Historisches Ortslexikon für den Kreis Königsberg (Neumark)

Vorwort

Die Arbeiten am Historischen Ortslexikon für Brandenburg zogen sich über mehrere Jahrzehnte hin und fanden mit Veröffentlichung des Teils XI (Orts- und Personenregister) im Jahre 1995 ihren vorläufigen Abschluss, bis 13 Jahre später Peter P. Rohrlach mit dem Historischen Ortslexikon der Altmark, das in seinem Umfang die vorgehenden Bände deutlich übersteigt, noch einen weiteren Band für eine historische brandenburgische Landschaft veröffentlichte.

Ein Drittel der ehemaligen Provinz Brandenburg, nämlich die Neumark, das Sternberger Land, das ehemalige Herzogtum Crossen und die frühere Herrschaft Schwiebus, bleiben weiterhin unbearbeitet. Immerhin kann für die Städte in dieser weißen Fläche auf das Deutsche Städtebuch von 1939 zurückgegriffen werden , dessen neumärkische Anteile derzeit von Joachim Stephan in einem Projekt der Historischen Kommission zu Berlin (einschließlich der Zeit nach 1945) neubearbeitet werden. Für das Gebiet des früheren Kreises Königsberg (Neumark) publizierte der polnische Historiker Edward Rymar im Jahre 2016 ein Historisches Ortslexikon des Mittelalters, das bis in die Frühe Neuzeit hineinreicht und auf ausgiebiger Literaturrecherche basiert, während Archive nicht aufgesucht wurden.

An dem höchst unbefriedigenden Zustand eines fehlenden Historischen Ortslexikons für den östlichen Teil der Provinz Brandenburg wird sich in nächster Zeit nichts ändern, da es Niemanden gibt, der zeitlich und organisatorisch in der Lage wäre, alle in Frage kommenden Archive in Berlin, Brandenburg und Polen aufzusuchen und das Material, und sei es auch nur das wichtigste, zu sichten.

Wenigstens für den Kreis Königsberg (Neumark) soll dieser Missstand behoben werden, indem mit der Arbeit an einem Historischen Ortslexikon, das den Zeitraum vom Mittelalter bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts umfassen soll, begonnen wurde. In einem ersten Schritt werden derzeit die gedruckt vorliegenden Ortschaftsverzeichnisse des 19. und 20. Jahrhunderts ausgewertet.

Berlin, den 4. Dezember 2019. Stefan Rückling

 

 

Derzeit 133 Siedlungsplätze.

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Einleitung

Als Maßstab des Historischen Ortslexikons für den Kreis Königsberg (Neumark) gelten die bisher erschienenen zwölf Bände des Historischen Ortslexikons für Brandenburg (Bd. I: Prignitz, Bd. II Ruppin, Bd. III Havelland, Bd. IV Teltow, Bd. V Zauch-Belzig, Bd. VI Barnim, Bd. VII Lebus, Bd. VIII Uckermark, Bd. IX Beeskow-Storkow, Bd. X Jüterbog-Luckenwalde, Bd. XI Orts- und Personenregister der Teil I-X, Bd. XII Altmark inkl. Orts- und Personenregister ). Um vergleichende Studien zu ermöglichen, wurde die Struktur dieser Bände übernommen, desgleichen auch folgender Text der Einleitung:

„Gegenstand des Historisches Ortslexikons […] sind sämtliche Ortschaften und Wohnplätze mit eigenem Namen, die seit der hochmittelalterlichen Kolonisationszeit jemals bestanden haben. Der Terminus a quo hängt von der schriftlichen Überlieferung ab. Die Ergebnisse der ur- und frühgeschichtlichen Forschung werden nur zur Ergänzung bzw. Bestätigung sonst unsicherer Tatsachen herangezogen. Es ist in dem hier gesteckten Rahmen nicht möglich, einen auch nur annähernd vollständigen Überblick über die vor- und frühslawischen Siedlungen in m Kreis Königsberg (Neumark) zu geben. Dagegen wird der Versuch unternommen, alle Siedlungen mit eigenem Namen in „historischer“ Zeit, d. h. seit Beginn der schriftlichen Überlieferung, vollständig zu erfassen, zu lokalisieren und zeitlich einzugrenzen. Dass dabei noch hochmittelalterliche Ortswüstungen unbekannt bleiben werden, liegt an der relativ dürftigen Quellenlage in dieser Zeit. Es werden, soweit möglich, aus archivalischen Quellen weitere hoch- und spätmittelalterliche Wüstungen, zum Teil mit genauer Lokalisierung nachgewiesen, nicht jedoch die partiellen Wüstungen, da, wie die Quellen des 14. und 15. Jahrhunderts erkennen lassen, davon fast jedes Dorf zeitweise betroffen war. Berücksichtigt würden auch Flurwüstungen bzw. Flurnamen, soweit diese auf ehemals selbstständige oder unselbstständige Siedlungen schließen lassen.“

Das für alle Teilbände des Historischen Ortslexikons für Brandenburg verbindliche 10-Punkte-Schema wurde für das Historische Ortslexikon für den Kreis Königsberg (Neumark) übernommen, jedoch weiter differenziert und um Punkt 11 erweitert. Dieses Schema gliedert den zu jedem Artikel erarbeiteten Stoff einheitlich folgendermaßen auf:

Am Beginn steht der Ortsname in der letzten deutschen und in der heutigen polnischen Schreibweise, bei eingegangenen Siedlungen nach der jüngsten bzw. bekanntesten Schreibweise. Es folgt die Kennzeichnung der geografischen Lage, der Höhe, des Breiten- und Längengrades sowie die Kennung des Geschichtlichen Ortsverzeichnisses (GOV, Angaben des Breiten- und Längengrades auch laut GOV), dann die Kreiszugehörigkeit in der Zeit vor 1816 und von 1816 bis 1945.

Alle Orte gehörten von 1816 bis 1945 zum preußischen Regierungsbezirk Frankfurt (Oder), was nicht jedes Mal eigens benannt wird.

Die sich anschließenden Punkte enthalten:

  1. Art und Verfassung der Siedlung (Dorf, Kolonie, Stadt, Vorwerk, Wüstung), bei Städten auch deren Bestandteile (Stadt, Festung, Vorstadt, Kietz)
  2. Gemarkungsgröße
  3. Siedlungsform
    1. Archäologische Funde
    2. Wüstungen: In der Gemarkung aufgegangene Wüstungen, auf ehemalige Siedlungen hinweisende Flurnamen, Wüstwerden von Siedlungen
    3. Siedlungsform: Anger-, Haufen-, Kolonisten-, Rundplatz-, Sackgassen-, Straßendorf, Gutssiedlung, auf Grundlage des Kartenwerks von Schmettau von 1767/87 im Maßstab 1:25000, fortgesetzt durch die handgezeichneten Urmesstischblätter von 1822/72 und die gedruckten Messtischblätter 1:25000 von 1879/1942
    4. Siedlungsaufbau: Befestigung, Mauern und Tore, Straßen und Plätze, Häuser und Feuerstellen, öffentliche Gebäude, Begräbnisplätze, Laternen, Brunnen, ab dem 19. und 20. Jahrhundert auch öffentliche Garten- und Parkanlagen
  4. Namen der Siedlung
    1. Erste schriftliche Erwähnung (bzw. Gründung)
    2. Deutung des Ortsnamens
    3. Schreibweise
  5. Rechtswesen
    1. Gerichtszugehörigkeit vor Aufhebung der Patrimonialjustiz im Jahre 1849, von 1849 bis 1878 (Kreisgerichte bzw. deren Deputationen und Kommissionen) und von 1879 bis 1945 (Amtsgerichte)
    2. Historische Richtstätten
    3. Scharfrichtereien
    4. Hexenverfolgung
  6. Herrschaft und Verwaltung
    1. Herrschaftszugehörigkeit
    2. Städtische Ämter und Behörden: Magistrat, Kämmerei (Besitz, Einkünfte, Abgaben)
    3. Nichtstädtische Ämter und Behörden
  7. Wirtschafts- und Infrastruktur
    1. Sozialschichtung
    2. Wirtschaft: Betriebe, Gewerbe, Handwerk, Landwirtschaft, Märkte, Separation, Zünfte/Innungen
    3. Bildung und Kultur: Bibliotheken, Druckereien, Museen, Schulen, Fortbildungsstätten, Vereine, Verlage, Zeitungen
    4. Soziales: Altenheime, Apotheken, Armenwesen, Hospitäler, Kinderbetreuung, Krankenhäuser, Lazarette, Legate, Stiftungen, Stipendien, Waisenhäuser
    5. Verkehr: Chausseen, Eisenbahn, Post, Schiffsverkehr, auch Fremdenverkehr
    6. Versorgung: Energie, Kanalisation, Wasser
    7. Mühlen
    8. Münzprägung
    9. Garnison
  8. Kirchliche Verfassung
    1. Mittelalter: Bistum, Archidiakonat
    2. Evangelische Kirche: Inspektion, Superintendentur, Kirchenkreis, Parochialverhältnis, Patronat. Da keine neumärkischen Visitationsprotokolle aus der Zeit der Reformation erhalten sind, wurden ersatzweise die Kirchenmatrikeln von 1693/94 herangezogen, um den Pfarr- und Kirchenbesitz darzustellen.
    3. Römisch-katholische Kirche
    4. Garnisonkirchen, andere Kirchen und Glaubensgemeinschaften
  9. Baugeschichte
    1. Baudenkmale
    2. Brände und kriegerische Zerstörungen
  10. Bevölkerung
    1. Herkunft der Bewohner
    2. Einwohnerzahlen
    3. Bevölkerungsverluste
    4. Minderheiten: Juden, Polen, Sinti/Roma
    5. Bedeutende Persönlichkeiten
  11. Quellen und Literatur zur Ortsgeschichte
    1. Archive
    2. Ältere Karten
    3. Siegel und Wappen
    4. Literatur: Aufgenommen wurden nur Darstellungen zur Gesamtgeschichte eines Ortes, nicht aber zu speziellen Aspekten. Im Übrigen wird auf die Bibliographie zur Geschichte der Mark Brandenburg, bearbeitet von Hans-Joachim Schreckenbach, Teil 1–4 und 6, Weimar 1970–1997 (Veröffentlichungen des Staatsarchivs Potsdam, Bd. 8–11, bzw. des Brandenburgischen Landeshauptarchivs, Bd. 32) und auf die Literaturdokumentation (Litdok) zur Geschichte Ostmitteleuropas, die online recherchierbar ist (http://www.litdok.de/cgi-bin/litdok) verwiesen.

 

Quellen:

  • Neitmann, Klaus: Ein Rückblick auf das „Historische Ortslexikon für Brandenburg“ und auf P. Rohrlachs Anteil am Langzeitvorhaben des Brandenburgischen Landeshauptarchivs. In: Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für die Altmark, Bd. 1: A-K, Bd. 2: L-Z. Berlin 2018 (Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs, Bd. 68), S. VII-XVII.
  • Keyser, Erich (Hrsg.): Deutsches Städtebuch. Handbuch städtischer Geschichte. Bd. I: Nordostdeutschland. Stuttgart-Berlin 1939.
  • Rymar, Edward: Słownik Historyczny Nowej Marchii w Średnio-wieczu. Tom II: Ziemie Chojeńska, Mieszkowicka, Trzcińska i Kostrzyńska (Historisches Lexikon der Neumark im Mittelalter. Bd. II: Das Königsberger, Bärwalder, Schönfließer und Küstriner Land). Chojna 2016 (Terra Incoghttps://agoff.de/?p=97397nita, t. 12, z. 2).
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