Geschichte des evangelischen Kirchspiels Seehesten

Das Haus Seehesten lag bei seiner Gründung um das Jahre 1367 inmitten der Großen Wildnis und bestand anfangs wie auch andere Ordensburgen aus einem Blockhaus mit einem Baum als Wartturm und einem Plankenzaun als Schutz. Erst als genügend Wald gerodet worden und Wege vorhanden waren, konnte damit begonnen werden, ein festes Gebäude aus Stein zu bauen. Seehesten war Sitz eines Pflegers und nach einer Aufstellung aus dem Jahr 1451 gehörten neben dem Hauskaplan und einem Schreiber noch 16 namentlich genannte Männer, weitere 20 Stall- und Pflugknechte und dazu Frauen, Mägde und Kinder zum Haushalt. Um die Versorgung sicherzustellen, gehörte von Anfang an ein Vorwerk von etwa 23 Hufen dazu. Bald nach dem Bau des Hauses Seehesten entstand dort wie bei allen Ordenshäusern eine Lischke (altpreußisch für Korb oder Schachtel aus Flechtwerk), ein durch Hecken und Flechtzäune eingegrenzter Bereich, der bis ins 19. Jahrhundert als „Freiheit Seehesten“ bezeichnet wurde. Die ersten Gründungen waren Freidörfer mit kulmischem Recht – 1367 Rauwewang (Rudwangen) mit drei Verschreibungen je 11 Hufen), 1371 Langenbrück mit zunächst einer Verschreibung zu 10 Hufen und 1373 Weißenburg mit fünf Verschreibungen zu je 10 Hufen. Weißenburg wuchs bis zum Anfang des 17. Jahrhunderts bis auf 105 Hufen und war das größte Freidorf im Amt. Die Grundstücke dieser Freidörfer wurden in der Regel an mehrere Verwandte verliehen und wurden im Laufe der Zeit unter ihnen aufgeteilt. 1449 wird Falkenhaym im Amtsbuch erwähnt, später umbenannt zu Prußhöfen/Burschewen/Bruszewen. 1550 gehörte das Gut acht Besitzern, unter ihnen tauchen zwei Nachnamen auf, die auch noch 1730-50 dort vorkommen: Sokolowsky und Niklaß. Unter den ersten Besitzern waren Simon, Lenhart und Jan Proßensky, die ihre Güter unter ihre Kinder aufteilten oder auch verkauften – sie sollen Stammpreußen gewesen sein und dem Dorf (Proßhöwen) ihren Namen gegeben haben. Sie erhielten im Gegensatz zu den übrigen Freidörfern preußisches Recht. Die übrigen Dörfer des Kirchspiels Seehesten wurden als Zins- oder Bauerndörfer gegründet mit einem Lokator als Erbschulz mit Freihufen und Bauern, die meist 2 Zinshufen erhielten: 1737 Reuschendorf, Lokator war Jacob Medebaum. Der ursprüngliche Dorfname Meybowen verschwand früh und wurde ersetzt durch Ruskain/Ruskawies (deutsch Reuschendorf). 1401 das Zinsdorf Seehesten mit 40 Hufen, davon 4 Schulzenhufen und – später – 4 Kirchenhufen, sowie 4 Krügen mit je 1 Hufe. 1450 Kerstinowen wird unter dem Namen Schwartzenburgk im Amtsbuch aufgeführt. Noch später wurden die restlichen Dörfer des Kirchspiels Seehesten gegründet: 1566 Pfaffendorf, auch Popowen genannt, 1573 Giesewen/Gyzewen, Lokator war Woytek Giesa (deutsch Schienbein) 1577 Surmowen, Lokator war Jacob Surma (deutsch Schalmei) um 1584 Siemanowen/Symanowen. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts bestand das Kirchspiel Seehesten aus folgenden Dörfer: Seehesten mit der Freiheit Seehesten, Bruszewen, Gyzewen, Kerstinowen, Pfaffendorf, Reuschendorf, Rudwangen, Surmowen, Symanowen, Weißenburg 1822 wurde Bosemb/Bussen zu Seehesten eingepfarrt 1874 wurden die Dörfer Bruszewen/ Burschewen/Prußhöfen, Gyzewen/Giesewen/Giesenau, Surmowen/Surmau, Symanowen/Siemanowen/Altensiedel zum neu gegründeten Kirchspiel Warpuhnen geschlagen
 

Quellen:

Allmendinger, Heide: Das Kirchspiel Seehesten im Kreis Sensburg 1731 – 1750, Nr. 22 der Schriften der Genealogischen Arbeitsgemeinschaft Neidenburg und Ortelsburg

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