Die Parochie Groß Friedrichs-Tabor


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Kirchensiegel von Groß Friedrichstabor

 

Das Kirchensiegel von Groß Friedrichs-Tabor

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Die Parochie Groß Friedrichs –Tabor

Diese Parochie entstand infolge der durch König Friedrich den Großen für die böhmischen Emigranten angelegten Kolonien Groß und Klein Friedrichs-Tabor nebst Tschermin, denen sich bald anfänglich auch die Reformierten jenseits der Provinzialgrenze im Kreise Kempen anschlossen. Ihren Gottesdienst hielten sie seit 1749 zunächst im Pfarrhause zu Groß Tabor, bis 1773/75 eine Kirche „auf Fachwerk mit Lehm ausgekleidet‟ nach dem Anschlage des herzoglich Curlandschen Wirtschaftsamtes vom 11. Juni 1773 erbaut wurde.Titelblatt Franzkowski Groß Wartenberg Zur Herstellung des Baues war schon 1755 eine Kollekte ausgeschrieben worden, deren Ertrag bei der Kgl. Landrentei zu Breslau deponiert, 1772 zusammen 363 Rtl. 14 Sgr. 7 Pf. betrug. Weihnachten 1773 war das Holzwerk des Baues ohne Turm unter Dach, 25 Ellen lang, 16 Ellen breit, 10 Ellen hoch bis zum Dach, die Sparren 13 Ellen hoch, fünfmal verriegelt, mit sechs Fenstern, zwei Türen und einer Sakristei an der Seite. Das Schwellenholz hat Herr von Trepka auf Mielentschin, das übrige Holz das Herzogliche Amt unentgeltlich verabfolgen lassen; ein Herr von Kosiecki auf Kesize bei Kalisch schenkte das Glas zu sämtlichen Fenstern. Die eingepfarrtern Kolonisten trugen im ganzen 242 Rtl. bei und weigerten sich ein Mehreres beizutragen, verließen sich im übrigen auf die königliche Gnade. Da die disponiblen Baugelder zur Bestreitung der Baukosten nicht ausreichten, bewilligte die Kgl. Kriegs- und Domänenkammer 1775 eine zweite Kollekte.

Erster Pastor der Kirchengemeinde Groß Tabor war Paul Bogislaw Kalusky, der am Charfreitag 1758 starb. Das Predigeramt versah nun auf Verfügung des Konsistorialrats Loos einstweilig der Prediger Johann Kosarin aus Schletz in Kleinpolen, welcher der Gemeinde außerordentlich gefiel, so daß sie unterm 8. November 1758 um seine Berufung nach Tabor bat und das umsomehr, als er bereit war, der Witwe Kalusky das Gnadenjahr zu belassen. Die Kgl, Kriegs- und Domänenkammer fand jedoch den Kosarin für Tabor nicht geeignet und wurde unterm 18. Dezember 1758 „auf Sr. Majestät allergnädigsten Spezialbefehl‟ durch den Minister von Schlabrendorff der Alumnus bei der Unität in Großpolen (Lissa) Johann David Richter, für Tabor voziert, welcher Ostern 1759 sein Amt antrat, jedoch mit Verdruß, da die große Mehrzahl der Gemeindeglieder von ihm durchaus nichts wissen wollte. Laut Vokation war ihm eine fixierte jährliche Besoldung von 200 Rtl. aus der Breslauer Landrentei „neben andern sonst einem Prediger zu Friedrichs-Tabor ausgemachten oder noch auszumachenden Emolumenten‟ zugesichert. Aber Richter aß sein Brot mit Seufzen und konnte seines Lebens in Tabor lange Jahre nicht froh werden. Schon unter seinem Vorgänger hatten viele Gemeindeglieder, von einer falsch verstandenen Religionsfreiheit befangen, durch zugewanderte Herrnhuter und Wiedertäufer in ihren Schwärmereien noch mehr bestärkt, große Verwirrung angerichtet. Besonders geschah dies durch den Wiedertäufer Schlerka, der sich als Apostel ausgab und vielen Anhang fand. Obgleich er infolge behördlichen Einschreitens entfernt wurde, hatte doch das durch ihn ausgestreute Unkraut schon feste Wurzel gefaßt. Herrnhuter und Schlerkianer hielten ihre besonderen Zusammenkünfte, mieden den Gottesdienst, ließen ihre Kinder ungetauft und ignorierten vollständig den Prediger Richter, dessen eifrigste Bemühungen, die Sektierer für sich zu gewinnen, völlig vergeblich blieben. Auch alle obrigkeitlichen Verbote nützten nichts; die Leute trieben, was sie wollten; namentlich war es ein gewisser Remesch, seines Zeichens ein gewöhnlicher Dorftischler, der dem Prediger Richter das Leben schwer machte. Er hielt in Groß- und Klein Tabor Privatgottesdienste und Predigten. Titelblatt Franzkowski Groß Wartenberg Dabei war die Jugend seit Jahren schon ohne allen Unterricht. Den von Berlin aus anher gesandten Schulhalter und Kantor Johann Praschak hatte die Gemeinde 1754 verdrängt. Erst Oktober 1762 trat Daniel Wrba als neuer Lehrer und Kantor an. Durch ihn kam aber noch größere Unruhe in die Gemeinde. Wrba entstammte einer angesehenen böhmischen Adelsfamilie, hatte theologischen Studien obgelegen und hielt sich fürs Predigtamt berufen, nach dessen Erlangung er hier trachtete. Behördlicherseits in die Enge getrieben, suchte er Ende Juli 1771 sein Heil in eiligster Flucht. Sein Nachfolger Daniel Ernst Zimmermann, von den Gemeindeältesten am 1. Dezember desselben Jahres voziert, ging mit dem Prediger Richter handinhand. Nach und nach legten sich die Wogen des Aufruhrs und Prediger Richter sah in Tabor noch bessere Zeiten. Ehe sich 1803 seine Augen im Tode schlossen, mußte er es erleben, daß wegen Baufälligkeit der unter ihm vor noch nicht 30 Jahren neu errichteten Kirche die Abhaltung des Gottesdienstes in derselben untersagt wurde. Eine gründliche Instandsetzung erfolgte erst 1806 mit einem Kostenaufwande von 500 Talern.

Aron Stetinius aus Friedrichsgrätz versah nach Richter das Taborer Predigtamt als Vikarius. Thomas Kowatsch, bisher Prediger in Wlotno bei Mellnik in Böhmen, wurde am 18. Oktober 1810 zum Pastor von Tabor berufen. Ihm folgte Joseph Nepsor von 1824-28. Die Stelle blieb jetzt unbesetzt und waren mit ihrer vertretungsweisen Verwaltung die Pastoren Tardy zu Massinetz und Schikora zu Friedrichsgrätz beauftragt. Auf Vorschlag des Konsistorialrats Wunster (Breslau) erhielt Joseph Kacer, Prediger in Wysoka bei Melnik in Böhmen, am 5. Dezember 1829 die Vokation für Tabor. Als er am 25. Januar 1871 im Alter von 68 Jahren starb, wurde das Pastorat seinem Sohne Prokop Kacer, damals Vikar in Branitz bei Leobschütz, übertragen. Unter ihm kam die seitens der Standesherrschaft längst schon geplante Translokation der Kolonie Groß Tabor nach dem Vorwerk Gohle im Jahre 1876 zur Ausführung. Kirche, Pfarrei und Schule, 1884/85 auf dem neuen Platze nach dem Entwurfe des Kreisbaumeisters Souchon (Oels) durch die Baumeister Sckiefe (Wartenberg) und Weber (Kempen) erbaut, erforderten einen Kostenaufwand von ca. 70.000 Mark. Die Weihe der im Herbst 1885 vollendeten Kirche vollzog am 3. November 1885 der Generalsuperintendent D. Erdmann. Pastor Prokop Kacer (schrieb sich in den letzten Jahren „Katscher‟) starb am 17. August 1904.
Die einstweilige Verwaltung der erledigten Stelle führte Pastor Rücker (Bralin), bis Heinrich Duvinage (geb. 22. Februar 1877 zu Schwedt /O. von 1902-1905 Hilfsprediger bei der reformierten Gemeinde zu Lehe, am 17. Mai 1905 für Tabor vorziert, am 19. Juli desselben Jahres ordiniert) am 23. Juli 1905 das Pastorat antrat. Duvinage ging Juli 1911 als Pastor nach Hussinetz und wird Groß Friedrichs-Tabor vorläufig von Bralin aus versehen. Die Parochie zählt ca. 1500 Seelen. Friedhöfe befinden sich zu Groß Friedrichs-Tabor und Tschermin.

Text: Wolf-Rainer Krüger, Meißen, 10. Mai 2017

Quellen:

  • Franzkowski, Joseph: Geschichte der freien Standesherrschaft, der Stadt und des landrätlichen Kreises Groß Wartenberg, Groß Wartenberg 1912 (Selbstverlag des Verfassers)
  • Groß Wartenberger Heimatblatt, Mitteilungsblatt für Familie – Kultur und Zeitgeschehen, Nr. 2/2007, Seiten 10 – 11, Nürnberg (ISSN 0017-4599).

 

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Kirche Neu-(Groß Friedrichs)-Tabor
(Geweiht am 03.11.1885)
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(Geweiht am 11.06.1773)
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