Die Stadt Gąbin (Gombin) liegt 17 km südwestlich von Płock entfernt und zählte im Jahre 1820 nur 1.596 Bewohner, davon waren 255 Juden und 381 Christen (Polen und Deutsche). 1829 waren es schon 3.001, darunter rund 500 evangelische Deutsche (u. a. etwa 50 Tuchmacher). Um das Wachstum von Gąbin zu fördern, wurde auf der anderen Seite des Nida-Baches ein neuer Stadtteil mit Ring, Kirchplatz und Pfarrland ausgemessen.
Nach 1750 hatten sich in der Umgegend von Gąbin auch deutsche Kolonisten niedergelassen, so 1759 in Deutsch-Wiączemin, Troszyn Niem. H., Borki und Kämpe Tokary, 1769 in Sady und 1772 in Deutsch-Grabie. 1776 gründeten die Brüder Hilsen das Mennonitendorf Kazuń, 1800 wurde die schwäbische Siedlung Leonberg H. — Lwówek von der preußischen Verwaltung angelegt.
Im Jahre 1829 beschlossen die Gombiner Evangelischen, die Vertreter der deutschen Weichseldörfer und die von Leonberg, die Bildung der Kirchengemeinde Gąbin. Bis dahin pastorierten die Weichseldörfer die Prediger von Iłow. In Gąbin selbst hatten die Evangelischen bereits um 1800 einen Betsaal. Der sich sammelnden Parochie schenkte die Regierung die erforderlichen Bauplätze und zwei Morgen Gartenland. In den Jahren 1827-1829 wurde eine steinerne Kirche und ein Pfarrhaus erbaut. Den ersten Pastor Wilhelm Nathanael Ernst Bando wählte man am 28. Juli 1830. Doch der polnische Aufstand 1830/33, Epidemien, Niedergang des vordem blühenden Tuchmachergewerbes, wie auch die Errichtung der Zollgrenzen zwischen Rußland und Kongreßpolen, verzögerten die Besetzung der Pfarrstelle. Seine Installation, verbunden mit der Einweihung der Kirche, vollzog der Płocker Superintendent Hevelke in Gegenwart des Pfarrers Seegemund, Gostynin, und seines Bruders, des Pfarrers Heinrich Bando aus Zgierz, am 3. Juni 1832. Indessen verminderte sich die Zahl der Evangelischen in Gąbin durch Abwanderung der Tuchmacher nach Łódź und in andere Städte. Vor 1939 waren keine mehr in Gąbin. Dagegen entwickelte sich das herrnhutische Dorf Leonberg auch wirtschaftlich gut. 1938 beabsichtigte man hier eine deutsche Privatschule zu erbauen, was aber die Behörden nicht gestatteten. Ähnlich wie Bando, amtierte über 40 Jahre im Kirchspiel Pfr. und Sup. der Płocker Diözese Theodor Kunzmann. Ihm folgte Pastor Bruno Löffler, der den größten Nachdruck auf den inneren Bau der ihm anvertrauten Gemeinde legte. In gleicher Richtung verlief das Wirken des Pfr. Bruno Gutknecht. Am 7. Juli 1929 wurden drei neue Glocken, von der Glockengießerei Karl Schwabe, Biała, bezogen, eingeweiht. Vom 2.-5. Juni 1932 beging die Gemeinde ihr 100jähriges Jubiläum. Świniary bildete den Mittelpunkt der Niederungsdörfer von Gąbin. Es hatte eine lutherische Kapelle (auch eine Baptistenkapelle). Wiączemin baute 1938 eine massive Kirche. Am 19. Juni 1938 wurde in Szczawin ein neues Bethaus eingeweiht. Desgleichen errichtete Troszyn 1938 ein Kirchlein. In Deutsch-Wymyśle wohnten 4 lutherische und 40 mennonitische Familien friedlich zusammen. Pastor Gutknecht wurde ein Opfer der blutigen Septembertage 1939.
Im Jahr 1923 wurden 131 Taufen, 114 Konfirmationen und 40 Trauungen durchgeführt, es gab 74 Todesfälle und 1.176 Kommunikanten.
Die Gemeinde unterhielt 1 Kirche, 1 Pfarrhaus, 1 Gemeindehaus, 2 Bethäuser und 11 Friedhöfe. Im Jahr 1928 gehörten ihr 4.000 Seelen an.
Quellen:
Kneifel, Eduard: Geschichte der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen, Niedermarschacht über Winsen an der Luhe 1962
Kneifel, Eduard: Die Pastoren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen, Eging, Niederbayern 1970
Kneifel, Eduard: Die evangelisch-augsburgischen Gemeinden in Polen 1555-1939, Vierkirchen über München 1971