Mitgliedertreffen vom 18. bis 20. April 2008 in St. Marienthal bei Ostritz

 

Das Mitgliedertreffen 2008 in St. Marienthal bei Ostritz und in Breslau kann rückblickend als großer Erfolg verbucht werden, der viel für das Auge, eine Fülle von Forschungsanregungen und durchaus Anregungen für kommende Mitgliedertreffen in der Zukunft lieferte.

Zwar waren nicht ganz so viele Teilnehmer gekommen, wie sich ursprünglich angemeldet hatten, aber dennoch war die Gruppe erheblich stärker als bei ähnlichen Veranstaltungen in der Vergangenheit, Zeichen dafür, dass Veranstaltungsprogramm, Exkursionsziel und Preisniveau diesmal sehr attraktiv gewählt waren. Von 68 angemeldeten Personen bröckelten in den Tagen unmittelbar vor Beginn der Veranstaltung – nicht unbedingt zur Freude des Organisators, der Klosterverwaltung und des Busunternehmers – 10 Teilnehmer wieder ab, nicht immer mit plausiblen Erklärungen.

Tragischer war dann doch das Ausbleiben von drei Teilnehmern ohne Absage bei Organisation oder Klosterverwaltung. Tragisch deswegen, weil im großen Bus nur 55 Teilnehmer Platz fanden (Maximalgröße für übliche Reisebusse) und für die „Überzähligen‟ eigens ein zweiter Bus bestellt werden musste. Als am Samstagmorgen bei Einstieg in den Bus klar wurde, daß die drei vakanten Teilnehmer doch nicht, wie hoffnungsvoll angenommen, am späten Vorabend eingetroffen waren, musste der zweite Bus kostenverursachend wieder nach Hause geschickt werden. Ebenfalls verursachte dieses Ausbleiben dem Verein erhebliche Stornokosten beim Kloster, die der Schatzmeister nun von den betroffenen Teilnehmern zurückfordern muss. Als erste Konsequenz aus dieser Situation wurde gleich von mehreren Mitgliedern vorgeschlagen, in Zukunft solche Reisen nur noch gegen Vorkasse durchzuführen. Dieser Auffassung schließt sich der Schatzmeister ausdrücklich an.

Am Freitagnachmittag und -abend konnte das vorgesehene Programm weitgehend planungsgerecht stattfinden. Nach dem Bezug der sehr ansehnlichen Zimmer in verschiedenen Gebäuden des Klosters begrüßte der Vorsitzende die Teilnehmer im reservierten Seminarraum. Es waren nicht nur Mitglieder und teilweise deren Partner gekommen, sondern auch das Ehepaar Böhm aus Bergisch Gladbach als Gäste.
An Begrüßung und ersten Austausch schlossen sich die sehr informative geführte Klosterbesichtigung und der Besuch des in eine alte Welt führenden historischen Sägewerkes an. Nach gemeinsamen Abendessen in der Klostermensa gab der Organisator unserer Breslau-Exkursion, FGR-Leiter Breslau Ekkehard Lindner, einen Überblick über den kommenden Tag. Ihm folgte der FGR-Leiter Rybnik & Pleß, Stefan Guzy, mit einem sensationellen Doppelvortrag über die „Schlesische Kartographie‟ und den „Karolinischen Kataster‟, für dessen Auswertung Stefan Guzy noch Mitwirker sucht. An diesen gehaltvollen Vortrag schloß sich für manche eine „Besichtigung‟ der „Klosterschänke‟ an.

Am Samstag ging es früh los, immerhin sollte die Fahrt zur Erreichung des Exkursionszieles Breslau gut drei Stunden dauern. Aber es kam noch schlimmer: Kaum über die Grenze gewechselt, kamen wir in einen größeren Stau, der sich auf unserer Strecke infolge eines Unfalls zwischen LKW und PKW bildete. Das Umfahren des Staus über eine Nebenstrecke war erfolglos, denn auch hier verkeilten sich aufgrund der schmalen Straße und der anderen Ausweichler die Verkehrsflüsse dermaßen, daß wir mit einer Stunde Verspätung in Breslau ankamen. Die Länge der Fahrt wurde verkürzt durch unsere Historiker Dr. Bahl und Dr. Schmilewski, die informativ über Geographie, Historie und Kultur Schlesiens berichteten.
So musste leider gleich der erste Termin, Besichtigung des Staatsarchivs, deutlich gekürzt werden. Dennoch war der Vortrag von Frau Dr. Sokolowska und das Rundlaufen wertvoller Exponate zur Besichtigung höchst informativ und eindrucksvoll. Anschließend musste sich die Gruppe dreiteilen, weil Platzgründe in Universitätsbibliothek und Diözesanarchiv es nicht erlaubten, mit so vielen Personen gleichzeitig aufzutreten. Dafür wurden die Teilnehmer in den genannten Instituten durch interessante Vorträge und Exponatbesichtigungen reichlich entschädigt, aber auch die dritte Gruppe, die eine Stadtführung bevorzugte, kam weitgehend auf ihre Kosten. Zum geplanten Mittagessen am Ring kam es wegen der Verspätung am Vormittag nur noch rudimentär bzw. gar nicht, denn es stand bereits der nächste Termin bei der DSKG (Deutsche Sozial-Kulturelle Gesellschaft) an. Nach kurzer Busfahrt kamen wir bei der in einer schönen Villa residierenden DSKG im Stadtteil Borek/Kleinburg an, wo uns die Geschäftsführerin, Frau Lipman, und der ebenfalls anwesende Kulturreferent des Deutschen Generalkonsulates, Rainer Sachs, interessante Einblicke gewährten und anschließend Kaffee und schlesischer Mohnkuchen den Nachmittag abrundeten. Die DSKG bzw. DSG feierte im vergangenen Jahr 50-jähriges Bestehen und kann auf einen Mitgliederbestand von ca. 1.000 Personen verweisen.

Der Bus brachte uns wieder in Ringnähe und der anschließende Fußmarsch zum Abendlokal gestaltete sich dabei dank unserer Breslaukundigen als weitere Stadtführung.
Endlich war der „Schweidnitzer Keller‟ erreicht, der kalte Abendwind trieb einige schon eher in die gemütliche Kellerwärme. Das gemeinsame Abendessen dort verlief zufriedenstellend und weitgehend harmonisch, führte aber dennoch zum Schluss zu einigen Friktionen, weil sich das junge Personal der Lokalität offensichtlich nicht hinreichend auf unseren Besuch eingestellt hatte, obwohl wir uns vorangemeldet hatten, sodass eine kleinere Gruppe immer noch auf ihr Essen wartete, zu einer Zeit, als das Gros von uns bereits gegessen und gezahlt hatte. Die Rückfahrt mit dem Bus verlief dann doch reibungsloser als die Hinfahrt, sodass es etlichen vergönnt war, um 23:30 Uhr in der bewährten „Klosterschänke‟ den Tag ausklingen zu lassen.

Der Sonntag hielt nach dem Frühstück noch 2 interessante Vorträge bereit:
Zunächst vermittelte der bekannte Genealoge Andreas Richter aus Waldenburg / Wałbrzych tiefe Einblicke in seine schon über 10 Jahre währende Forschertätigkeit. Er ist für die noch nicht verfilmten evangelischen Kirchenbucharchive in Waldenburg und Schweidnitz und die Staatsarchive Breslau, Hirschberg, Kamenz, Liegnitz und Oppeln kompetenter Ansprechpartner, arbeitet seit einigen Monaten mit zwei weiteren Genealogen vor Ort zusammen und machte deutlich, dass sein Honorar gegenüber sonst fälligen Reise- und Übernachtungskosten durchaus vorteilhafter sein kann, zumal er durch seine Praxis und Zweisprachigkeit wesentlich effizienter auftreten kann. Andreas Richter brachte einige seiner Reprints alter Chroniken mit, die man zu günstigem Preis erwerben konnte. Auch ermöglichte er am Nachmittag einem unserer Mitglieder, in seinem auf Notebook mitgebrachtem Fundus bereits von ihm digitalisierter Kirchenbuchseiten erfolgreich fündig zu werden.
Seine Kontaktdaten lauten: Andreas Richter, Witosa 26 in 58 306 Wałbrzych, Polen (Tel.: 0048 74 6653254; ULR: www.waldenburg.pl)

Zum Abschluss präsentierte Dirk Vollmer das von ihm beim Verein für Computergenealogie e.V. geleitete Projekt „Adreßbucherfassung‟. Mit dem gemeinsamen Mittagessen in der Klostermensa klang ein ereignisreiches Treffen aus und leitete in die Heimfahrt über. Einige schlossen noch eine mehr oder weniger lange private Schlesienreise an. Auf dem Treffen wurde ein gelber Rückmeldezettel angeboten, um von den Teilnehmern den Zufriedenheitsgrad, konstruktive Kritik und weitere Anregungen für die Zukunft zu erhalten. Ich wurde gebeten, die Auswertung dieser Umfrage demnächst zu veröffentlichen. Dem komme ich gerne nach, vorgesehen ist dafür der Arbeitsbericht 3/2008.

Bernd Glasow nach oben
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