten Abkürzungen und Siglen konnten, wo nicht selbst erklärend, oft nicht mehr aufgelöst werden. Erst mit der Entwicklung eines eigenen Internetauftritts, der über eine statische Informationsseite nun hinausging, und einer eigenen Datenbankstruktur konnte an eine Wiederbelebung der Mittelpolen-Datenbank gedacht werden.

Nach mehreren vergeblichen Anläufen wurde schließlich im Frühjahr 2019 zur Tat geschritten, diesen Datenschatz zu heben und aufbereitet auf der aktuellen Webseite den Mitgliedern des Vereins als Arbeitsmittel an die Hand zu geben. Der frühere Forschungsstellenleiter Mario Seifert holte aus seinem Archiv die alten Datensicherungen auf 3,5 Zoll-Disketten und überspielte die darauf gespeicherten ungezählten Textdateien auf ein Transportmedium, das er dem Vorsitzenden Jürgen Frantz übergab. Mittelpolendatenbank Diskette Nr. 5 Änne Baudach übernahm es in ihrer bewährten sorgfältigen Arbeitsweise, aus den Textdateien Datentabellen zu erstellen und diese auf Plausibilität zu prüfen. Jürgen Frantz durchsuchte den Fundus an Dateien und fand schließlich eine kleine Textdatei, in der die verwendeten Siglen und Abkürzungen aufgelöst wurden. So konnten endlich einige nicht erklärbare Abkürzungen von Kirchspielorten aufgelöst und die Angaben zu den Regionen nach heutigen Maßgaben zugeordnet werden. Mittelpolendatenbank Diskette Nr. 8 Weitere Textdateien mit einer Aufstellung der in dieser Datenbank ganz oder zum Teil erschlossenen „Kirchenbücher‟ Mittelpolens sowie einer Zusammenstellung der verwendeten LDS-Filme und die Zuordnung von Teilen der Erfassungen zu den ehrenamtlichen Mitarbeitern sind aufschlussreich. Hervorzuheben ist hier z. B., daß die zuarbeitenden Erfasser insbesondere für den Bereich um Lodz frühe Jahrgänge der Kirchenbücher umliegender katholischer Kirchengemeinden nach Namen von (deutschen) Kolonisten etc. durchsucht und diese in die Datenbank eingetragen haben. Meist wurde die (polnische) Schreibweise der Namen wie vorgefunden übernommen, weshalb bei der Formulierung der Suchnamen Kreativität geboten ist.


Nach über 20 Jahren ist die AGoFF-Mittelpolen-Datenbank mit ihren 185.422 Datensätzen dort angelangt, wo sie Heinz Ulbrich bereits im Jahr 1998 sehen wollte: auf einem im Internet durchsuchbaren, nun von der AGoFF bereitgestellten Platz, der dieser Datenbank eine Zukunft bietet. Die Mitarbeiter der AGoFF-Forschungsstelle Mittelpolen haben sich entschieden, zum einen Berichtigungen und neue Erkenntnisse in vorhandene Datensätze einzupflegen und zum anderen ihre im Rahmen der Bearbeitung der reichlichen Anfragen gewonnenen neuen Datensätze dort einzustellen.

 

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