Historisches Ortslexikon für die Neumark

Vorwort

Die Arbeiten am Historischen Ortslexikon für Brandenburg zogen sich über mehrere Jahrzehnte hin und fanden mit Veröffentlichung des Teils XI (Orts- und Personenregister) im Jahre 1995 ihren vorläufigen Abschluss, bis 13 Jahre später Peter P. Rohrlach mit dem Historischen Ortslexikon der Altmark, das in seinem Umfang die vorgehenden Bände deutlich übersteigt, einen weiteren Band für eine historische brandenburgische Landschaft veröffentlichte.

Ein Drittel der ehemaligen Provinz Brandenburg, nämlich die Neumark (inklusive Sternberger Land, Herzogtum Crossen und Kreis Schwiebus) blieben weiterhin unbearbeitet. Immerhin konnte für die Städte in dieser weißen Fläche auf das Deutsche Städtebuch von 1939 zurückgegriffen werden, dessen neumärkische Anteile derzeit von Joachim Stephan in einem Projekt der Historischen Kommission zu Berlin (einschließlich der Zeit nach 1945) neubearbeitet werden.

Da ein Historisches Ortslexikon von vielen Seiten vermisst worden ist, hat sich der Bearbeiter, vor allem aus eigenem Interesse heraus, entschlossen, mit der Arbeit an diesem Großprojekt zu begonnen. In ersten Schritt werden derzeit die gedruckt vorliegenden Ortschaftsverzeichnisse des 19. und 20. Jahrhunderts ausgewertet.

Bad Freienwalde, den 3. Februar 2021.
Stefan Rückling

 

Zur Ortssuche

 

Einleitung

Der zeitliche Bearbeitungsrahmen erstreckt sich vom Mittelalter bis zum Jahre 1945 (in Einzelfällen darüber hinaus). Das geografische Bearbeitungsgebiet umfasst die ehemaligen Kreise Königsberg, Soldin, Arnswalde, Friedeberg, Sternberg, Crossen und Züllichau-Schwiebus in ihren Grenzen von 1816 bis 1938. Jeder Siedlungsplatz mit eigenem Namen erhielt einen Ortsartikel, während namenlose Wohnplätze unter dem Ort zu finden sind, zu dem sie gehörten (z. B. ‚Wartenberger Mühle‘ im Ortsartikel ‚Wartenberg‘). Auch heute nicht mehr existierenden Siedlungsplätzen und Wüstungen wurde jeweils ein eigener Artikel gewidmet.

Als Maßstab des Historischen Ortslexikons für die Neumark gelten die bisher erschienenen zwölf Bände des Historischen Ortslexikons für Brandenburg (Bd. I: Prignitz, Bd. II Ruppin, Bd. III Havelland, Bd. IV Teltow, Bd. V Zauch-Belzig, Bd. VI Barnim, Bd. VII Lebus, Bd. VIII Uckermark, Bd. IX Beeskow-Storkow, Bd. X Jüterbog-Luckenwalde, Bd. XI Orts- und Personenregister der Teil I-X, Bd. XII Altmark inkl. Orts- und Personenregister).

Um vergleichende Studien zu ermöglichen, wurde das für alle Teilbände des Historischen Ortslexikons für Brandenburg verbindliche 10-Punkte-Schema übernommen, jedoch weiter differenziert und um Punkt 11 erweitert. Dieses Schema gliedert den zu jedem Artikel erarbeiteten Stoff einheitlich folgendermaßen auf:

  • Deutsche Ortsname: Stand 1945 (bei Orten östlich der Oder) bzw. heutige Schreibweise (bei Orten westlich der Oder)
  • Polnischer Ortsname
  • Lage
  • Höhe
  • Breite °N
  • Länge °O
  • GOV-Kennung: Bezeichnung im Genealogischen Ortsverzeichnis http://genwiki.genealogy.net/GOV
  • Kreiszugehörigkeit

Alle Orte gehörten von 1816 bis 1938 zum preußischen Regierungsbezirk Frankfurt (Oder), was nicht jedes Mal eigens benannt wird.

Die sich anschließenden Punkte enthalten:

  1. Art und Verfassung der Siedlung (Dorf, Kolonie, Stadt, Vorwerk, Wüstung), bei Städten auch deren Bestandteile (Stadt, Festung, Vorstadt, Kietz)
  2. Gemarkungsgröße
  3. Siedlungsform
    1. Archäologische Funde
    2. Wüstungen: In der Gemarkung aufgegangene Wüstungen, auf ehemalige Siedlungen hinweisende Flurnamen, Wüstwerden von Siedlungen
    3. Siedlungsform: Anger-, Haufen-, Kolonisten-, Rundplatz-, Sackgassen-, Straßendorf, Gutssiedlung
    4. Siedlungsaufbau: Befestigung, Mauern und Tore, Straßen und Plätze, Häuser und Feuerstellen, öffentliche Gebäude, Begräbnisplätze, Laternen, Brunnen, ab dem 19. und 20. Jahrhundert auch öffentliche Garten- und Parkanlagen
  4. Namen der Siedlung
    1. Erste schriftliche Erwähnung (bzw. Gründung)
    2. Deutung des Ortsnamens
    3. Schreibweisen, Umbenennungen
  5. Rechtswesen
    1. Gerichtszugehörigkeit
    2. Historische Richtstätten
    3. Scharfrichtereien
    4. Hexenverfolgung
  6. Herrschaft und Verwaltung
    1. Herrschaftszugehörigkeit
    2. Städtische Ämter und Behörden: Magistrat, Kämmerei (Besitz, Einkünfte, Abgaben)
    3. Nichtstädtische Ämter und Behörden
  7. Wirtschafts- und Infrastruktur
    1. Sozialschichtung
    2. Wirtschaft: Betriebe, Fischwirtschaft, Forstwirtschaft, Gewerbe, Handwerk, Landwirtschaft, Märkte, Separation, Teeröfen, Ziegeleien, Zünfte/Innungen
    3. Bildung und Kultur: Archive, Bibliotheken, Druckereien, Kinos, Museen, Schulen, Fortbildungsstätten, Theater, Vereine, Verlage, Zeitungen
    4. Soziales: Altenheime, Apotheken, Armenwesen, Hospitäler, Kinderbetreuung, Krankenhäuser, Lazarette, Legate, Stiftungen, Stipendien, Waisenhäuser
    5. Verkehr: Chausseen, Eisenbahn, Post, Schiffsverkehr, auch Fremdenverkehr
    6. Versorgung: Energie, Feuerwehr, Kanalisation, Wasser
    7. Mühlen
    8. Krüge
    9. Militär
  8. Kirchliche Verfassung
    1. Kirche im Mittelalter: Bistum, Archidiakonat
    2. Evangelische Kirche: Inspektion, Superintendentur, Kirchenkreis, Parochialverhältnis, Patronat
    3. Katholische Kirche
    4. Weitere Glaubensgemeinschaften
  9. Baugeschichte
    1. Baudenkmale
    2. Brände und kriegerische Zerstörungen
  10. Bevölkerung
    1. Herkunft der Bewohner
    2. Einwohnerzahlen
    3. Bevölkerungsverluste durch Auswanderungen, Epidemien, Kriege
    4. Minderheiten: Juden, Polen, Sinti/Roma
    5. Bevölkerungsverzeichnisse: Adressbücher, Bürgerbücher, Datenbanken, Erbregister, Generalpachtanschläge (darin: Prästationstabellen, Verzeichnisse der Mahlgäste), Gerichtsbücher, Grundbücher/Grundakten (auch der Rittergüter, darin z. T.: Untertanenverzeichnisse), Häuserbücher, Hufenklassifikation, Impflisten, Kataster, Kirchenbücher, Schöppenbücher, Seelenlisten/Seelentabellen, Stammrollen, Standesamtsbücher, Urbare, Volkszählungen, Zeitungen
    6. Bedeutende Persönlichkeiten
  11. Quellen und Literatur zur Ortsgeschichte
    1. Literatur: Aufgenommen wurden nur Darstellungen zur Gesamtgeschichte eines Ortes, nicht aber zu speziellen Aspekten. Im Übrigen wird auf die Bibliographie zur Geschichte der Mark Brandenburg, bearbeitet von Hans-Joachim Schreckenbach, Teil 1–4 und 6, Weimar 1970–1997 (Veröffentlichungen des Staatsarchivs Potsdam, Bd. 8–11, bzw. des Brandenburgischen Landeshauptarchivs, Bd. 32) und auf die Literaturdokumentation (Litdok) zur Geschichte Ostmitteleuropas, die online recherchierbar ist (http://www.litdok.de/cgi-bin/litdok), verwiesen.
    2. Ältere Karten
    3. Siegel und Wappen

Den Abschluss eines jeden Artikels bildet ein Verzeichnis der verwendeten Quellen.

 

Abkürzungs- und Quellenverzeichnis

 

 


 

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