Historisches Ortslexikon für die Neumark

Bernstein (Stadt) – Pełczyce

Lage
„(…) liegt mit dem Dorfe Beerfelde und mit einigen Vorwerken ganz isoliert in dem Pyritzischen Kreise des Herzogthums Pommern, 2 Meilen von Arnswalde, und ist auf der Westseite von dem Jungfern-See umgeben.“ (Bra)
 
Karte
Kreiszugehörigkeit
1775, 1816: Kreis Arnswalde (Bü, Amtsblatt)
Ab 1816: Kreis Soldin (Amtsblatt)
1. Art und Verfassung
1775, 1817: Stadt (Bü, Verz)
2. Gemarkungsgröße
1793: 255 Hufen (Wut)
1800: 55 ⅓ Hufen (Bra, Hof)
3 d. Siedlungsaufbau
1719: 34 Häuser mit Ziegeldach, 50 Häuser mit Strohdach, 3 Scheunen, 33 wüste Stellen (von 2 Brandschäden zu Anfang des 18. Jahrhunderts) (Bra)
1750: 144 Häuser mit Ziegeldach, 10 Häuser mit Strohdach, 46 Scheunen, 4 wüste Stellen (Bra)
1791: In der Stadt 120 Häuser mit Ziegeldach, vor der Stadt 40 Scheunen mit Strohdach. – Die Stadt wird in die Alt- und Neustadt eingeteilt. Von den ehemaligen Mauern sind nur noch einige Überbleibsel vorhanden. 3 mit Schlagbäumen versehene Eingänge der Stadt: Arnswaldisches, Stargardsches und Altstädter Tor. (Wut)
1800: 116 Häuser mit Ziegeldach, 57 Scheunen. – Offener Ort, nur an einigen Stellen mit Palisaden versehen, 3 Tore (Arnswaldisches, Stargardsches, Altstädter Tor), besteht nur aus einigen Straßen, die z. T. gerade und ziemlich gut bebaut sind. Ein kleiner Marktfleck in der Mitte der Stadt, die in die Alt- und Neustadt eingeteilt wird. Die Häuser sind aus Holz und Fachwerk. Öffentliche Gebäude: 1) Stadtkirche, 2) Rathaus, 3) Pfarr- und Schulgebäude, 4) Hospital. (Bra)
5 a. Gerichtszugehörigkeit
1793: Das Stadtgericht ist mit dem Magistrat verbunden. (Wut)
1800: Das Amt Bernstein hat die Gerichtsbarkeit. (Bra)
6 a. Herrschaftszugehörigkeit
In „ältesten Zeiten“ sollen die v. Bähr (oder Beren) Stadt, Schloss und Land Bernstein bessen haben, bis 1280 gehörten Stadt und Land Bernstein zu Pommern, dann vom brandenburgischen Markgraf eingenommen, 1283 vom Stettiner Herzog wieder erobert, 1298 nahmen die Markgrafen zur Bezahlung des zuvor gekauften Landes Bernstein 100 Mark Silber auf, 1315 kaufte der Stettiner Herzog das Land Bernstein lehnsweise für 7.000 Mark Silber zurück, 1328 huldigte die Stadt den Markgraf Ludwig I. (Wut), 1485 wurden die v. Waldow von Kurfürst Johann mit dem Schloss Bernstein gegen Erlegung von 2.200 rheinischen Gulden belehnt, später auch mit dem Städtchen Bernstein (Wut), 1729 kaufte der preußische König die Stadt und die dazugehörigen Güter für 60.000 Rthlr. aus dem Konkurs derer v. Waldow (Wut), 1729-1744 mit dem kgl. Amt Dölitz verbunden, dann wieder getrennt. (Brü)
Ehedem adlige Mediatstadt, in eine Amtsstadt verwandelt, als König Friedrich I. die Stadt nebst den dazu gehörigen Vorwerken kaufte (Bra). Ehemals stand die Stadt unter der Gerichtsbarkeit der neumärkischen Landeskollegien, ab 1730 nur noch die kgl. Kassen, die Polizei-, Akzise-, Zoll- und Steuersachen unter den neumärkischen Landeskollegien, aber die Justiz-, Kirchen- und Schulsachen unter der pommerschen Regierung und Konsistorium. (Wut)
6 b. Städtische Ämter und Behörden
1793: Der Magistrat besteht aus 1 dirigierenden Bürgermeister (zugleich Stadtrichter und Secretarius) und 1 Senator (zugleich Kämmerer und Servisrendant). 1792 wurde aus der Kämmereikasse ein Bürgerhaus gekauft und zum Rathaus eingerichtet, nachdem das alte Rathaus, das auf dem Markt gestanden hatte, ganz eingefallen war. Zum Eigentum der Stadt gehört ein Eichenwald, woran das kgl. Amt Bernstein Anteil hat. (Wut)
1800: Der Polizei-Magistrat – die Gerichtsbarkeit hat das Amt – besteht aus 1 Bürgermeister (Stadtsekretär) und 1 Senator und Kämmerer. Die Stadt hat keine Besitzungen. Die Revenüen der Kämmerei- und Stadtkasse kommen von 3 kleinen Seen und den Marktständen. (Bra)
6 c. Nichtstädtische Ämter und Behörden
1800: Kgl. Akziseamt (Bra)
7 a. Sozialschichtung
1800: 38 Ackerbürger, 1, Apotheker, 1 Barbierer, 9 Bäcker, 3 Böttcher, 2 Färber, 1 Garnweber, 1 Glaser, 3 Hufschmiede, 1 Kleinschmied, 2 Maurer, 2 Rademacher, 1 Riemer, 1 Seiler, 2 Schlächter, 9 Schneider, 14 Schuhmacher, 2 Tischler, 1 Töpfer, 4 Tuchmacher, 2 Zimmerleute. (Bra)
7 b. Wirtschaft
1791: Die Nahrung der Einwohner besteht, außer ihren Professionen, hauptsächlich im Ackerbau und in der Viehzucht. Die hiesigen Viehmärkte sind berühmt. Viehstand: 60 Pferde, 4 Fohlen, 40 Ochsen, 400 Schweine, 160 Schafe. (Wut)
1800: Ackerbau, Viehzucht, Brauerei, Brennerei. Die Stadt hat einen leichten, größtenteils sandigen Boden. Viehzucht gering, weil die Bürger fast alles Heu kaufen müssen: 67 Pferde, 87 Ochsen, 84 Kühe, 14 Stück Jungvieh, 560 Schafe, 258 Schweine. Die Bürgerschaft besitzt mit dem Amt gemeinschaftlich einen mit Kienen und Eichen mittelmäßig bestandenen Forst. Der Stadtanteil beträgt 18 Hufen bzw. 540 Morgen. Der Amtsanteil gehört zum Diebel und beträgt 270 Morgen. 12 perpetuelle Braustellen, 29 Branntweinblasen. Jährlich 3 Kram- und Viehmärkte, die letzteren werden vorzüglich stark besucht und geben dem Ort viel Nahrung. (Bra)
7 c. Bildung und Kultur
1784: Die Schule, bei der 1 Rektor und 1 Organist angesetzt sind, steht unter der Aufsicht des Konsistoriums zu Stettin. (Brü)
1793: An der Stadtschule ist ein Rektor, der Küster (zugleich Kantor und Organist) unterrichtet die kleinen Kinder. (Wut)
1800: Die Schule wird von einem Rektor versehen, die Mädchenschule vom Küster. (Bra)
Radfahrer-Verein 1895 gegründet, 1897/98: 18 Mitglieder (Jb. Radf.-Ver.)
7 d. Soziales und Freizeit
1784: Das Hospital, von dessen Mitteln die Armenschule erhalten wird und einige Armen Almosen bekommen, steht unter der Aufsicht des Konsistoriums zu Stettin. (Brü)
1793: Das Hospital, das zwar für arme Bürger bestimmt ist, hat schon seit sehr vielen Jahren keine Hospitaliten, weil die Einkünfte dem Einkaufsgeld nicht angemessen sind. (Wut)
1800: Außer einem kleinen Hospital, worin wegen der zu geringen Einkünfte seit vielen Jahren keine Hospitaliten mehr aufgenommen werden, ist eine Armenkasse vorhanden, worin jährlich durch Kollekten ungefähr 14 Rthlr. für die Stadtarmen gesammelt werden. (Bra)
1 Apotheker 1800 (Bra, Hof)
7 f. Versorgung
1800: 30 öffentliche und Privatbrunnen, 1 metallene, 126 hölzerne Spritzen, 126 Feuerleitern, 141 Eimer, 5 Haken, 4 Wasserkufen (Bra)
7 g. Mühlen
1784: 2 Wassermühlen (Kleine Mühle und Sackmühle) (Brü)
1800: 1 Wassermühle (Hof)
1800: Bei der Stadt befindet sich eine zum Amt gehörige Wassermühle. (Bra)
7 h. Krüge
1800: Keine Schankkrüge (Bra)
7 i. Militär
Garnison: 1793, 1800: Keine (Wut, Bra)
Kanton: 1793: Feld-Artillerie-Corps zu Berlin (Wut)
8 b. Evangelische Kirche
Ab 1738: Synode Werben oder Sallentin (Pommern) (Wut)
1775: Inspektion Sallentin (Pommern), Mutterkirche, Patronat: König (Bü)
1784: Die unter kgl. Patronat stehende Kirche, deren Filial das Dorf Bärfelde ist, und zu welcher die kgl. Försterei im Buchholz eingepfarrt ist, hat nur 1 Prediger, der von der Regierung zu Stettin berufen wird. (Brüg)
1800: Bei der Stadt steht ein zur Werbenschen Synode in Pommern gehöriger Prediger, der vom König berufen wird. (Bra)
8 d. Juden
1791: 6 Judenfamilien, die aus 31 Seelen bestehen. (Wut)
1800: 3 Judenfamilien mit 37 Individuen (Bra)
1813: 16 jüdische Familienhäupter (Amtsblatt, Auß. Beil. XIV)
9 a. Baudenkmale
Kirche, wenn nicht schon vor 1280, so doch zwischen 1280 und 1296 erbaut, 1576 und 1717 abgebrannt, 1734 von Grund auf neu erbaut (Wut)
9 b. Brände, kriegerische Zerstörungen
Im 1474 zwischen dem Herzog v. Stettin und dem Kurfürsten Albrecht Achilles v. Brandenburg ausgebrochenen und 1479 durch den Prenzlauschen Vergleich beendeten Krieg (nach dem der Kurfürst Bernstein behielt) wurde die Stadt vom Kurfürsten belagert, erobert und ihre Mauern niedergerissen. Vermutlich wurde damals auch das feste Schloss zerstört. In den Jahren 1568, 1576, 1581, 1717 hat die Stadt durch Brand sehr gelitten. (Wut)
10 b. Einwohnerzahlen
1719: 232 Wirthe (ohne Frauen und Kinder) (Bra)
1750: 635 Menschen (Bra)
1791: 719 Seelen (Wut)
1800: 707 Einwohner (Hof)
1800: 887 Menschen (Bra)
1817: 1.297 Seelen (Verz)
10 c. Bevölkerungsverluste
Auswanderungen: 1819 nach Russland 1 Familie (3 Personen) … (BLHA Rep. 3B I St)
10 e. Bevölkerungsverzeichnisse
Ev. Kirchenbücher nicht erhalten (Grü). – Standesamtsregister ab 1874 (Grü). – Einzelne Namen in: Generalpachtanschläge Amt Bernstein 1729, 1735, 1743, 1749, 1756, 1770, 1776, 1782, 1788, 1794, 1801, 1807 (BLHA Rep. 3, GStA II. HA). – Feuersozietätskataster 1795, 1809, 1805, 1811, 1823 (BLHA). – Kirchen-Nachrichten 1863, 1864 im Soldiner Kreisblatt (SBB). – Kreisadressbuch Soldin 1925, 1931 (ancestry.de). – Gemeindeseelenliste 1945 (BArch Bayreuth)
11 d. Siegel und Wappen
1793, 1800: Stadtwappen: Bär mit 2 Steinen (Wutstrack, Bra)

Ortschaftsverzeichnisse

Amtsblatt16 = Amtsblatt der Königlichen Preußischen Regierung zu Frankfurth an der Oder, 1816, Nr. 12, S. 103-109: Die Kreiseintheilung in dem Bezirk der Königl. Regierung zu Frankfurth a. O. betreff.

Bra. = Bratring, F[riedrich] W[ilhelm] A[ugust]: Statistisch-topographische Beschreibung der gesamten Mark Brandenburg. Band 1-3. Berlin 1804-1809. Kritisch durchgesehene und verbesserte Neuausgabe von Otto Büsch und Gerd Heinrich. Mit einer biographisch-bibliographischen Einführung und einer Übersichtskarte von Gerd Heinrich. Berlin 1968 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission zu Berlin beim Friedrich-Meinecke-Institut der Freien Universität Berlin, Bd. 22; Neudrucke, Bd. 2)

Brü. = Brüggemann, Ludwig Wilhelm: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preussischen Herzogthums Vor- und Hinter-Pommern. Band 2, Teil 1: Beschreibung der zu dem Gerichtbezirk der Königl. Landescollegien in Stettin gehörigen Hinterpommerschen Kreise. Stettin 1784

Bü75. = Büsching, Anton Friderich: Vollständige Topographie der Mark Brandenburg. Berlin 1775

Hof. = Hoffmann, P. J. G.: Topographie der Neumark nach ihrem gegenwärtigen statistischen und kirchlichen Zustande. Züllichau 1802

Verz. = Verzeichniß der Ortschaften im Bezirke der Königl. Regierung zu Frankfurt an der Oder. Frankfurt an der Oder 1817

Wut. = Wutstrack, Christian Friedrich: Kurze historisch-geographisch-statistische Beschreibung von dem königlich-preussischen Herzogthume Vor- und Hinter-Pommern. Stettin 1793

Weitere Hilfsmittel

Amtsblatt. = Amtsblatt der Königlichen Neumärkschen Regierung, 1811-1816. – Amtsblatt der Regierung zu Frankfurt a. d. Oder, 1816-1945

Grü. = Grüneberg, Georg: Kirchenbücher, Kirchenbuch-Duplikate und Standesamtsregister der ehemals brandenburgischen Kreise Königsberg, Soldin, Landsberg/W., Arnswalde, Friedeberg, Ost- und Weststernberg, Crossen, Züllichau-Schwiebus, Guben und Sorau (östl. der Neiße), Schwerin, Meseritz, Bomst. Bestandsverzeichnis 2025. Lenzen (Elbe) 2025 (=Quellen und Schriften zur Bevölkerungsgeschichte der Mark Brandenburg, Bd. 21)

Jb. Radf.-Ver. = Jahrbuch der Radfahrer-Vereine, 1897/98

Ly. = Lyncker, Alexander von: Die altpreußische Armee 1714-1806 und ihre Militärkirchenbücher (=Schriftenreihe der Reichsstelle für Sippenforschung, Bd. 1). Berlin 1937

Archivalische Quellen

BLHA Rep. 3B I St. = Auswandererkartei Regierungsbezirk Frankfurt (Oder), 19. Jahrhundert

MKB. = Militärkirchenbücher des Infanterie-Regiments Nr. 19: Trauungen 1753-1804 (GStA PK VIII. HA MKB Nr. 431, 439, 440, 441, 555)

 


 

Forschungsstelle Neumark (Ostbrandenurg)
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